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Streit um Dienstwagen eskaliert
Feuerwehr-Chef Markus Schmidt wirft hin

Verbandsgemeindewehrleiter Markus Schmidt (rechts) bei einer Großübung. Der Chef der Feuerwehr hat seinen Abgang erklärt – nach 19 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit an der Spitze. Grund ist der „Dienstwagen-Streit“.
Verbandsgemeindewehrleiter Markus Schmidt (rechts) bei einer Großübung. Der Chef der Feuerwehr hat seinen Abgang erklärt – nach 19 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit an der Spitze. Grund ist der „Dienstwagen-Streit“. FOTO: Norbert Schwarz, Bildjournalist, Lindenstraße 10, 66484 Battweiler / nos
Zweibrücken-Land. Streit um Dienstwagen: Schmidt geht – nach 19 Jahren an der Spitze der Wehr. Andreas Glahn soll vorerst Löscheinheiten führen. Von Norbert Schwarz

  Markus Schmidt legt sein Ehrenamt als Leiter der  Feuerwehr der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land mit sofortiger Wirkung nieder. In einem Brief vom Dienstag, 13. Februar, gerichtet an sämtliche Wehrführer der Löscheinheiten in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, verabschiedet sich Markus Schmidt persönlich.

In dem Schreiben heißt es: „Am 12. Februar 2018 habe ich meinen Feuerwehrdienst in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land beendet. Bis auf weiteres wird Andreas Glahn mit dem Team des Führungsdienstes dafür sorgen, dass die Feuerwehr in gewohnter Art und Weise funktioniert. Ich bitte euch alle darum, die Kameraden jetzt ganz besonders zu unterstützen. Meine Dienstzeit in der Freiwilligen Feuerwehr Zweibrücken-Land verbinde ich mit sehr viel Stolz und Dankbarkeit. Seit ich das Amt des Wehrleiters ausüben durfte, habe ich eine Feuerwehr erlebt, die in Kameradschaft und Zusammenarbeit Maßstäbe gesetzt hat. Darüber hinaus habt ihr ein sehr hohes Ansehen in der Bevölkerung erreicht. Bleibt auf diesem Weg! Für die Zukunft wünsche ich euch stets eine gesunde Rückkehr aus allen Feuerwehr- und Übungseinsätzen. Mit kameradschaftlichen Grüßen, Markus Schmidt“.

Verbandsgemeindebürgermeister Jürgen Gundacker weilte gestern Abend bei einer Versammlung im Dellfelder Bürgerhaus. Der Merkur bat Gundacker dort um eine Stellungnahme. Gundacker sagte lediglich: „Ein Rücktrittsgesuch von Verbandsgemeindewehrleiter Markus Schmidt liegt mir nicht vor. Deshalb bitte ich um Verständnis, wenn ich dazu nichts sage!“



Ausschlaggebend für Schmidts Rücktritt ist der sogenannte „Dienstwagen-Streit“. Der Wehrleiter hatte in den vergangenen Wochen an die Verwaltung den Wunsch gerichtet, dass für die Führungskräfte der Feuerwehr ein Dienstwagen angeschafft wird. Schmidt plädierte für einen BMW X3, der (sonst um einiges teurer) im Angebot rund 40 000 Euro kosten sollte. Das war der Verwaltung aber immer noch zu teuer, sie bremste Schmidt aus. Dieser ließ daraufhin verärgert seine ehrenamtliche Tätigkeit als Feuerwehr-Chef ruhen. Bislang hatte Schmidt kein Dienstfahrzeug, er nutzte für sein Engagement bei der Wehr das Privatauto und rechnete die gefahrenen Kilometer entsprechend bei der Verwaltung ab.

Merkur-Recherchen zufolge hatte es am Abend des 30. Januar bei der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land eine Gesprächsrunde der Fraktionsführer und der Beigeordneten der Verbandsgemeinde, Doris Schindler, gegeben; es ging um die Frage, wie in dem „Dienstwagen-Streit“ verfahren werden sollte. Dort wurde Schmidts Wunsch nach einem BMW X3 abschlägig beschieden, es wurde jedoch betont, dass ein Fahrzeug im Wert von 35 000 Euro gekauft werden könne. Einzige Prämissen: Allrad und Benziner! Die Summe steht auch für die Beschaffung so im Haushalt der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. An den Beschaffungskosten hätte sich der Landkreis Südwestpfalz mit 12 000 Euro beteiligt. Der Etat der Verbandsgemeinde wäre folglich mit 23 000 Euro belastet worden. Schmidt war mit dieser Entscheidung aber nicht einverstanden, er erklärte daraufhin, dass er nach all dem Ärger sein Amt – nachdem er dieses 19 Jahre lang bekleidet hatte – ruhen lasse. Er legte seinen Alarmpiepser Verbandsgemeinde-Bürgermeister Gundacker auf den Schreibtisch und ging in eine Auszeit. Gestern gipfelte der Streit nun in seinem Rücktritt.

Der stellvertretende Verbandsgemeindewehrleiter Andreas Glahn, der laut Schmidts oben erwähntem Schreiben  „bis auf weiteres“ die Löscheinheiten führen soll, zeigte sich gestern betroffen von der Entwicklung: „Ich bin im Moment ziemlich fertig!“, sagte er. Auf Nachfrage erklärte Glahn, dass er als Nachfolger Schmidts nicht zur Verfügung stehe, aber nach wie vor gerne seinen Posten als stellvertretender Feuerwehr-Chef wahrnehme.

Zu erreichen waren von politischer Seite gestern nur die Fraktionssprecher der CDU, Klaus-Martin Weber und Thomas Hohn von der FDP. CDU-Fraktionssprecher Weber sagte, dass er von der jüngsten Entwicklung nichts wisse, bestätigte jedoch, dass Schmidt Gundacker den Alarmpiepser auf den Schreibtisch gelegt habe. Klaus-Martin Weber bedauerte: „Sollte Markus Schmidt zurücktreten, dann wäre das ein herber Verlust für die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Er ist in den fast zwei Jahrzehnten nicht nur fachlich ein Top-Mann gewesen, sondern hat mit seinem Wissen der Verbandsgemeinde viel Geld erspart!“ Ähnlich äußerte sich Thomas Hohn für die FDP-Fraktion im Verbandsgemeinderat.