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Contwig
Wortbruch und fehlende Wertschätzung

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Contwig. Jörg Marx, ehemaliger Kreisvorsitzender der Jungen Union, trennt sich im Unfrieden von der CDU. Von Jan Althoff

(jam) Ab heute ist die CDU um ein Mitglied ärmer. Das Contwiger Gemeinderatsmitglied Jörg Marx, 32, hat der Kreisgeschäftsstelle seinen Austritt mitgeteilt. Die Gründe für die Entscheidung des ehemaligen JU-Chefs liegen nicht in der großen Politik, sondern in den kleinen Querelen des kommunalpolitischen Geschäfts. Seine Vorwürfe: Wortbruch, Familienwirtschaft, mangelnde Wertschätzung seines Engagements.

Die Vorwürfe richten sich, soweit Namen genannt werden, gegen Klaus Martin Weber, Fraktionssprecher der CDU im Verbandsgemeinderat Zweibrücken-Land. Der habe ihn etwa „unter Druck gesetzt“, bei der Wahl zum B-Kandidaten für die Landtags-Kandidatur von Christoph Gensch nicht gegen Klaus Freiler anzutreten. Im Gegenzug habe er ihm versprochen, „dass ich unter dem ersten Drittel der Verbandsgemeindeliste für die Kommunalwahl platziert würde“. Auf der Vorschlagsliste habe er aber dann in der Mitte (Platz 15) gestanden.

Stichwort Familienwirtschaft: Marx beklagt, dass „vor mir als amtierendem Ratsmitglied“ fünf Neumitglieder platziert wurden, darunter „Familienmitglieder ersten Grades“ der Entscheidungsträger. Die hätten sich auch, anders als er, „bisher nicht engagiert“. Dieses Engagement sieht er, auch durch die Aussage, er sei in der Verbandsgemeinde nicht bekannt genug für eine bessere Platzierung, nicht angemessen wertgeschätzt. „In dem Zeitraum von 2014 bis 2018 habe ich über 100 Anfragen an Bundesministerien und Landesministerien gestellt, welche zu diversen Pressemitteilungen geführt haben“, heißt es im Schreiben an die Kreisgeschäftsstelle. „Ich habe mich für die Reaktivierung der S-Bahn Homburg-Zweibrücken, DSL in Contwig (Anfragen an die Telekom) und in der Südwestpfalz, dem Ausbau der Queichtalstrecke, dem vierspurigen Ausbau der B10 und für weitere Themen eingesetzt.“



Klaus Martin Weber weist Marx‘ Vorwürfe zurück. So habe er ihn nicht unter Druck gesetzt. „Wer mich kennt, weiß, dass ich das nicht mache.“ Er habe ihm nur nahe gelegt, dass es ihm besser zu Gesicht stehe, seinen Hut nicht in den Ring zu werfen – weil er die Wahl verlieren werde. Er habe ihm auch nichts versprochen. Das könne er schon deshalb nicht, weil er nicht alleine über die Kandidatenliste entscheiden könne. Er habe ihm Unterstützung zugesagt, wenn er sich in der Verbandsgemeinde und im Landkreis einsetze. Zudem sei Platz 15 „für einen Contwiger kein schlechter Platz“. „Der müsste normal immer reinkommen.“ Auch Familienwirtschaft sieht Weber in der Partei nicht. Man müsse für jeden jungen Menschen dankbar sein, der sich engagieren wolle. „Wir brauchen 32 Leute, da brauchen wir Nachwuchskräfte – darunter auch meinen Sohn. Die muss man fördern und fordern.“

Er habe, sagt Weber, sehr wohl registriert, dass Marx sich engagiert habe. Umso trauriger sei es, dass dieser „nette junge Mann“ jetzt die Flinte ins Korn werfe, anstatt weiter für die CDU und seine Stellung in der Partei zu kämpfen. Einen faden Beigeschmack hat für Weber, dass Marx seinen geplanten Austritt aus der Partei der Presse avisiert habe, bevor die Betroffenen Bescheid wussten. Er zumindest habe davon erst von der Presse erfahren.

Für den Controller Jörg Marx jedenfalls ist das Kapitel CDU vorerst abgeschlossen. „Ich lass es erst mal ruhen, für mich stehen erst mal private Dinge im Vordergrund“, sagt er. „Wie es dann weitergeht, wird man sehen.“