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Märchenwanderung
„Es war einmal“ auf Schusters Rappen

Märchenerzähler Franz Speicher aus Herschberg bei der Märchenwanderung in Käshofen.
Märchenerzähler Franz Speicher aus Herschberg bei der Märchenwanderung in Käshofen. FOTO: cvw
Käshofen. Bei einer Märchenwanderung mit Franz Speicher gibt es nicht nur für Kinder neue Geschichten zu hören. Von Cordula von Waldow

„Es geht los, hurrah!“ rief ein kleiner Junge. Die Kinder ließen den Spielplatz am Dorfgemeinschaftsplatz in Käshofen Spielplatz sein und begaben sich auf die Märchenwanderung, zu der der Ortsverein Kultur&Rock am Samstag eingeladen hatte.

Bereits nach wenigen Metern im Schatten von Bäumen und Sträuchern, hielt Franz Speicher an. Neugierig scharten sich mehr als 20 Kinder, rund 30 Erwachsene und drei Hunde rund um den Märchen-Erzähler aus Herschberg. Gespannt spitzten sie die Ohren, als Franz Speicher die Geschichte von dem Wolf begann, der „soooolch einen Hunger hatte“. Und von dem pfiffigen Schaf in seinem Ego ausgetrickst wurde, bevor er die gesamte Herde fressen konnte.

Lachend zog die über 50-köpfige Schar weiter. Den Berg hinauf, mit ein paar Pflaumen von den säumenden Bäumen als Wegzehrung, quer durch die Wiesen, bis an den Waldrand. Hier hockten sich kleine und große Zuhörer im Schatten der Bäume neugierig ins weiche, kühle Gras. Aufmerksam lauschten sie der Geschichte von dem Fischerjungen, der sich mit seinem guten Charakter gleich drei Helfer aus dem Tierreich schuf und damit den Königsthron neben der Prinzessin mit der Weltkugel gewann.



Bergab ging es in den kühlen Wald. Statt für den Weg über die sonnige Höhe hatten sich die Veranstalter bei Temperaturen von fast 30 Grad doch für einen 2,3 Kilometer langen Rundweg durch den Wald entschieden. Gestärkt mit den Brombeeren am Wegesrand, begannen die Jungen mit gefundenen oder abgebrochenen Stöcken, die Wege von dem weit verbreiteten Chinesischen Springkraut mit seinen rosa Blüten zu befreien. Als Franz Speicher mit seiner Mundharfe und Gitarre ein Lied anstimmte, kamen sie bereitwillig, um auch die dritte Geschichte zu hören. Sie handelte von drei Waldarbeiter-Töchtern, die sich im Wald verliefen. In einer Hütte begegneten ihnen ein alter Mann, Hühnchen und Hähnchen sowie eine bunte Kuh. „Hühnchen und Hähnchen und Du, bunte Kuh, was sagst Du dazu?“ fragte der alte Mann ein um das andere Mal. „Poooockpockpokpook“ imitierte der Märchenerzähler und die kleine Gesellschaft amüsierte sich.

„Ich finde ganz toll, dass unser Verein Kultur & Rock so etwas anbietet“, lobte Helga Müller. Die Käshoferin war mit ihrer zweieinhalbjährigen Enkelin Nala dabei und freute sich auch, wie gut die Kleine bei der gemütlichen Wanderung mithielt. Kurz vor Erreichen des Dorfgemeinschaftsplatzes gab es, noch im Waldschatten, die vierte Geschichte. Sie handelte von dem klugen und gastfreundlichen Schmied, der mit der Hilfe seiner Gottesgeschenke den Teufel überlistete.

„Ich habe mehr als 85 Märchen im Fundus, ohne alle Weihnachtsgeschichten“, berichtete Franz Speicher. Die meisten von ihnen hat er selbst zusammengestellt, einige auch gefunden in seiner reichen Märchenbibliothek. Er erzählt sie alle auswendig, mit Bezug auf die Region und auf die aktuellen Umständen. Er freute sich, wie aufmerksam die Kinder und Erwachsenen ihm zuhörten. Der elfjährige Felix Weiland, der seinen achtjährigen Bruder Josh begleitete, fand allerdings mehr Spaß am Wandern. „Und an der Musik. Die Lieder waren cool!“, sagte er zu den Volksweisen, Kinder- und Märchenliedern, die der Herschberger mit Gitarre und Mundharfe interpretierte.

Es war nach einer Winterwanderung bereits sein zweiter Auftritt in Käshofen. „Das wiederholen wir“, hatte der Vereinsvorstand längst beschlossen. Die gut 50 Teilnehmer kamen sowohl aus dem Ort als auch aus dem weiten Umkreis. „Der Weg hat sich gelohnt“, sagten Yvonne Brooker und Yvonne Sieber. Sie waren mit drei Kindern aus Walshausen angereist und alle restlos begeistert.