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Landfrauen Contwig
„Ein Rollator ist nicht unser Feind“

Auf einem Parcours, der mehrere Situationen im Alltag widerspiegelt, darunter beispielsweise eine Fußmatte oder eine Bürgersteig-Attrappe, konnte jeder mit seinem Rollator üben.
Auf einem Parcours, der mehrere Situationen im Alltag widerspiegelt, darunter beispielsweise eine Fußmatte oder eine Bürgersteig-Attrappe, konnte jeder mit seinem Rollator üben. FOTO: Nadine Bröcker
Contwig. Frank Malter von der Verkehrswacht Neunkirchen war bei den Contwiger Landfrauen zu Gast. Sein wichtiges Thema: Der richtige Umgang mit dem Rollator.

So manch aufmerksamer Beobachter wird es vielleicht auch schon einmal erlebt haben: Da ist ein Mensch mit einem Rollator unterwegs, doch irgendwie scheinen beide nicht so ganz zusammen zu harmonieren. „Das ist manchmal wie ein Machtkampf mit der Gehhilfe. Da wird gezerrt und gezogen“, erklärt Frank Malter von der Verkehrswacht Neunkirchen. Und dies, so erklärt er weiter, liege häufig daran, dass die Menschen in der Handhabung dieser Gehhilfe oft nicht richtig eingewiesen werden. Da wird noch gezeigt, wie der Rollator zusammengeklappt werden kann, wahrscheinlich auch die richtige Höhe eingestellt, aber wie die betreffenden Personen damit in ihrem Alltag sicher umgehen sollten, bleibt oftmals ihnen selbst überlassen.

Seit 14 Jahren ist Frank Malter ehrenamtlicher Senioren-Sicherheitsberater. Seit drei Jahren geht er mit den Rollatoren auf Aufklärungsreise, wie am vergangenen Donnerstag im Contwiger Rathaus, wozu ihn die Contwiger Landfrauen gemeinsam mit der Gemeindebücherei eingeladen hatten. „Mein Rollator und ich – ziemlich beste Freunde“, nennt Malter die Veranstaltung, bei der er nicht nur mehrere Rollatoren mitgebracht, sondern auch einen Parcours aufgebaut hatte, der mehrere Situationen im Alltag widerspiegelt, darunter beispielsweise eine Fußmatte oder eine Bürgersteig-Attrappe. Auch heute, so weiß er, ist der Rollator für manche ein Tabu-Thema, auch wenn sich die Einstellung zur Gehhilfe in den letzten Jahren merklich verbessert hat.

„Ein Rollator ist nicht unser Feind sondern unser Freund – er hilft uns am aktiven Leben teilzunehmen“, erklärt er daher gleich zu Beginn den über zwanzig Interessierten. Mit einem Rollator macht er den Parcours selbst mehrmals vor und erklärt den Zuhörern, worauf es bei der Handhabung ankommt, etwa wenn man einen Bürgersteig überwinden möchte. „Das Wichtigste am Rollator sind die Bremsen, das vergessen viele“, erklärt er und führt dabei vor, wann die Bremse gehalten werden sollte, damit der Mensch dahinter nicht stürzt, weil die Gehhilfe sonst einen unkontrollierbaren Schub nach vorne macht.



Dann waren die Zuhörer gefragt. Jeder der wollte, durfte den Parcours unter der Begleitung von Frank Malter selbst ausprobieren. Darunter Menschen, die ihren eigenen Rollator mitgebracht hatten, aber auch Begleitpersonen, die selbst Erfahrungen sammeln wollten, um diese an nahestehende Personen weiterzugeben.

Luise Gastner und Karola Lauer schauen unterdessen interessiert zu. Sie benötigen keine Gehhilfe, denken aber auch an nahestehende Personen, bei denen sie schon häufig Unsicherheiten beobachten konnten. Ein Tabu-Thema sehen sie in Sachen Rollater zum Glück nicht. „Wenn es um die Gesundheit geht, muss man an sich selbst denken“, erklärt Karola Lauer. Und Luise Gastner ergänzt: „Und nicht daran, was andere Leute denken“.