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750 Jahre Wiesbach
Viel Lob für Wiesbacher bei Jubiläums-Festakt

 Kita- und Grundschul-Kindern zählten mit zu den würdigen Gestaltern des Festakts „750 Jahre Wiesbach“.
Kita- und Grundschul-Kindern zählten mit zu den würdigen Gestaltern des Festakts „750 Jahre Wiesbach“. FOTO: Norbert Schwarz
Wiesbach. Wiesbach hat seinen 750. Geburtstag gefeiert. Dass der Ort so gut dasteht, sei dem Gemeinschaftssinn seiner Bürger zu verdanken, waren sich die Festredner einig. Von Norbert Schwarz

Gelebte Dorfgemeinschaft, Gemeinschaftssinn, ehrenamtliches Engagement. Werte, die die Bürger des 750 Jahre alten Wiesbach bereits in der Vergangenheit besaßen und sich bis in die Gegenwart bewahrt haben. Einem roten Faden gleich, zogen sich diese lobenden Feststellungen durch die Redebeiträge der zahlreichen Festredner und Gratulanten, die sich am Samstagnachmittag zusammen mit den Dorfbewohnern und Festgästen aus nah und fern im größten Versammlungsraum des Ortes, der katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, beim Festakt und einleitendem, ökumenischen Gottesdienst anlässlich des nicht alltäglichen Ortsjubiläums trafen und das Gotteshaus komplett füllten.

Jauchzet, jauchzet dem Herrn, schmetterte der Kirchenchor unter der Leitung von Steffen Hemmer und dem Organisten Andreas Gerlinger gleich im Eingangslied. Pfarrer Bernhard Selinger ging kurz auf die wechselvolle Geschichte Wiesbachs ein und verglich zum Brückenschlag in die Gegenwart das Dorfjubiläum mit einer Silberhochzeit. Gemeinsam mit dem farrerkollegen Milan Unbehend von der protestantischen Kirchengemeinde mit der weitaus älteren, aber kleineren Dorfkirche, war für den ökumenischen Gottesdienst als Leitspruch der bekannte Psalm 23 (Der Herr ist mein Hirte) ausgewählt worden. Kinder von Kita und Carl-Orff-Grundschule sprachen die Fürbitten und bereicherten mit Gesang den ökumenischen Gottesdienst, welcher ein sehr erhabener und ansprechender Festauftakt wurde.

Christa Türr, die bereits beim Einscannen und Auswählen der mehr als 4500 Bilder für die Chronik ohres Sohns Oliver wertvolle Hilfsdienst geleistet hatte, gewährte danach im groben Zeitraffer anschaulich und einfühlsam in die zum Dorfjubiläum erarbeitete Chronik, unterstützt mit Lichtbildern. Das Vorstellen des Dorfwappens, der Burgruine oder bedeutsamer Persönlichkeiten, wie etwa Pater Jung, dem einzigen Priester der aus dem Ort hervorgegangen ist, oder dem anerkannten Künstler Friedrich Grub fehlten dabei ebensowenig wie das Erinnern an den ersten Wiesbacher Ehrenbürger, den von allen Dorfbewohnern hochgeschätzten Pfarrer Johann Michael Schang, welcher nach 22-jähriger, segensvoller Wirkungszeit 1803 nach Maßweiler versetzt worden war. Mit dem langjährigen Ortsbürgermeister Antonius Buchmann, der gleichfalls zwei Jahrzehnte an der Spitze der Gemeinde stand, wurde erst in der Gegenwart der zweite Ehrenbürger des Ortes mit einer solchen Auszeichnung bedacht. Buchmann zählte ebenfalls zu den Gratulanten und überreichte ein Geldgeschenk.



Die Bundestagsabgeordnete Angelika Glöckner (SPD) fand, dass 750 Jahre Wiesbach im wahrsten Sinne des Wortes eine große Nummer sei. Das ehrenamtliche Engagement von Bürgern habe bereits in der Vergangenheit dazu beigetragen die Schwierigkeiten zu meistern und es werde auch mithelfen bei der Problembewältigung der Neuzeit.

Trotz des hohen Alters wirke die Gemeinde jung, lebendig und schicke sich an, mit seiner jungen Generation kraftvoll in die Zukunft zu schreiten, sagte der Landtagsabgeordnete Christoph Gensch (CDU) und beglückwünschte die Bürger zu ihren Engagement für die Gemeinde und den seit Generationen bewiesenen Gemeinschaftssinn. Dieser sei ein ganz besonderer Schatz, den es weiterhin zu pflegen gelte, beweise doch der Blick in die Vergangenheit, was damit alles bewirkt werden kann. Welche Feststellung dann nach weiteren 750 Jahren zu treffen sei, bleibe dahingestellt, weil das von den heute Feiernden niemand mehr miterlebe, so der Mediziner Gensch weiter.

Landtagskollege Alexander Fuhr (SPD) stellte fest, dass das Gelobte selbst in dieser Feierstunde vorgelebt werde.

Viele Festtage gebe es das Jahr über in den 84 Orten des Landkreises, so Landrätin Susanne Ganster (CDU), doch große Jubiläen wie jetzt in Wiesbach seien weitaus seltener. Im letzten Jahr seien es drei Dorfjubiläen gewesen, neben Wiesbach könnte dieses Jahr auch die Gemeinde Schmalenberg die erste urkundliche Erwähnung feiern. Gerde in der Jetztzeit sei es wichtig, wo Heimat sei, wo die Wurzeln in der Vergangenheit zu finden seien, meinte Ganster, weil dann die Zukunft mit ihren Herausforderungen leichter zu meistern sei.

Auf viele Zeugnisse aus der Vergangenheit könnte Wiesbach noch heute zurückblicken, sagte Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker (SPD), welcher auf die geschichtlichen Hochs und Tiefs des Ortes einging, die Gemeinde als unverwechselbar bezeichnete und, gleich den Vorrednern, den Zusammenhalt, das Zupacken und den bewiesenen Gemeinschaftssinn hervorhob. Etwas, mit dem die Gemeinde auch künftige Herausforderungen bewältigen könne.

Die Reihe der gratulierenden Ortsbürgermeister führte Klaus-Martin Weber aus Käshofen an, der humorvoll die vielen Verbindungen zwischen den beiden Nachbargemeinden beleuchtete. Das tat auch Joachim Plagemann, schließlich sei mit Wiesbacher Flächenverlusten die Gemeinde Rosenkopf gegründet worden. Die Anwesenheit der vielen Politiker nahm der gratulierende Martinshöher Bürgermeister Hartwig Schneider zum Anlass, von der „hohen Politik“ einzufordern, sich dafür einzusetzen, dass ehrenamtliches Einsetzen nicht durch übersetzten Bürokratismus noch erschwert wird. Krähenbergs Bürgermeister Thomas Martin blieb es vorbehalten, auf die gelebte „Kooperation“ zwischen den beiden Dörfern hinzuweisen, die sich segensreich auf die Bürgerschaft in beiden Orten auswirke. (Bericht über Festumzug vom Sonntag folgt.)

 Mit einem krachenden, bunten und in jeder Beziehung großartigen Feuerwerk klang am Samstagabend der erste Festtag in Wiesbach zum Dorfjubiläum aus.
Mit einem krachenden, bunten und in jeder Beziehung großartigen Feuerwerk klang am Samstagabend der erste Festtag in Wiesbach zum Dorfjubiläum aus. FOTO: Norbert Schwarz