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Im Märzen der Bauer
Die sonnigen Tage bringen Leben auch in die Landwirtschaft

 Felder und Wiesen sind teilweise abgetrocknet, ein richtiger Zeitpunkt um zu Düngen.
Felder und Wiesen sind teilweise abgetrocknet, ein richtiger Zeitpunkt um zu Düngen. FOTO: Norbert Schwarz
Battweiler/Niederhausen. (cos) „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt. Er setzet seine Felder und Wiesen in Stand… !“ Wer kennt es nicht, das alte Kinderlied? Zwar wird es derzeit in den Kindergärten wegen der Schließung aus bekanntem Grund nicht gesungen, doch daheim erklingt es gewiss mancherorts. Von Norbert Schwarz

An der Arbeit der Bauern, auf der Sickingerhöhe oder der Region schlechthin hat sich ohnehin nichts geändert. Im Gegenteil, die Sonnentage der letzten Woche haben die Landwirte allenthalben auf den Plan gerufen, heißt für sie, die Gunst der Schönwetterlage bis in die späten Abendstunden zu nutzen.

Mögliche kalte Tage stehen ja unter Umständen noch bevor und Junglandwirt Steffen Sewohl aus Battweiler hat einen alten Spruch von Großvater Robert noch immer parat: „März-Schnee tut Saaten weh!“ Damit möchte der Bauer aus Leidenschaft auf keinen Fall einen Rückfall in winterliche Zeit heraufbeschwören, doch die Erfahrung in den zurückliegenden Jahren zeigte, wie unbestimmt das Wetter oftmals sein kann.

Im Augenblick jedenfalls, das steht außer Frage, ist das Erwachen der Natur mit allen Sinnen spürbar: Zu sehen, zu riechen und zum Leidwesen von vielen Allergikern mit gesundheitlichen Auswirkungen auch spürbar. Weiße Schneeglöckchen, Krokusse durchdringen das Grün, Osterglocken und Weidekätzchen entfalten ihre Pracht. Die Vegetation ist durch die Frühjahrswärme in den zurückliegenden Tagen regelrecht gelockt worden, meint Steffen Sewohl, der wie alle seiner Berufsgenossen den Witterungsumschwung von den langanhaltenden Regentagen zur ersten Frühlingswärme begrüßt. Für die im letzten Herbst ausgebrachte Saat sei das jedenfalls bestens.



In Euphorie will Steffen Sewohl allerdings nicht verfallen, haben die Meteorlogen doch für die kommende Woche bereits wieder kältere Temperaturen mit sogar Bodenfrösten in der Nachtzeit angesagt. „Schnee muss nicht unbedingt sein, wobei oftmals solcher auch ein „Schutzmantel“ für Weizen, Triticale, Wintergerste und Raps sein kann, wenn sich dieser über eine schon sprießende Frucht lege.

Witterungseinflüsse wie diese seien im Frühjahr immer wieder möglich, bestätigt auch Landwirt Jörg Klein aus Niederhausen, der gleich dem Berufskollegen in Battweiler die Schönwetterzeit zum Düngen und Ausbringen von Gülle nutzte. Zum Ausbringen der Frühjahrssaat seien die Felder ohnehin noch zu nass. Ein oberflächliches Abtrocknen wohl spürbar, doch darunter sei eine große Bodennässe auszumachen. „Wir haben ja das Wasser dringend benötigt, doch für das Pflügen muss jetzt erst wieder ein Abtrocknen der Äcker her“, stellt Sewohl fest.

An Wetterkapriolen haben sich die Landwirte nicht allein hierzulande längt gewöhnt und auch von Generation zu Generation weitergeben, wie Wilfried Sewohl, der Seniorchef, versichert. „Das Wetter bestimmen wir nicht, wir müssen es als Bauern schon immer so nehmen, wie es von oben kommt“, sagt dieser und erinnert an eine alte Bauernweisheit: „Der Mai ist des Winters Schwanz“, was einfach bedeutet, dass selbst noch in dem viel beschriebenen Wonnemonat Mai Wetterkapriolen und kurzzeitige Wintereinbrüche keineswegs unmöglich sind. Wichtig sei für die kommenden Tage nur, dass nach einem erneuten Wetterwechsel die Felder draußen schnell abtrocknen. Das sei für die weitere Feldarbeit ein A und O und damit von großer Bedeutung und Wichtigkeit.

Die erwähnten Sonnenstrahlen dieser Woche haben jedenfalls schon viel bewirkt, den Pflanzen mächtig viel Grün verliehen, wie selbst der Laie mit bloßem Auge feststellen kann, meinen die Landwirte. Vom Wetter abhängig zu sein, sei nun einmal des Bauern Schicksal, so Jörg Klein aus Winterbach. Für den gibt es aber im Stall ausreichend Arbeit, die jetzt verrichtet werden kann, weil es wohl doch noch einige Tage dauert, bis die „Rösslein“ im übertragenen Sinn eingespannt werden können, um die Vorarbeiten für die Frühjahrssaat verrichten zu können.