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Die Ritter und ihre Spuren

Der Zweibrücker Kulturforscher Harald Lehmann weist auf das Schild zur Ritterstraße hin. Hier sollen früher einige Ritter ihr Anwesen gehabt haben, daher der Name. Foto: eck
Der Zweibrücker Kulturforscher Harald Lehmann weist auf das Schild zur Ritterstraße hin. Hier sollen früher einige Ritter ihr Anwesen gehabt haben, daher der Name. Foto: eck
Zweibrücken. Mit dem Pferd fing alles an. Schließlich kommt das Wort "Ritter" von "reiten", erklärt Harald Lehmann. Und ohne Pferd gibt es eben nichts zu reiten. Und damit auch keine Ritter Von Merkur-Redakteur Mathias Schneck

Zweibrücken. Mit dem Pferd fing alles an. Schließlich kommt das Wort "Ritter" von "reiten", erklärt Harald Lehmann. Und ohne Pferd gibt es eben nichts zu reiten. Und damit auch keine Ritter. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht mit den Rittern, deshalb bat der Merkur Harald Lehmann von der Zweibrücker Kulturgutstiftung Gehrlein-Fuchs darum, Licht in das Dunkel dieser vergangenen Zeit zu bringen. Gerade vor dem Hintergrund des zu Ostern in Zweibrücken zelebrierten Mittelaltermarktes. Als Ritter und Burgfräulein verkleidete Besucher reichten sich die Klinke in die Hand, der Andrang war enorm. Ritter sind also wieder in Mode."Sicherlich ist das Bild, das auf solchen Mittelaltermärkten von der damaligen Zeit und den Rittern gezeichnet wird, stark romantisierend. Aber warum nicht? Die Menschen haben ein Bedürfnis nach einer ,heilen Welt' und diese mittelalterliche Welt, die Art, wie die Ritter lebten, wird als eine ,heile Welt' empfunden", analysiert der Kulturforscher. Lebten auch in Zweibrücken früher Ritter? "Ja. Ihre Spuren finden sich auch hier. Aber es sind nur noch ganz wenige Relikte", weiß der Vorsitzende der Kulturgutstiftung. Die Ritter waren einst reitende Kämpfer, die der jeweilige Herrscher, beispielsweise ein Graf, um sich scharrte. Je mehr Ritter, desto mehr Prestige. Eine Burg, quasi als Repräsentanz, durfte auch nicht fehlen. "In der Pfalz gab es im Mittelalter rund 500 Burgen. Man wundert sich, wie dicht die Herrscher da aufeinander saßen. Aber viele ließen sich in der Pfalz nur eine Burg bauen, um dort ihre Macht zu symbolisieren. Ihr eigentlicher Wohnsitz war stattdessen etwa am Rhein oder im Elsass, wo sie Ländereien besaßen." Von der Burgenpracht ist heute nicht mehr viel zu sehen. 90 Prozent der Anlagen wurden zerstört, so Lehmann. Die Blütezeit in Sachen Rittern erlebte Zweibrücken zwischen 1200 und 1400. Die "Grafen zu Zweybrücken" drückten in dieser Zeit der Stadt ihren Stempel auf. Das Geschlecht wurde mit Simon, Graf von Saarbrücken, begründet und endete mit Eberhard, Graf zu Zweybrücken, dieser starb 1394 und hinterließ keinen männlichen Nachkommen. "In dieser Grafenlinie, die 200 Jahre währte, gab es einige Personen, die man als Ritter bezeichnen kann", sagt Lehmann. Es sei aber keiner von ihnen - etwa als besonders verwegener Haudegen - in Erscheinung getreten, so dass sie heute vergessen seien. An die Zweibrücker Ritter erinnert heute noch die Ritterstraße in der Stadtmitte. "Dort hatten einige ihr Anwesen."

Ein Straßenschild? Mehr nicht? "Nun ja, ein altes Stück der Stadtmauer an der Poststraße sowie ein historisches Türmchen am früheren Gasthaus Wienerwald stammen noch aus der Zeit. Aber mehr ist nicht geblieben", so Lehmann.

Auch wenn das Erbe der Ritter in der Stadt überschaubar ist - in der Fantasie leben die stolzen Männer mit ihren glänzenden Rüstungen der Vergessenheit zum Trotz weiter.