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Alpenverein
Die manchmal fiesen Tricks der Evolution

Interessierte und auch fachkundige Beobachter bei der Orchideenwandung.
Interessierte und auch fachkundige Beobachter bei der Orchideenwandung. FOTO: Margarete Lehmann
Mauschbach. Eine spannende Orchideenwanderung, organisiert vom Zweibrücker Alpenverein, im Naturschutzgebiet Monbijou führte zu den kleinen Schätzen der Region. Von Peter Fromann

Rund 20 Natur- und Orchideenfreunde trafen sich kürzlich am Mauschbacher Dorfgemeinschaftshaus, schlossen per Blick zum Himmel Wettereskapaden aus, und machten sich auf den Weg ins Naturschutzgebiet (NSG) Monbijou. Die Leitung übernahm Arno Sprau von der Unteren Naturschutzbehörde. Mit dabei auch Karin Feick-Müller, Biotoppflegerin der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD). Sie hat mit einem Team 2015 das „NSG Album Monbijou“ erarbeitet, das unter gleichem Titel im Internet eingesehen werden kann.

„Das NSG Monbijou gibt es seit 1978, es ist zirka. 26 Hektar groß“, berichtet Sprau, „Schutzzweck ist die Erhaltung des Gebietes mit seinen Trockenrasen, seinen Halbtrockenrasen, seinen Waldrand- und Waldgesellschaften als Standorte seltener Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften sowie als Lebensräume seltener Tierarten“.

Vor Millionen Jahren war die Gegend hier auf der Höhe ein weites Meer, auf dem Meeresboden hinterblieben Muscheln, so wurde der Boden sehr kalkhaltig. Die Krume ist dünn, darunter findet sich gleich die Kalkschicht. Viele Pflanzen gedeihen hier nicht. Solche Kalkmagerböden bevorzugen jedoch die Orchideen.



Die Gruppe stieß deshalb bald auf die Orchidee „Vogel-Nestwurz“, die ganz ohne Blattgrün, also ohne Chlorophyll auskommt. Warum? „Sie verbindet sich mit dem unterirdischen Pilznetzwerk, dem sie Wasser, Nährsalze und Assimilate (durch Photosynthese entstandene Kohlenhydrate, Aminosäuren und andere Stoffe) entzieht, während der Pilz wiederum mit dem Wurzelwerk der Bäume, hier einer Buche, verbunden ist. Sie ist also, botanisch gesehen, ein Parasit.

Noch viel gemeiner ist die Bienenragwurz. Ihr Hinterleib ist der einer Biene genau nachgebildet, strömt auch noch den Lockduft eines Weibchens aus. „Ein unwiderstehliches Arrangement für ein Bienenmännchen (Drohne), das dann beim Paarungsversuch diesem frustrierenden Irrtum obliegt, von dannen fliegt und beim nächsten Anflug einer Blenderin wenigstens für deren Bestäubung sorgen darf. „Ein sehr gemeiner Trick“, sagt Sprau.

Auch Pflanzen wurden während der Wanderung begutachtet. „Es kann bei solch einer Exkursion nicht alleiniger Sinn und Zweck sein, eine Vielzahl von Orchideen zu finden, sondern es geht auch darum, sich klarzumachen, dass die Besucher sich in einem NSG sorgfältigst zu verhalten haben, dass sie die vorgegebenen Pfade nicht verlassen dürfen, um keine Orchideen niederzutreten“, sagt Paul Schmidt, Naturschutzreferent des Alpenvereins, Sektion Zweibrücken.

Bei der Feuerwehr in Mauschbach, die gerade am Feiern war, wurde am Ende der Tour Einkehr gehalten.