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Bluttat von Kleinbundenbach
Bevor er sein Bier abstellte und zur Pistole griff, sagte er: „Jetzt reicht’s!“

Zweibrücken/Kleinbundenbach. Ein 59-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vorm Landgericht Zweibrücken. Er soll seinen Mieter in Kleinbundenbach auf offener Straße angeschossen haben. Von Rainer Ulm

Bei ihm, dem befreundeten Nachbarn von schräg gegenüber, hatte er an jenem verhängnisvollen Abend des 14. Juli 2019 auf einer Bank hinter dem Haus des jungen Malers und Lackierers noch ein Bierchen getrunken. Und er hatte ihm dabei von der Angst vor seinem Mieter erzählt, dem er in seinem Haus in einer Nebenstraße von Kleinbundenbach die Wohnung unterm Dach gekündigt hatte. Er erzählte auch, dass er dem ungeliebten Mitbewohner nun sogar mit einer Räumungsklage drohe, weil der 31-jährige Pole und seine Frau einfach nicht ausziehen wollten. Das hat der 28-jährige Nachbar am Mittwoch vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken ausgesagt, vor der sich der 58-jährige Freund seit vergangener Woche wegen einer Bluttat verantworten muss (wir berichteten).

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 59-jährigen gelernten Koch versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Sie legt dem passionierten Jäger laut Anklageschrift zur Last, „im Sommer vergangenen Jahres, ohne rechtfertigenden oder entschuldigenden Grund mit einer Pistole aus Hüfthöhe und ohne zu zielen“ dem 31-jährigen Mieter in die Hüfte geschossen und ihn schwer verletzt zu haben.

Die Schussabgabe selbst will der 28-jährige Tatzeuge nicht gesehen, aber gehört haben. Er hatte sich sofort in sein Haus geflüchtet, als sein Nachbar plötzlich „Jetzt reicht’s!“ sagte, sich von der Bank erhob, die Bierflasche auf ein Gesims stellte und mit der Hand an der Pistole im Hosenbund, die er ihm vorher gezeigt hatte, in Richtung Straße ging. Dort hatte sich nach der Aussage des Malers und Lackierers kurz zuvor der Mieter bemerkbar gemacht, indem er „laut blökend“ auf das zunächst friedlich Bier trinkende Duo zustürmte, berichtete der 28-Jährige. Angeblich wollte der Mieter von seiner Dachgeschosswohnung auf der gegenüberliegenden Straßenseite gehört haben, wie das Bier trinkende Duo über ihn schlecht geredet („gescholl“) habe. Dann habe er einen Schuss gehört und aus dem Fenster seines Hauses heraus gesehen, dass „der Pole“ wohl angeschossen worden und dann, sich den Bauch haltend, weggelaufen sei. Er erzählte auch, dass die beiden Kontrahenten einst befreundet gewesen waren, seit dem Einzug des jungen Ehepaares Anfang 2018 zunächst gut miteinander ausgekommen seien. Doch Anfang 2019 sei die Stimmung gekippt. Seither hörte er immer mal wieder von der gegenüberliegenden Straßenseite, wie er es ausdrückte, „Palaver“: Mal stritten sich die jungen Eheleute lautstark auf Polnisch („Die haben sich in die Haare gekriegt. Ich habe nichts verstanden“), mal der Mieter in gebrochenem Deutsch mit dem Eigentümer („Ich mache dich und dein Haus kaputt“). Schließlich sei der 58-Jährige irgendwann „mit den Nerven fertig“ gewesen und die Lage eskaliert, sagte der 28-Jährige.



Die Verhandlung wird am Montag, 27. Januar, um 9 Uhr fortgesetzt.