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Erntebilanz und Schweinegrippe
„Der schier unendliche Sommer“

 Wer eine Rotte Schwarzwild in seinem Acker hat, der kann unter Umständen mit hohem Flurschaden rechnen. Bauer Wilfried Sewohl weiß, wie das ist.
Wer eine Rotte Schwarzwild in seinem Acker hat, der kann unter Umständen mit hohem Flurschaden rechnen. Bauer Wilfried Sewohl weiß, wie das ist. FOTO: nos
Winterbach. Das heiße und trockene Jahr 2018 hat einige Bauern viel Geld gekostet. Aktuell sorgen sich die Landwirte um die Schweinepest. Von Norbert Schwarz

Primäre Aufgabe des Bauern sei, Lebensmittel zu produzieren für die Menschen im Land, stellte der Vorsitzende des Kreisverbandes der Bauern- und Winzerschaft Uwe Bißbort vor einer stattlichen Mitgliederschar und zahlreichen Ehrengästen fest. Die sich ständigen wandelnden Rahmenbedingungen erleichtern die Aufgabe nicht.

 In seinem Jahresrückblick machte Uwe Bißbort deutlich, dass auch die Witterung zu den Rahmenbedingungen eines jeden Landwirts zählt. „Schon im März letzten Jahres begann der schier unendliche Sommer ohne Regentage. Ist bei der Aussaat noch ausreichende Feuchtigkeit vorhanden gewesen, so fehlte der Regen am Ende bei vielen Fruchtarten“. Silage und Heuernte seien im Frühjahr von der Qualität und Menge noch gut gewesen, doch was danach kam, bezeichnete der Kreisvorsitzende schlicht und ergreifend als „katastrophal“. Selbst im August habe beim Vieh auf der Weide zugefüttert werden müssen. Nicht einmal im September sei die Hoffnung auf Regen erfüllt worden, Uwe Bißbort: „Der Sommer wollte einfach nicht enden“.

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen habe es im Oktober den trockensten Monat überhaupt gegeben. Erst im November habe es wieder Niederschläge gegeben, das sich zu dieser Zeit abzeichnende Niederschlagsdefizit sei inzwischen jedoch wieder ausgeglichen. Die Erträge bei Getreide und Raps seien durchschnittlich bis gut gewesen, stellte Bißbort fest, dafür seien Kartoffeln, Zuckerrüben und Silomais mit der Hitze weniger gut ausgekommen. Die Folge seien erhebliche Mindererträge bei den Berufskollegen. Als kleinen Lichtblick für das Wirtschaftsjahr 2018/2019 bezeichnete dieser den inzwischen um 25 Prozent angestiegenen Getreidepreis. Ein Anstieg beim Milchpreis, der sich zwischen 32-36 Cent pro Liter bewege, habe sich bisher nicht erfüllt. Die Großmolkerei Hochwald habe sogar aktuell den Preis um zwei Cent reduziert.



Weit unter dem notwendigen Preis von 1,60 Euro für das Kilo Schlachtgewicht liege der Preis bei den Schweinen. Bißbort, selbst Schweinezüchter: „Schlimmer als der Preis ist aber die Angst aller Berufskollegen vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP). In Belgien sind inzwischen mehr als 350 infizierte Wildschweine aufgefunden worden. Experten gehen davon aus, dass die Seuche nach Deutschland kommt. Die Frage ist nur noch, wann.“

Bißbort lobte im Zusammenhang mit der erfolgreichen Seuchenbekämpfung das Land Tschechien, dem es als erstes Land der Welt überhaupt gelungen sei, der Seuche Herr zu werden. Bißbort findet, dass der Landkreis Südwestpfalz für den Fall der Fälle gut aufgestellt ist und dankte dafür extra Landrätin Susanne Ganster. Die Hoffnung, dass es doch zu keinem Seuchenausbruch komme, bestehe weiter, meinte Uwe Bißbort, der die Folgen für die Landwirtschaft und Schweinehalter als dramatisch bezeichnete. Trotz einer Rekordstrecke von 88 000 Wildschweinen allein in Rheinland-Pfalz seien die Bestände und die Wildschäden weiterhin viel zu hoch. Bißbort wörtlich: „Ich werde bei diesem Thema weiterhin nicht locker lassen und eine noch effizientere Bejagung fordern.“

Eine weitere Seuche breitet den Bauern auch im Landkreis Südwestpfalz Sorge, die Blauzungenkrankheit bei Kühen. Die Vermarktung von Rindern bereite inzwischen Probleme. Der Verband habe inzwischen erreicht, das 30bis 50 Prozent der Impfkosten gegen die Blauzungenkrankheit inzwischen übernommen werden. Am 12. Februar stehe in Mainz ein entscheidendes Gespräch an, dann sollen Details „final besprochen“ werden. Uwe Bißbort fordert allerdings als Kreisbauernführer, dass die Blauzungenkrankheit aus dem Seuchenrecht herausgenommen wird. „Blauzungenkrankheit wird es als nicht-ansteckende Krankheit bei den Wiederkäuern  immer geben um vom hohen Aufwand profitieren die Betriebe überhaupt nicht.“