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Landgericht Zweibrücken
Dellfelder Brandstifter-Prozess: Angeklagter schuldfähig

Dellfeld. (gla) Der Prozess gegen einen 44 Jahre alten mutmaßlichen Brandstifter geht dem Ende entgegen: Vier Polizisten hörte das Landgericht am Donnerstag als Zeugen. Zwei von ihnen waren zum Brand eines Autos in Dellfeld gerufen worden. Von Willi Glaser

Es war der Wagen einer ehemaligen Lebensgefährtin des Angeklagten. Am Brandort trafen die Beamten auf den damaligen Oberbürgermeister von Zweibrücken, der in der Nähe wohnte, und den Wehrführer. Diese hatten eine verdächtige Person beobachtet, die gerade flüchtete. Die Polizisten verfolgten den Mann und konnten ihn fassen. Ein weiterer Polizist vernahm den Zeugen, der den Angeklagten auf dem Lidl-Parkplatz in der Waisenhausstraße entdeckt hatte, von wo aus er einen Brand eines Fahrzeuges beobachtete. Der Zeuge informierte die Polizei, so dass der Angeklagte kurz darauf festgenommen werden konnte.

Ein Gutachter des Landeskriminalamts sagte, er habe an dem Wagen keine Hinweise auf Brandbeschleuniger entdeckt. Die beiden am Brandort gefundenen Kanister enthielten Benzinrückstände. Der Vorsitzende Richter Michael Schubert fragte ihn, ob Benzin an den Händen auch noch nach Stunden zu riechen sei. Wenn die Hände nicht gewaschen würden, sei dies möglich. Öl und Diesel seien noch länger zu riechen, sagte der Gutachter. Abriebe von den Händen des Angeklagten brachten keine Ergebnisse.

Ein anderer Sachverständiger aus Mainz hatte den Brandort in der Winzler Straße, wo Gebrauchtwagen und eine Halle in Flammen aufgingen, untersucht. An mehreren Stellen entdeckte er Brandbeschleuniger. Eine Entzündung durch einen Defekt schloss er aus. Ein von der Kriminalpolizei beauftragter Ingenieur betonte, in der Halle gebe es keinen Strom. Eine elektrotechnische Entzündung sei daher nicht möglich. Auch ein Überspringen von den Autos schloss er aus. Alle Fahrzeuge seien untersucht worden und technisch in Ordnung gewesen. Wenn ein Fahrzeug brenne, so erklärte der Sachverständige, komme es zu einer Vergasung und bei entsprechender Hitze zur Explosion. Dies sei nicht er Fall gewesen. Bei einem Kleinwagen sei eine Tür geöffnet gewesen. Dieses Fahrzeug könnte am Rad oder Kotflügel angesteckt worden sei. Es sei Brandbeschleuniger eingesetzt worden.



Der psychiatrische Gutachter kennt den Angeklagten bereits länger. Der Angeklagte habe ihm gegenüber erklärt, dass er mit den beiden Bränden in Pirmasens nichts zu tun habe. Er habe zugegeben, das Auto seiner Ex-Lebensgefährtin aus Rache angezündet zu haben. Er habe sich verletzt gefühlt, weil sie ihn betrogen habe. Weder eine neue Beziehung, noch der Alkohol hätten ihm über diesen Schmerz geholfen. Es gebe keine psychische Erkrankung, sodass keine verminderte Schuldfähigkeit vorliege, betonte der Gutachter. Trotz der 2,68 Promille Alkohol, die er zur Tatzeit hatte, habe der Angeklagte keine erheblichen Einschränkungen gezeigt. Der Prozess wird in einer Woche fortgesetzt.