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Chor Projekt 03
Die Chorleiterin und das Streichholzschächtelchen

 Die 18 Sängerinnen und sechs Sänger des „Chor Projekt 03 Althornbach“ lieferten unter Leitung von Julia Neumann eine tolle Show ab.
Die 18 Sängerinnen und sechs Sänger des „Chor Projekt 03 Althornbach“ lieferten unter Leitung von Julia Neumann eine tolle Show ab. FOTO: Cordula von Waldow
Althornbach. Mit seinem selbstgeschriebenen Musical-Konzert „My fair Chorleiterin“ begeisterte der „Chor Projekt 03“ das voll besetzte Althornbacher Bürgerhaus. Die Geschichte rund um die Chorleiterin Julia Neumann bot einen witzigen Rahmen mit klangvollen Medleys aus den schönsten Musicals. Von Cordula von Waldow

Was passiert, wenn sich 2020, im Jahr der Chorleitercholera, wo in Chorkriegen Kämpfe um die letzten Dirigenten ausgetragen werden, eine saarländische Landpomeranze als Chorleiterin bei dem pfälzischen Chor der Metropole Althornbach 4.0 bewirbt? Das konnten mehr als 120 Kulturinteressierte am Sonntag nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken im Dorfgemeinschaftshaus Althornbach erleben. „My fair Chorleiterin“ hatten der Chor Projekt 03 des Gesangsvereins Althornbach 1876 und seine aus dem saarländischen Kirrberg stammende Dirigentin, Julia Neumann, das außergewöhnliche Musical-Konzert genannt. Nicht nur, dass das „Trudchen vom Land“ barfuß in der knallgelben Strickjacke mit Jägerhut fast auf die Bühne stolperte. Der schöne Satz „Das Streichholzschächtelchen auf dem griechischen Beistelltischchen“ geriet zum Fiasko mit etlichen „Sch-Lauten“. Doch dann: „Mein Gott, jetzt hat sie’s“, kam nach der Häufung perfekter „ch“s der Übergang zu einem Medley mit den beliebtesten Liedern aus My fair Lady.

Danach wollten die kritischen Sängerinnen und Sänger wissen, ob die neue Chorleiterin auch tanzen kann. „Wie ein Kuh, die an den Elektrozaun geraten ist“, urteilte Kristin Kaysser. Zu „Let’s do the Time Warp again“ aus der Rocky Horror Picture Show zeigten die Sängerinnen und auch einige Mutige im Publikum, wie das geht. Unmut kam auf, als die Bewerberin den Alt und Männer die Plätze tauschen ließ und diese in die Mitte stellte. Doch in dieser Konstellation meisterten die 18 Sängerinnen und sechs Sänger selbst die anspruchsvollen Harmonien in ihrem Medley aus der West Side Story perfekt.

Mit wechselnden Solisten bot der Bühnenauftritt viel Abwechslung für das begeistert mitgehende Publikum. „Ich darf doch bleiben. Ich will nicht wieder zurück aufs Land, wo es stinkt“, hoffte die Dirigentin. Doch die Sänger wollten niemanden mit so einem bäuerlichen Outfit.



Seine Befürchtung „Die bekommen wir so schnell nicht mehr los“ löste der Chor recht gemein: Nach dem idyllischen, ebenfalls mit Soli interpretierten, „Irgendwo im Grünen“ aus „Der kleine Horrorladen“ wurde die hoffnungsvolle Chorleiterin von einer fleischfressenden Pflanze verschlungen. Chaos brach aus. Niemand konnte Klavier spielen oder fand den passenden Grundton für das nächste Lied. Wie gut, dass das „hässliche Entlein“ von der Pflanze verwandelt als Dame von Welt im Abendkleid mit passendem, elegantem Hut wieder frei gegeben wurde.

Nachdem sie formvollendet alle Chormitglieder begrüßt hatte, konnten bei dem abschließenden Abba-Medley noch einmal alle strahlend und mit sichtlichem Spaß ihr Bestes geben. An den thematisch zu den einzelnen Musicals passend eingedeckten Tischen wurde eifrig mitgewippt und hier und da auch mitgesungen. Nach dem träumerischen „I have a dream“ endete das Konzert mit dem Siegertitel „Waterloo“, mit dem die beliebte Schwedische Popgruppe 1974 den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewonnen hatte.

Bravo-Rufe und Klatschhymnen belohnten die Sängerinnen und Sänger für ihren musikalisch wie szenisch großartigen Auftritt.

„Die Ideen stammten alle von Julia Neumann“, stellte Gerald Schmidt, Vorsitzender des Gesangvereins Althornbach, die kreative Künstlerin vor. Schnell erkannte das Publikum, welcher Tisch noch das Motto für die Zugabe enthielt: Hair. Gemeinsam klatschten alle zu „Age of Aquarius“.

„Es war einfach großartig. Dass man das als Amateure so auf die Beine stellen kann, das ist doch Hobby für alle“, staunte das Ehepaar Barbara und Franz-Josef Feth aus Kleinsteinhausen. Karin Schmidt-Hennerfeld war voll des Lobes für die gesamte, „absolut stimmige Inszenierung“ und voller Respekt für die zahlreichen Solisten. Sie sagte: „Ich bin hochgradig begeistert.“