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| 20:26 Uhr

Blind und taub - aber hochgefährlich

"Zecke": Das Schild, angebracht an einem Baum, warnt Spaziergänger, dass sie sich in einem Gebiet bewegen, in dem es ein hohes Vorkommen an den gefährlichen Tieren gibt. Foto: Rumpenhorst/dpa
"Zecke": Das Schild, angebracht an einem Baum, warnt Spaziergänger, dass sie sich in einem Gebiet bewegen, in dem es ein hohes Vorkommen an den gefährlichen Tieren gibt. Foto: Rumpenhorst/dpa
Der Feind lauert im Unterholz. Auf Grashalmen oder im Gebüsch. Es handelt sich um ein blindes und taubes Wesen, das dennoch sein Opfer aufspürt, weil es seine Wärme und das von ihm ausgestoßene Kohlendioxid wittert. Das Opfer wird gestochen, mittels eines speziellen Rüssels wird sein Blut abgezapft. Eine gruselige Beschreibung - die ihre Berechtigung hat Von Merkur-Redakteur Mathias Schneck

Der Feind lauert im Unterholz. Auf Grashalmen oder im Gebüsch. Es handelt sich um ein blindes und taubes Wesen, das dennoch sein Opfer aufspürt, weil es seine Wärme und das von ihm ausgestoßene Kohlendioxid wittert. Das Opfer wird gestochen, mittels eines speziellen Rüssels wird sein Blut abgezapft. Eine gruselige Beschreibung - die ihre Berechtigung hat. Wer das besagte Wesen, die Zecke, in einer Vergrößerung sieht, den kann es nämlich durchaus schaudern. Die Zecke gehört zu den Spinnentieren. Während aber von fast keiner Spinne, die in Deutschland heimisch ist, eine ernste Gefahr ausgeht, muss bei der Zecke gewarnt werden. Sie kann zwei Krankheiten übertragen: die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose. Mit dem warmen Frühlingswetter treten die Zecken in unserer Region wieder verstärkt auf den Plan. Der Merkur befragte daher Dr. Matthias Stopp, Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken, zu den möglichen Gefahren, die von Zecken ausgehen.Stopp mahnt: "Zecken gibt es bei uns in Deutschland überall da, wo es feucht ist. Die Tiere brauchen diese Luftfeuchtigkeit, sonst können sie nicht überleben. Deshalb halten sie sich vor allem in Wiesen, auf Grashalmen oder im Unterholz auf. " Ab Temperaturen von etwa zehn Grad seien sie überlebensfähig. Wer etwa vorhabe, durch Wald und Wiesen zu streifen, sollte am besten vorher "lange Hosen anziehen. Wenn die Kleidung hell ist, ist das von Vorteil, weil man dann anschließend besser erkennt, ob da möglicherweise Zecken dranhaften", so Stopp.

Natürlich ist auch eine lange Hose kein hundertprozentiger Schutz vor den Zecken. Die Tiere können schließlich unter der Hose durchschlüpfen und so an die Haut gelangen. "Die Tiere stechen nicht sofort zu. Sie wandern auf der Haut. Da sie es warm lieben, suchen sie sich entsprechende Hautpartien als Stichstelle aus. Diese liegen bevorzugt in den Achseln, im Nacken, auf dem Kopf, im Bereich der Kniekehlen oder Genitalien." Während der Mensch einen Bienen- oder Wespenstich sofort bemerkt, führt der Stich einer Zecke nicht gleich zu akutem Schmerz, weiß der Chefarzt. "Die Zecke injiziert beim Stechen ein narkotisierendes Mittel, daher bemerkt der Betroffene zuerst nichts."

Nicht jeder Zeckenstich hat ernste Auswirkungen. Fakt ist aber, dass durch die Tiere zwei schwere Krankheiten übertragen werden können: nämlich die besagte Borreliose und FSME. In Rheinland-Pfalz trägt etwa jede dritte Zecke das Borreliose-Virus in sich. Deutschlandweit weisen Zecken zu 20 bis 30 Prozent diesen Befall auf. Die Borreliose-Erreger sitzen nach jetzigem Kenntnisstand der Wissenschaft im Darm der Zecke und werden in den meisten Fällen nicht sofort, sondern erst im Verlauf von Stunden übertragen. Das größte Risiko besteht bei Zecken, die länger als zwölf Stunden am Menschen gesogen haben. Symptomatisch ist eine Hautrötung rund um die Einstichstelle, die sogenannte Wanderröte. Der Betroffene sollte aber nicht in Panik verfallen. Stopp beruhigt: "Die Borreliose kann mit Antibiotika sehr gut behandelt werden. Dazu muss ein bis zwei Wochen lang Antibiotika eingenommen werden. Die Heilungschancen liegen sehr gut und gehen bis zu 100 Prozent." Der Mediziner rät, "den Hausarzt die Einstiegsdiagnostik vornehmen zu lassen". Weitere Schritte könnten dann gegebenenfalls im Krankenhaus vorgenommen worden.

Bei FSME sieht die Sache ernsthafter aus. Zwar gilt hier, dass die Zecken, die diesen Erreger in sich tragen, nicht wie bei der Borreliose, deutschlandweit einigermaßen gleichmäßig verteilt sind. Bei FSME gibt es Risikogebiete mit höheren Vorkommen. Dazu zählen Teile von Bayern und Baden-Württemberg. In Rheinland-Pfalz gibt es mit dem Kreis Birkenfeld ein Risikogebiet. Auch der Saar-Pfalz-Kreis zählt neuerdings hierzu, seit im Raum St. Ingbert/Rohrbach seit 2008 vier Fälle von FSME offenkundig dort verursacht wurden. Das saarländische Gesundheitsamt rät deshalb für den Saar-Pfalz-Kreis zu einer Impfung. "FSME wird sehr selten übertragen. Aber es gibt derzeit keine Behandlungsmöglichkeit dagegen", sagt Stopp.

Jeder dritte, der von einer mit FSME infizierten Zecke gestochen wird, leidet unter Symptomen wie Fieber und Schwindel. Zehn Prozent dieser Betroffenen wiederum erkranken an einer Hirnhaut- oder Hirnentzündung, woran wiederum ein bis zwei Prozent der Betroffenen sterben.

Eine Impfung sei sinnvoll, wenn man in den Risikogebieten Urlaub machen wolle. Stopp: "Als ich vor einigen Jahren mit meinen Kindern in Bayern Urlaub gemacht habe, haben wir uns vorher gegen FSME impfen lassen." Foto: pm

"Zecken gibt es bei uns überall da, wo es

feucht ist."

Dr. Matthias Stopp, Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus

Hintergrund

Seit dem 1. Juli2011 besteht in mehreren Bundesländern, unter anderem auch in Rheinland-Pfalz, eine Meldepflicht für die von Zecken übertragene Krankheit Borreliose. Das Robert-Koch-Institut in Berlin sammelt die erfassten Daten. Danach gab es im vergangenen Jahr (also zwischen Juli und Dezember) in der Stadt Zweibrücken 22 gemeldete Fälle von Borreliose. Im Landkreis Südwestpfalz waren es 96 Fälle. Für das laufende Jahr wurden für Zweibrücken zwei Fälle gemeldet, im Landkreis sind es bislang ebenfalls zwei Fälle. Das Robert-Koch-Institut erklärte auf Anfrage, dass die Daten schwer zu interpretieren seien, da wegen der neuen Meldefrist verlässliche Vergleichszahlen fehlten. Dr. Matthias Stopp, Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken, sagte, dass die für Zweibrücken und den Kreis gemeldeten Zahlen im zu erwartenden Bereich lägen und "kein Ausreißer nach oben" seien. eck