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Reaktionen auf Pirmanns Tod
Betroffenheit auch im Land

 Kurt Pirmann 2012 bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft für die Verbandsgemeinde mit seiner Ehefrau Beate.
Kurt Pirmann 2012 bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft für die Verbandsgemeinde mit seiner Ehefrau Beate. FOTO: Jörg Jacobi
Dellfeld. Politiker würdigen verstorbenen Kurt Pirmann, der Ehrenbürger der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land war. Von Norbert Schwarz

Ein Baumeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land ist nicht mehr. Am Montag, als viele Dorfbewohner von Dellfeld, dem Heimatort des  Zweibrücker Stadtoberhauptes Kurt Pirmann, zünftig Kerwe feierten, verbreitete sich gleich einem Lauffeuer die Nachricht über den doch plötzlichen Tod des großen Sohnes der Gemeinde, des Ehrenbürgers der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Nach Kerwefeierlichkeiten ist danach niemand mehr zumute gewesen, so die Ortsbürgermeisterin Doris Schindler für die auch jetzt, einen Tag später, noch alles unfassbar ist.

 „Die Dorfgemeinschaft trauert. Wir haben nicht nur einen hervorragenden Kommunalpolitiker und Förderer unseres Ortes verloren. Kurt Pirmann ist ein Schulkollege von mir gewesen, war ein Weggefährte in allen Jahren, von 1989 an, als ich in den Rat kam, bis zuletzt“, sagte Schindler. Als 1972 die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land gegründet wurde, deutete vieles darauf hin, dass der CDU-Spitzenkandidat Alfred Hüther aus Contwig erster Verbandsbürgermeister werden sollte. Doch es kam anders. Der Sozialdemokrat Karl Glahn sollte Pionier für das neue Verwaltungsgebilde werden. Glahn, gleichfalls bereits verstorben, wurde dann zwölf Jahre später vom Christdemokraten Karl Agne aus Bechhofen beerbt. Als acht Jahre später erneut ein Sozialdemokrat – nämlich  Kurt Pirmann – Bürgermeister der Verbandsgemeinde wurde, brach eine neue Ära an. Sein damaliger Fraktionssprecher und langjähriger Freund Klaus Schwarz aus Hornbach: „Kurt war einer, der in unserer Verbandsgemeinde das Kirchturmdenken überwinden wollte und damit auch viel bewirkte, wie nicht allein die vielen ,Bunten Abende’ mit Gruppen aus den Ortschaften des Verbandsgemeindegebietes eindrucksvoll bewiesen. Für die Verbandsgemeinde ist es ein großer Verlust, ich selbst habe einen Freund verloren – das schmerzt. Als ich ihn unlängst besuchte und die Frage stellte, womit ich ihm eine Freude bereiten könnte meinte dieser nur: ,Besuche mich.’ Zu keiner Zeit habe ich trotz der schweren Krankheit damit gerechnet, dass jetzt alles endgültig vorbei ist.“

Landrat a.D. Hans Jörg Duppré (CDU) erinnert sich an die eigene Amtsübernahme im Landkreis Südwestpfalz 1979. Für die SPD saß damals der junge Kurt Pirmann auf der Oppositionsbank. „Von da an haben sich unsere politischen Wege stets gekreuzt. Jeder hat von da an die Interessen seiner Partei vertreten, wir sind stets als offene Konkurrenten einander begegnet. Das hat sich nie geändert. Im Gegenteil. Die Zusammenarbeit wurde enger, als sich Kurt Pirmann für die  finanzielle Verbesserung in den 17 Ortsgemeinden einsetzte. Was aber vor allem die Zusammenarbeit prägte, waren die Zeiten der Konversion auf dem Flugplatz wie dem Zweibrücker Kreuzberg“, blickt Duppré zurück. Er trauert: „Mit dem Tod von Kurt Pirmann habe ich einen großen Freund verloren.“



Auch Jürgen Gundacker (SPD), als Verbandsbürgermeister Amtsnachfolger von Kurt Pirmann, ist betroffen. Er teilte gestern mit: „Die Verbandsgemeinde trauert um ihren Ehrenbürger, ich selbst verliere einen guten Freund und Weggefährten.“ Pirmann habe mit Tatkraft die politische Landschaft in der Region gestaltet und geprägt, stets an den Bedürfnissen der Bürger ausgerichtet und selbst die eigene Bodenständigkeit nie verloren.

Der langjährige hauptamtliche Beigeordnete der Verbandsgemeinde, Herbert Schmidt (CDU) aus Contwig, zeigt sich fassungslos. „Ich habe einen wertvollen Freund verloren, dem ich viel zu verdanken habe. Seine Worte zu meinem Übergang in den Ruhestand 2014 sind mit in bleibender Erinnerung. Es hat kein Blatt Papier zwischen uns gepasst.“

Der Althornbacher Willi Schmidt (SPD), ehemals Ortsbürgermeister und dann Abgeordneter des Landtags, war selbst im Mai auf der gleichen Station Patient wie der Verstorbene. Schmidt: „Die Bundestagsabgeordnete Anita Schäfer (CDU) hatte gleichfalls ein Patientenzimmer auf dem Flur, da haben wir uns redlich ausgetauscht und wir alle sprachen Kurt Pirmann viel Mut zu.“

„Wir sind entsetzt, Hornbach hat eine großen Freund verloren“, kommentiert Bürgermeister Reinhold Hohn den  Tod Pirmanns. Am Aufschwung Hornbachs sei dieser in den letzten 25 Jahren maßgeblich beteiligt gewesen, insbesondere beim Bau des Hotels „Kloster Hornbach“. Hohn: „Was wir mit Hotel, Historama und alledem schufen geht nur, wenn viel Vertrauen, Wertschätzung und zwischenmenschliches Miteinander vorhanden ist und das war stets der Fall. Kurt Pirmann hielt immer Wort, das ist einer seiner Wesenszüge gewesen.“

Die Bundestagsabgeordnete Anita Schäfer (CDU) erklärt: „Obwohl wir unterschiedlichen Parteien angehörten, arbeiteten wir viele Jahre gut zusammen. Prägend dabei war die Verlässlichkeit von Kurt Pirmann. Ein gegebenes Wort hatte Gültigkeit. Pirmann war ein besonderer Mensch, ein herausragender Politiker, dessen größte Gabe es war, den Menschen zuhören zu können.“