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Bechhofen
Die Abstinenz hat ein Ende

Nach Jahren der Abstinenz war es jetzt wieder in Bechhofen soweit: Bei der Gaststätte „Ur-Pils-Stube“ wurde die Kerwerede gehalten.
Nach Jahren der Abstinenz war es jetzt wieder in Bechhofen soweit: Bei der Gaststätte „Ur-Pils-Stube“ wurde die Kerwerede gehalten. FOTO: Norbert Schwarz
Bechhofen. In Bechhofen wird die Kerwe wieder mit einer zünftigen Rede gefeiert. Von Norbert Schwarz

(cos) Jahrzehntelang war es still geworden um den alten Brauch des Kerwefeierns in Bechhofen. Keine Straußmädels und Straußbuben, kein bunter Kerwestrauß und schon gar keine Kerwerede. Doch an diesem Wochenende war es wieder soweit. Seit Sonntag weht bei der Dorfkneipe „Ur-Pils-Stube“ ein bunter Kerwestrauß mit zigtausend handgeknüpften Bändern, es gibt wieder eine Straußjugend und bei der Kerwerede kam eine großartige Stimmung auf.

„Ein hartes Stück Überzeugungsarbeit, toll, dass es in unserem Dorf jetzt wieder das alte Brauchtum gibt, der Zuspruch an Zuhörern zeigt, dass die Dorfbewohner nach diesem Ereignis förmlich gelechzt haben“, meinte ein hochzufriedener Ortsbürgermeister Paul Sefrin.

Begeistert waren alle, insbesondere die vielen einheimischen Bürger, die es zur dorfbekannten Lokalität gelockt hatte, um die Dorfrede zu verfolgen. Mit dicker Zigarre und schwarzem Zylinder auf dem Kopf hatte sich Christian Schwenning im zweiten Stock gezeigt um sich, wie früher, ans zahlreich versammelte Kerwevolk zu wenden. Ein großartiger Tag sei für alle gekommen, denn jetzt könne er den Stabwechsel vollziehen und nach Jahren der „Enthaltsamkeit“ seinen würdigen Redner-Nachfolger präsentieren. Nico Mohr nahm nach Übergabe von Zigarre und Zylinder das Mikro zur Hand und schmetterte lautstark zur allgemeinen Einstimmung den bekannten Kerweruf: „Unn die Bechhofer Kerb soll läwe…“.



So manches kam bei der Kerwerede ans Tageslicht, es wurde nicht nur gescherzt, gefrotzelt und geneckt – auch ernste Themen kamen zur Sprache, wie die Hakenkreuzschmierereien vor einigen Monaten im Ort.

„Dess Nachts um drei, es war schon Ruh, mole die die Wänd mit Hakekreize zu. 48 an de Zahl, fers gesamte Dorf war dass e Qual“, sagte Nico Mohr. Und weiter: „Unn als wär das alles noch ned schlimm genuch, griet es Hofbistro aah noch nachts Besuch. Beleidischunge und Drohbriefe von irgendwelche Spacke“, erinnerte er an die Pöbeleien gegen einen Bistrobetreiber im Dorf. „So wolle se de Mehmet aus em Dorf naus jahn, die werre kä Pizza oder Kebab verdran. Fer die Familie isses ned scheen sowas zu erlebe, dun sem ah no e paar mol die Deer zuklebe.“ Mohr wandte sich direkt an den Betroffenen: „Doch Mehmet heer ma zu und glaube mir – ganz Bechhofe steht hinner Dir!“