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Pläne gegen Medizinermangel in der Region
71 Hausärzte hören bis zum Jahr 2024 auf

 Politiker in der Region sind in Sorge um die künftige medizinische Versorgung. Erste Lösungsmöglichkeiten, um den Ärzteschwund zu stoppen, wurden jetzt vorgestellt.
Politiker in der Region sind in Sorge um die künftige medizinische Versorgung. Erste Lösungsmöglichkeiten, um den Ärzteschwund zu stoppen, wurden jetzt vorgestellt. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Südwestpfalz. Die Verwaltungen suchen nach Lösungen, um den drohenden Ärzemangel in der Region zu verhindern. Von Erik Stegner

Zweibrücken, Pirmasens und der Landkreis Südwestpfalz steuern mit großen Schritten auf einen Ärztemangel zu. Ab 2024 gehen altersbedingt 71 Hausärzte in den Ruhestand, was einem Anteil von 60 Prozent aller in der Region niedergelassenen 113 Hausärzten entspricht. Die Kommunen sind sich der prekären Entwicklung bewusst und wollen die bedrohliche Lage umkehren. Dazu soll gemeinsam aktiv um die Ansiedlung von jungen Medizinern für die Region die Werbetrommeln gerührt werden.„Wir können die Situation nur mit einem gemeinsamen Schulterschluss meistern“, erklären der Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick, Landrätin Susanne Ganster und der Zweibrücker Bürgermeister Christian Gauf übereinstimmend. Vorstellbar sei eine Imagekampagne, um die in Frage kommende Zielgruppe direkt anzusprechen. „Ärzte, Krankenhäuser und Politik müssen gemeinsame Strategien entwickeln“, fordert Ganster. Dazu wurde eine Lenkungsgruppe gegründet (siehe Info-Kasten).

Zwick machte in seinen Ausführungen zur Lage bei der Ärzteversorgung deutlich, dass die Situation nicht von einem Verschulden der Akteure in der Region herrühre. Es handele sich um ein bundesweites Problem, dem durch entsprechende Gesetzesänderungen bereits entgegen gesteuert werde. Kurzfristig sei die sich anbahnende Situation nicht zu ändern. „Wir können uns keine Ärzte zaubern oder backen. Klar ist, dass wir in einer älter werdenden Region leben und der Versorgungsbedarf weiter steigen wird“, sagte Zwick. Daher müsse aktiv um die Mediziner geworben werden.

Die Rolle als Schnittstelle zwischen den Kommunen und Ärzten wurde vor zwei Jahren an Axel Motzenbäcker, Geschäftsführer des Ärztenetzes Süd-West und Medi-Südwest, übertragen. Er zog eine erste Bilanz und verwies auf Erfolge. Als Beispiel nannte er die in die Wege geleitete Nachfolgeregelung bei Dr. Karl-Josef Klees, der seine Praxis für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie und Geriatrie in Pirmasens an Farhad Nouri übergab.



Motzenbäcker wies darauf hin, dass er bei der Aufnahme seiner Arbeit vor zwei Jahren keinerlei Strukturen vorgefunden habe. Das sehe mittlerweile anders aus. Es dauere aber seine Zeit, bis alle in die Wege geleiteten Maßnahmen greifen. „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden“, erklärte Motzenbäcker.

Als Zielsetzung für die kommenden Monate und Jahre nannte er die Ausrichtung eines Ärztetages in der Region, um gleichzeitig über die Versorgungslage und Strukturen vor Ort zu informieren. Auf den Weg gebracht sei die Verbundausbildung an den Krankenhäusern in Pirmasens, Rodalben und Zweibrücken, die eine große Chance darstelle, um junges medizinisches Personal in die Region zu lotsen. Alle vertraglichen Rahmenbedingungen seien mittlerweile geschaffen und erste Kontaktaufnahmen habe es gegeben. „Wir können sofort loslegen“, erklärte Motzenbäcker.

Der zweite Weg, um Ärzte in die Südwestpfalz zu holen sei ein genossenschaftliches Modell, zu dem fünf bis sechs Ärzte notwendig sind. Diese müssen sich über zehn Jahre zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, was sich als schwierige Lösung herausgestellt habe. Um den drohenden Ärztemangel solange hinauszuzögern, bis Nachwuchs ausgebildet ist, sollen die in Ruhestand gehenden Praxisinhaber auf Hilfe angesprochen werden. In vielen Fällen seien es hohe bürokratische Hürden, die zu einem hohen Zeitaufwand und Frust bei den Medizinern führten. Diesbezüglich soll das Gespräch gesucht und Hilfestellung angeboten werden.

Dass die Kommunen Trägerschaften für Gemeinschaftspraxen übernehmen, bezeichnete Zwick als unwahrscheinlich. Er habe darüber mit Ärzten gesprochen. Ein solches Konzept werde aufgrund der Komplexität nicht als zielführend angesehen. Die Ärzte müsste und wollten im Bezug auf ihre Praxen federführend bleiben, berichtete Zwick. Motzenbäcker erklärte, 2008 sei von den Krankenkassen noch von einer Ärzteschwemme die Rede gewesen. Die Lage habe sich in den letzten zehn Jahren aber dramatisch verändert. Im Oktober 2019 seien 9,5 Stellen in der Region offen gewesen, im April werden es 11,5 Stellen sein. Ärzte im Bezirk gebe es dafür nicht.

Nach Angaben von Zweibrückens Bürgermeister Christian Gauf ist die Lage in der Rosenstadt nicht so dramatisch. Die Stadt sei aber froh, mit der Wirtschaftsförderung in das Netzwerk eingebunden zu sein.