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Absturz
„Woher kommt der Gestank?“

 Die Luftaufnahme zeigt, wie nah die Absturzstelle an Zemmer-Rodt liegt. Rot markiert: die Stelle, wo der Kampfjet im Wald zerschellte.
Die Luftaufnahme zeigt, wie nah die Absturzstelle an Zemmer-Rodt liegt. Rot markiert: die Stelle, wo der Kampfjet im Wald zerschellte. FOTO: Porta-Flug, Bernhard Heller
Zemmer-Rodt. Zwei Monate nach dem Absturz eines US-Kampfjets in der Eifel werden die Ausmaße und Folgen deutlich. Waldbesitzer fordern Entschädigung. Von Bernd Wientjes

Es riecht nach altem Öl. Überall in dem Waldstück ist der Geruch deutlich wahrnehmbar. Vereinzelt sind auf den zerfurchten, matschigen Wegen oder auf dem Waldboden schwarze Flecken sichtbar. Massenweise liegen abgesägte, aufeinander gestapelte Baumstämme herum. Dort wo bis vor zwei Monaten noch dicht aneinander Bäume gestanden haben, ragen kahle Baumstümpfe in den Himmel. Einige Bäume sind verbrannt. „Das wird Jahre dauern, bis hier wieder was wächst“, sagt Thomas Grünhäuser. Er ist der Revierförster für den Wald, der sich nur wenige hundert Meter von Zemmer-Rodt im Kreis Trier-Saarburg befindet. Die fast ein Kilometer lange Schneise, die sich von der oberhalb verlaufenden Kreisstraße 34 bis in die Mitte des Waldes zieht, wurde durch den Absturz der F 16 gezogen. Der US-Kampfjet, der zu einem Übungsflug von der nahe gelegenen Airbase Spangdahlem gestartet war, ist hier zerschellt. Unmittelbar neben der Kreisstraße hat die führerlose Maschine die ersten Bäume berührt und deren Kronen regelrecht abgesägt, bevor sie mehrere hundert Meter dahinter am Boden in Einzelteile zerlegt und in Flammen aufgegangen ist.

Der Pilot des Kampfjets hat gut zehn Kilometer davor den Schleudersitz getätigt „aufgrund eines schwerwiegend Störfalls“, wie aus einer Antwort des rheinland-pfälzischen Innenministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Jutta Blatzheim-Roegler hervorgeht. Demnach war die Maschine zum Zeitpunkt des Störfalls in einer Höhe von rund 2000 Metern unterwegs. Ein paar Sekunden später gegen 15 Uhr krachte sie in den Wald bei Zemmer-Rodt. Der Pilot wurde zwischen Heidweiler und Dierscheid bei Bernkastel-Kues gefunden und von einem Rettungshubschrauber aufgenommen.

An der Absturzstelle selbst waren zunächst keine deutschen Einsatzkräfte. Laut dem Wehrleiter der Feuerwehr Trier-Land, Jürgen Cordie, war seinen Leuten die direkte Absturzstelle nicht bekannt. Auch die Polizei blieb an der durch die US-Streitkräfte errichteten Absperrung, auch „wegen des Hinweises der Feuerwehr auf mögliche Gefahrstoffe“, wie es in der Antwort des Innenministeriums heißt. Noch am Abend habe der Gefahrstoffzug des Landkreises Trier-Saarburg in der Ortslage Zemmer-Rodt Messungen auf eine mögliche Belastung durch das hochgiftige Hydrazin durchgeführt. Hydrazin ist bei F 16 der Nottreibstoff, um die Maschine bei Ausfall der System steuerungsfähig zu halten. Die Messungen seien negativ gewesen, so das Innenministerium.



Doch Edgar Schmitt, Ortsbürgermeister von Zemmer-Rodt, befürchtet, dass größere Mengen Hydrazin ausgelaufen sein könnten. Denn möglicherweise ist der Tank, in dem sich der Stoff befand, nicht verbrannt, wie es in dem Gutachten des Zentrums für Geoinformationswesen der Bundeswehr heißt. Darin ist die Rede, dass der Tank nach Aussagen der Feuerwehr verbrannt sei. Diese Aussage ist aber laut Schmitt falsch, wie ihm der Wehrleiter der Feuerwehr Trier-Land versichert habe.

Der Ortsbürgermeister und auch Förster Grünhäuser wollen wissen, wie die tatsächliche Belastung an der Absturzstelle ist. „Irgendwo muss der Gestank herkommen“, sagt Schmitt und meint damit das Öl, das in der Luft liegt. Grünhäuser sorgt sich um die Waldarbeiter, die die zerstörten Bäume und die entlang der Wege liegenden Stämme kleinschneiden und abtransportieren sollen. „Wer garantiert, dass das Holz unbelastet ist und die Arbeiter keiner Gefahr ausgesetzt sind?“, fragt der Förster. Er befürchtet, dass das gesamte Holz mit Gefahrstoffen aus dem Flugzeug belastet ist. Über 1000 Festmeter seien betroffen. Dann könnte es nicht mehr verkauft und verwertet werden. Es wäre Sondermüll. Müsste in Spezialfahrzeugen abtransportiert und auf gesonderten Deponien gelagert werden. „Wer bezahlt uns das?“, fragt Schmitt. Die Ortsgemeinde besitzt genau wie der Forst und zehn weitere Besitzer an der zwei Hektar großen Absturzstelle Flächen. Sie wollen für den entstandenen Schaden entschädigt werden.

Zuständig dafür sind aber nicht die US-Streitkräfte sondern nach dem Nato-Truppenstatut die Bundesrepublik Deutschland. Die Schadensregulierung übernimmt die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima). Dort weiß man aber noch nicht, wie hoch die Schäden sind. Ein Forstsachverständiger nehme die Schäden bei einer gemeinsamen Begehung der Grundstücke mit den Eigentümern auf, sagte ein Bima-Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. „Berücksichtigt werden Schäden an Baumbestand, Grundstücksflächen und Zuwegungen.“ Sobald die Erfassung vorgenommen sei, erfolge eine Regulierung, so der Bima-Sprecher. Dabei spiele auch eine mögliche Belastung des Holzes und des Bodens eine Rolle. Sollte nachgewiesen sein, dass diese „eindeutig auf den F-16-Absturz zurückzuführen sind“, würden auch diese Schäden „selbstverständlich berücksichtigt“. Daher will Schmitt nun seitens der Ortsgemeinde eigene Proben in Auftrag geben. Bei der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, zu der auch die Untere Wasserbehörde gehört, sieht man dafür aber offensichtlich keine Notwendigkeit. Man habe die Ergebnisse der Boden- und Gewässerproben durch die Bundeswehr an die für die Gewässeraufsicht zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz zur fachlichen Bewertung gegeben, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung. Aus den bisher vorliegenden Unterlagen ergebe sich derzeit „aus öffentlich-rechtlicher Sicht“ kein „zusätzlicher Handlungsbedarf“.