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Sogennantes Fuel Dumping
Zwei Flieger lassen insgesamt 100 Tonnen Kerosin ab

Eine Frachtmaschine der Fluggesellschaft Cargolux.
Eine Frachtmaschine der Fluggesellschaft Cargolux. FOTO: dpa / Laurent Gillieron
Zweibrücken/Landau/Luxemburg. Innerhalb weniger Tage ist gleich zwei Mal Flugbenzin irgendwo über der Pfalz oder dem Saarland niedergegangen. Von Eric Kolling

Erneut haben Flugzeuge tonnenweise Kerosin über der Region abgelassen. Der erste Fall ereignete sich Behördenangaben zufolge am Samstagnachmittag, als ein Frachtflieger der Airline Cargolux 92 Tonnen Flugbenzin abließ. Wie die Deutsche Flugsicherung (DFS) auf Anfrage bestätigte, meldete der Pilot der von Luxemburg in Richtung Singapur gestarteten Maschine um 12.43 Uhr ein Fahrwerksproblem und die Notwendigkeit eines sogenannten Treibstoffschnellablasses (Fuel Dumping). Daraufhin kreiste er über der Westpfalz, unter anderem über dem Pfälzerwald, Ottweiler und Landau, ehe er wieder in Luxemburg landete. Der Spritablass erfolgte laut DFS in 14 000 Fuß Höhe (rund 4300 Meter). Wo genau, das kann die DFS nicht rekonstruieren.

Bei dem Vorfall am Samstag wurden damit zwei Tonnen mehr Kerosin auf einmal in die Luft über der Region abgelassen als bei vier Vorfällen 2018 zusammen.

Am Montag ereignete sich ein zweiter Vorfall: eine Boeing 767 ließ der Flugsicherung zufolge über der Pfalz acht Tonnen Kerosin ab. Die Maschine habe sich zu diesem Zeitpunkt in 14 000 Fuß Höhe befunden. Das Flugzeug war in Frankfurt gestartet und wurde eigentlich in Pittsburgh (USA) erwartet. Nach einer Schleife über Pfalz, Saarland und Hunsrück kehrte es demnach nach Frankfurt zurück.



Das Saarland und Rheinland-Pfalz gelten nicht zuletzt deshalb als bevorzugte Ablasszonen, weil sie in Teilen weniger dicht besiedelt sind und man davon ausgeht, dass das Kerosin in der Luft verwirbelt und kaum etwas am Boden ankommt. Die DFS orientiert sich diesbezüglich an Richtlinien der zur UN gehörenden Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) in Montreal. Allerdings geht es der ICAO mit den Vorgaben nicht darum, dass auf die Bevölkerung möglichst wenig Kerosin niedergeht und mögliche Krankheitsgefahren minimiert werden. Im Vordergrund steht, dass Menschen nicht durch herabstürzende Teile oder gar niedergehende Flugzeuge zu Schaden kommen, so Kristina Kelek von er DFS.

Zu den Gefahren des Kerosinablasses führt der Bund aktuell eine Literaturstudie durch, die politisch umstritten ist, weil keine praktischen Messungen durchgeführt werden. Laut Bundesumweltamt hat sich das Bundesumweltministerium dazu verpflichtet, im Oktober in der Umweltministerkonferenz zu der Studie Bericht zu erstatten.

Der rheinland-pfälzische SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Schweitzer forderte nach dem neuerlichen Kerosinablass: „Die Deutsche Flugsicherung muss nun endlich von sich aus Öffentlichkeit schaffen und alle Fälle von Treibstoff-Notablässen spätestens 24 Stunden nach den Ereignissen publik machen. Eine entsprechende Aufforderung ist auch im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbart. Dort heißt es klipp und klar, die DFS solle ‚die Treibstoffschnellablässe zeitnah auf ihrer Internetseite veröffentlichen’. Dass dies seit Monaten nicht geschieht, ist Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer anzulasten. Er darf nicht länger zögern. Er muss endlich bei der ihm unterstehenden DFS für die Veröffentlichung sorgen und so einen Beitrag gegen die Verunsicherung leisten.“

Mittel- und langfristig sollte laut Schweitzer über alternative Ablass-Vorrichtungen an Flugzeugen nachgedacht werden: „Wir setzen darauf, dass aus der Industrie Vorschläge gemacht werden, welche neuen technologischen Möglichkeiten bestehen oder entwickelt werden können.“