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Kandel kommt nicht zur Ruhe
Erneut Demonstrationen in Kandel

Die Demonstrationen von rechts und links nach dem Tod einer 15-Jährigen reißen in Kandel nicht ab. Um Gedenken geht es offenbar längst nicht mehr.
Die Demonstrationen von rechts und links nach dem Tod einer 15-Jährigen reißen in Kandel nicht ab. Um Gedenken geht es offenbar längst nicht mehr. FOTO: dpa / Boris Roessler
Kandel. Seit dem Tod einer 15-Jährigen in Kandel demonstrieren immer wieder linke und rechte Gruppen. Nun waren 17 Kundgebungen angemeldet – dabei geht es offenbar nicht mehr um ein würdiges Gedenken.

Rund zwei Monate nach der Verurteilung des vermutlich aus Afghanistan stammenden Flüchtlings Abdul D. wegen Mordes an seiner Ex-Freundin Mia in Kandel kommt die südpfälzische Gemeinde weiterhin nicht zur Ruhe. Am Samstag nahmen der Polizei zufolge rund 500 Menschen an mehreren Kundgebungen für beziehungsweise gegen die Migrationspolitik der Bundesregierung teil. „Alle Versammlungen verliefen weitestgehend störungsfrei“, teilten die Behörden mit. Es seien allerdings fünf Zwischenfälle registriert worden, darunter versuchte Körperverletzung und Sachbeschädigung. Es habe Farbbeutelwürfe auf Polizisten gegeben.

Die gestiegene Zahl von Demonstrationen beschäftigt immer mehr auch die Justiz. Vor den 17 angemeldeten Kundgebungen am Samstag wies das Verwaltungsgericht einige Eilanträge von Organisatoren zurück. Hintergrund war der Schritt der Kreisverwaltung, die Orte einiger Versammlungen zu verlegen, um Zusammenstöße zu vermeiden. Dies wollten Veranstalter ändern, letztlich aber vergeblich. Die Polizei zeigte Präsenz, um die politisch teils gegensätzlich ausgerichteten Demonstranten auf Abstand zu halten.

Behörden und Sicherheitskräfte stellen seit Monaten ein „Ausufern“ der Demonstrationen in Kandel fest. Für Samstag waren auch Mahnwachen etwa unter dem Motto „Bafög für Katzen“ oder „Hoch die internationale Küchenqualität! Gegen Schnitzel und Kartoffelauflauf“ angekündigt. Bürger von Kandel beklagen, dass der 9000-Einwohner-Ort als Aufmarschgebiet rechter und linker Gruppen missbraucht wird.



Am 3. September war Abdul D. in Landau zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Richterspruch ist allerdings noch nicht rechtskräftig.