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Priestermangel
Wenn Frauen katholische Beerdigungen halten

Marianne Krämer-Birsens auf dem Friedhof St. Paulin. Die Gemeindereferentin beerdigt seit 20 Jahren im Auftrag der katholischen Kirche.
Marianne Krämer-Birsens auf dem Friedhof St. Paulin. Die Gemeindereferentin beerdigt seit 20 Jahren im Auftrag der katholischen Kirche. FOTO: dpa / Harald Tittel
Trier/Kruft. Das Bistum Trier setzt wegen des Priestermangels zunehmend auf Laien. Mehrere Frauen werden dabei für Bestattungen eingesetzt.

(dpa) Für Marianne Krämer-Birsens ist es eine ganz normale Sache. Sie beerdigt im Auftrag der katholischen Kirche – und das seit fast 20 Jahren schon. „Dass das auch Laien (Nicht-Priester) machen, ist absolut sinnvoll“, sagt die Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft Kruft-Nickenich im Kreis Mayen-Koblenz. Denn die Gebiete, für die Priester zuständig sind, würden ja immer größer: „Das ist für sie de facto eine nicht mehr zu schulternde Aufgabe“, sagt Krämer-Birsens.

In jedem Jahr kommen im Bistum Trier neue hauptamtliche Laien – Frauen und Männer – dazu, die vom Bischof die Erlaubnis für den Beerdigungsdienst bekommen. Für Krämer-Birsens (59) zeigt die Erfahrung: „Die Qualität von Kondolenzgesprächen und von Beerdigungen steigt in dem Sinne, dass ich mehr Zeit habe für eine einzelne Beerdigung.“ Es sei ein Unterschied, ob man fünf Beerdigungen die Woche alleine halten müsse – oder ob man sich diese teilen könne. „Dann kann man viel besser auf die Trauerenden eingehen.“

Anfangs, erinnert sich Krämer-Birsens, seien Angehörige verwundert gewesen, wenn sie in ihrem weißen Mantelgewand und nicht der Pfarrer die Trauerfeier gestaltet habe. Heute nicht mehr: „Hier zuckt keiner mehr mit der Wimper, wenn wir als Frauen auf den Friedhof kommen.“ Sie wisse aber auch, dass es auch immer noch „Ecken“ gebe, wo das Thema heiß diskutiert und der Wandel nicht akzeptiert werde.



Und die Entwicklung geht weiter: Künftig soll der Beerdigungsdienst im Bistum Trier auch für Ehrenamtliche zugänglich werden. Zurzeit arbeitet ein Arbeitskreis daran, wie das geregelt werden soll. In Neunkirchen im Saarland soll in einem Pilotprojekt im Frühjahr 2019 der erste Kurs beginnen, um Männer und Frauen zu „Begräbnisleitern“ auszubilden. Ein Synode im Bistum Trier hatte im Sommer 2016 eine Öffnung von Bestattungen für Ehrenamtliche befürwortet.

Natürlich forciere der deutliche Mangel an Priestern die Entwicklung, räumt Krämer-Birsens ein. Aber es gehe auch darum: „Zu beerdigen ist ein Akt der Barmherzigkeit und sozusagen jedem Christen aufgetragen.“ Der Rücklauf nach Bestattungen durch sie oder ihre Kolleginnen sei „durchgängig positiv“, sagt Krämer-Birsens, die auch Mitglied des Arbeitskreises im Bistum ist. „Ich habe noch niemanden erlebt, der, nachdem er es mitgemacht hat, gesagt hätte, er hätte lieber den Pastor gehabt.“

Die Mitwirkung der Laien in der katholischen Kirche wird angesichts sinkender Priesterzahlen immer wichtiger. 2016 gab es bundesweit knapp 13 900 Priester (2010: gut 15 100). Die Zahl der Pastoralreferenten dagegen verdoppelte sich laut Deutscher Bischofskonferenz seit 1990 auf rund 3200.

Nach Angaben des Bistums Trier haben in den vergangenen beiden Jahren jeweils gut 20 Laien eine sogenannte Beauftragung bekommen. Natürlich gebe es „schon mal Irritationen, wenn statt dem Pastor eine Frau kommt“, sagt Sprecherin Judith Rupp. „Diese lassen sich aber durch das Gespräch in der Regel sehr gut lösen.“ Beschwerden nach Beerdigungen, die von Laien gehalten wurden, lägen „überhaupt keine“ vor.

Auch im Bistum Speyer habe die „weitaus größere Zahl der Trauernden“ kein Problem mit Frauen, die die Beerdigung vornähmen. „Im Gegenteil, es wird als wertvoll empfunden“, sagt Domkapitular Franz Vogelgesang, der die Hauptabteilung Seelsorge leitet. Bistumsweit seien in den vergangenen fünf Jahren bereits rund 250 hauptamtliche Pastoral- und Gemeindereferenten dafür ausgebildet worden, darunter 120 Frauen. Grund sei „die gleichbleibend hohe Zahl der Beerdigungen, die zu Überlastungen der Pfarrer führen“, sagt Vogelgesang. Ehrenamtliche dafür zu gewinnen – das sei auch ein Thema im Bistum Speyer. „Wir planen und konzipieren einen Ausbildungskurs, der eventuell 2020 beginnen könnte.“ Dies müsse aber zuvor noch in den Räten des Bistums diskutiert werden.

(dpa)