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Start bereits in kommender Woche
Weinlese beginnt so früh wie nie zuvor

Die Weinlese startet in diesem Jahr in Rheinland-Pfalz so früh wie nie zuvor. Bereits in der kommenden Woche erntet ein Weingut im Kreis Mainz-Bingen die ersten Trauben für die Federweißer-Produktion.
Die Weinlese startet in diesem Jahr in Rheinland-Pfalz so früh wie nie zuvor. Bereits in der kommenden Woche erntet ein Weingut im Kreis Mainz-Bingen die ersten Trauben für die Federweißer-Produktion. FOTO: dpa / Fredrik von Erichsen
Lörzweiler. Sonne wie im Süden treibt die Winzer früher als je zuvor zur Lese in die Weinberge. Aus dem ersten Traubenmost wird Federweißer. Der frühe Start hilft den Winzern im internationalen Wettbewerb.

Die Weinlese in Deutschland beginnt schon in der nächsten Woche, so früh wie nie zuvor. Den Anfang macht am 6. August ein Weingut in Lörzweiler im Kreis Mainz-Bingen, wie das Deutsche Weininstitut mitteilte. Einen früheren Lesetermin habe es noch nie gegeben, sagte Weininstitutssprecher Ernst Büscher. Möglich macht es der lange und warme Sommer. Die bisherige Rekordmarke hielten die Jahre 2007, 2011 und 2014 mit einem Lesebeginn jeweils am 8. August. Im vergangenen Jahr startete die Lese am 16. August, damals in einem Weingut in der Pfalz.

„In diesem Jahr sind wir extrem früh dran“, sagte Büscher. „Der Entwicklungsstand der Reben ist dem 30-jährigen Mittel um gut drei Wochen voraus.“ Der immer frühere Lesebeginn sei ein Indiz für den Klimawandel, sagte Büscher. Langjährige Messungen im Rheingau zeigten, dass es seit 1988 mit den mittleren Temperaturen ständig nach oben gehe.

Die ersten Trauben der diesjährigen Lese gehen in die Federweißer-Produktion. Dafür werden vor allem die Rebsorten Solaris, Ortega, Bacchus und Huxelrebe genutzt, später auch Müller-Thurgau.



Der frühe Lesebeginn begünstige den deutschen Federweißen im Wettbewerb mit den Importen aus Italien, sagt Albrecht Ehses von der Industrie- und Handelskammer Trier. „Im Vergleich zum Federweißen aus Apulien sind wir sonst vier Wochen hinten dran, in diesem Jahr können wir das schneller aufholen“, erklärt der Geschäftsführer des länderübergreifenden Weinausschusses der IHKs Koblenz, Rheinhessen, Pfalz, Trier und Wiesbaden.

Über den Handel werden laut Ehses bundesweit schätzungsweise elf Millionen Liter Federweißer im Jahr vertrieben. Der Anteil der deutschen Produktion liegt im Schnitt bei 50 Prozent. „In diesem Jahr könnten wir auf 60 Prozent hochspringen“, sagt Ehses.

Federweißer wird in allen 13 Weinanbaugebieten in Deutschland hergestellt und meist im Direktvertrieb der Winzer oder auch im regionalen Handel verkauft. In den bundesweiten Handel kommt vor allem Federweißer aus der Pfalz und Rheinhessen, den beiden größten deutschen Anbaugebieten. Dafür haben sich etablierte Strukturen mit großen Kellereien und Abfüllbetrieben etabliert.

Anders als Wein handelt es sich beim Federweißen um Frischware mit besonderen Anforderungen an die Logistik, etwa mit einer ununterbrochenen Kühlkette. Die Flaschen sind nur locker mit einer luftdurchlässigen Kapsel verschlossen. Dabei hat die Gärung gerade erst eingesetzt, so dass nach dem Flaschenkauf empfohlen wird, den Federweißen noch einen Tag bei Zimmertemperatur gären zu lassen, bis ein Alkoholgehalt von etwa fünf bis sechs Volumenprozent erreicht ist.

Die Federweißer-Saison dauert bis etwa Ende Oktober; die Stadt Mainz etwa genehmigt bis zu sechs Stände dafür vom 15. August bis 31. Oktober. Der neue Wein gibt einen ersten Vorgeschmack auf den neuen Jahrgang. Nach einem ungewöhnlich langen und warmen Sommer hoffen die Winzer in allen deutschen Anbaugebieten auf eine ertragreiche Ernte mit hoher Qualität.