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Folgen der Hitzwelle
Wassertemperaturen im Rhein besorgniserregend

Der Wasserpegel des Rheins ist durch die andauernde Trockenheit extrem niedrig. Weil die Temperatur des Flusses weiter steigt, sollen Unternehmen weniger Rheinwasser zur Kühlung nutzen. 
Der Wasserpegel des Rheins ist durch die andauernde Trockenheit extrem niedrig. Weil die Temperatur des Flusses weiter steigt, sollen Unternehmen weniger Rheinwasser zur Kühlung nutzen.  FOTO: dpa / Silas Stein
Bingen. Hitze und Trockenheit könnten den Wasserstand des Rheins weiter sinken und die Temperatur im Fluss steigen lassen – mit Folgen für Lebewesen und die Schifffahrt.

Die steigende Temperatur des Rheins hat nach Einschätzung von Rheinland-Pfalz eine besorgniserregende Lage erreicht. Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) reagierte gestern darauf und forderte Unternehmen wie die BASF und das Kraftwerk Mainz-Wiesbaden auf, weniger Rheinwasser zur Kühlung zu nutzen. „Das warme Wasser hat negative Auswirkungen auf das Ökosystem im Fluss“, sagte Höfken. Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde lag die Temperatur des Rheins gestern bei etwa 28 Grad an Messstellen in Mainz und Koblenz. Höfken rechnet aber noch nicht mit einem Fischsterben. Der Sauerstoffgehalt im rheinland-pfälzischen Teil des Rheins sei hoch und die Abflussmenge ausreichend.

Heure soll die Hitzewelle nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach mit Temperaturen bis 39 Grad ihren Höhepunkt erreichen. Dann könnte es zu teils kräftigen Schauern und Gewittern kommen. Nennenswerte Abkühlung verspricht das aber nicht: Mit Höchstwerten bis 33 Grad bleibt es nach DWD-Angaben auch am Mittwoch und Donnerstag warm.

Die BASF hatte bereits in der vergangenen Woche wegen der hohen Temperatur und des gesunkenen Rheinpegels einen Teil ihrer Produktion gedrosselt. Sie hatte deshalb die Möglichkeit von Lieferengpässen gesehen. „Wir sind im ständigen Austausch mit der Behörde“, sagte ein Sprecher. Nach Angaben des Energiekonzerns gibt es eine gesetzliche Vorgabe, nach der nur eine begrenzte Menge Kühlwasser entnommen werden darf, nämlich 225 000 Kubikmeter pro Stunde. Derzeit werden dem Sprecher zufolge 221 000 Kubikmeter Wasser pro Stunde entnommen.



Fische, Muscheln und andere Gewässerorganismen können ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren. „Die Folge daraus ist, dass sie kräftiger atmen müssen“, erklärte die Umweltministerin. „Für Fische und für Wirbellose wie Muscheln ergibt sich hieraus eine zunehmend gefährliche Stresssituation.“ Darum müssten alle Maßnahmen ergriffen werden, die die Situation entschärfen.

Insbesondere Fische litten unter den hohen Wassertemperaturen, sagte der Leiter des Referats Gewässerökologie und Fischerei beim Landesamt für Umwelt, Lothar Kroll, der dpa. Wegen der hohen Temperaturen verbrauchten sie mehr Energie zum Atmen, fräßen aber weniger und würden dadurch zunehmend „hinfälliger“. Vereinzelt seien bereits tote Fische in der Nähe von Altrhein-Gewässern gefunden worden.

Der Wasserstand des Rheins sinkt durch die anhaltende Trockenheit weiter: In Kaub lag der Wasserstand am Montag bei 74 Zentimeter. Um die tatsächliche Tiefe der Fahrrinne zu ermitteln, müsse man als Faustregel 1,12 Meter addieren, sagte Ralf Schäfer vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Bingen. Die Fahrrinne bei Kaub sei also derzeit etwa 1,86 Meter tief. Für diesen Freitag prognostiziert er einen Pegel von 63 Zentimetern. „Das ist aber noch weit von dem Rekordjahr 2003 entfernt“, sagte Schäfer. Damals lag der Kauber Pegel bei 34 Zentimeter.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Rheinland-Pfalz warnte vor einem weiteren Temperaturanstieg aufgrund der niedrigen Wasserstände. „Je weniger Wasser in den Flüssen ist, desto schneller erwärmen sie sich“, sagte eine Sprecherin. Um „große ökologische Schäden“ zu verhindern, forderte sie einen Stopp der Einleitung von Industriebetrieben und Kraftwerken. Eine längere Überschreitung der für die Gewässerökologie gefährlichen Temperatur von 28 Grad kann nach Ansicht des BUND große ökologische Schäden verursachen.

Auch viele rheinland-pfälzische Gemeinden rufen ihre Bürger zum Wassersparen auf: Die Hitze und der hohe Wasserverbrauch brächten die Wasserversorgung an die Grenzen der Belastbarkeit, teilte die Verbandsgemeinde Montabaur mit.

Die Kreisverwaltung Cochem-Zell war letzte Woche einen Schritt weiter gegangen und hatte Bürgern verboten, ihren Rasen zu bewässern.