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Ein Jahr Online-Wache
Ebay-Betrüger und Kratzer am Roller

  Anzeige per Fingerwisch: Eine Frau hat in ihrer Wohnung die Onlinewache der rheinland-pfälzischen Polizei aufgerufen. Von zu Hause hat sie so einen unmittelbaren Kontakt zur Polizei und kann beispielsweise Betrug oder Diebstahl melden.
Anzeige per Fingerwisch: Eine Frau hat in ihrer Wohnung die Onlinewache der rheinland-pfälzischen Polizei aufgerufen. Von zu Hause hat sie so einen unmittelbaren Kontakt zur Polizei und kann beispielsweise Betrug oder Diebstahl melden. FOTO: dpa / Harald Tittel
Mainz. Was Rheinland-Pfälzer bei der Onlinewache anzeigen und wo es noch Luft nach oben gibt. Von Florian Schlecht

Wer auf Internetportalen wie Ebay nach Schnäppchen sucht, stößt mit Pech auf Gauner. Ein 25-jähriger Mann erlebte das in diesem Jahr, als er über die Kleinanzeigen ein iPhone 10 kaufte, das nie bei ihm ankam.

Ähnliches erlebte ein anderer Rheinland-Pfälzer, der sich mit einem Verkäufer per WhatsApp einigte, ihm für ein Produkt die Hälfte des Kaufpreises vorab zu überweisen und den Rest genau dann, wenn die Ware mit der Post bei ihm eingetrudelt ist. Er wartete vergeblich, eine dreistellige Euro-Summe war futsch, die Leitung zum Verkäufer tot.

Wo beide Männer vor nicht allzu langer Zeit noch zur Polizei-Dienststelle gelaufen wären, um den Betrug zu melden, erstatteten sie nun Anzeige via Mausklick. Denn seit einem Jahr läuft die Onlinewache von Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mehr als
13 000 Anzeigen sind in den ersten zwölf Monaten bei der Polizei eingegangen, die sich auf 5400 Betrugsfälle, 2000 Diebstähle, 1400 Sachbeschädigungen und 4100 andere Strafanzeigen verteilen. 1200 Eingänge verzeichne die Wache pro Monat, sagt der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD), der von einer hohen Akzeptanz der Bürger spricht.



Unter den Anzeigen ist unter anderem auch der Fall eines Mannes, der bei einer Bank ein neues Girokonto eröffnete, zur Aktivierung der EC-Karte sein E-Mail-Konto nutzte, auf das er wenig später keinen Zugriff mehr hatte und dann noch Überweisungen auf seinem Konto entdeckte, die er nie erlaubt hatte. 

Ein 64-jähriger Mann aus dem Norden von Rheinland-Pfalz erstattete wiederum Anzeige, weil er mehrere Kratzer an seinem Roller entdeckt hatte. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Pia Schellhammer spricht nach dem ersten Jahr der Onlinewache von „positiven Erfahrungen“. Sie sagt: „Die Onlinewache wird bereits gut genutzt.“

Trotzdem spricht die Grüne, die die Onlinewache in Rheinland-Pfalz erst angestoßen hat, davon, die Stelle weiter ausbauen zu müssen. Für viele Nutzer sei die Maske, um Daten einzugeben, offenbar zu kompliziert. Das sorge für Mehrarbeit bei der Polizei, die die übers Netz abgeschickten Daten einzeln prüfen müsse, sagt die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im rheinland-pfälzischen Parlament. Der CDU-Abgeordnete Dirk Herber beklagt, dass das rheinland-pfälzische Innenministerium den Mehraufwand für die Polizei „nicht für erwähnenswert“ halte. Es sei richtig, die Onlinewache im digitalen Zeitalter zur Verfügung zu stellen.

Das Land müsse dann aber auch die Dienststellen aufstocken. Herber denkt dabei an Verwaltungskräfte, die die Beamten unterstützen könnten, um über die Onlinewache eingereichte Personalien zu überprüfen und so Missbrauch auszuschließen. Diesen versucht das Land unter anderem zu unterbinden, indem die IP-Adressen von allen gespeichert werden, die Anzeigen über die Onlinewache erstatten.

„In der Mache“, so hörte es Schellhammer, sei die Möglichkeit, Bilder hochzuladen – wie vom gestohlenen Fahrrad. „Weitere Ausbaustufen sollen dazu beitragen, dass das Serviceangebot für die Bürgerinnen und Bürger weiter erhöht wird sowie die Verfahrensabläufe noch ökonomischer gestaltet werden können“, heißt es vom Landeskriminalamt, bei dem die Onlinewache angesiedelt ist.

Geht es nach anderen Bundesländern, dürfte die Zahl der Anzeigen in den kommenden Jahren rasant wachsen. In Niedersachsen, wo die Onlinewache der Polizei 2007 startete, wuchsen die Meldungen innerhalb von zehn Jahren von rund 6000 auf 40 000 an.

Der Trend, Ebay-Betrügern per Mausklick auf die Schliche zu kommen, dürfte sich also auch in Rheinland-Pfalz fortsetzen.