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Architektur
Vorhalle des Speyerer Doms strahlt wieder

 Die Vorhalle des Speyerer Doms wurde in den letzten acht Monaten umfassend saniert. Insbesondere durch die Reinigung des Skulpturenschmucks und die Neuvergoldung einiger Hintergrundflächen bietet sich den Besuchern nun ein völlig neuer Raumeindruck.
Die Vorhalle des Speyerer Doms wurde in den letzten acht Monaten umfassend saniert. Insbesondere durch die Reinigung des Skulpturenschmucks und die Neuvergoldung einiger Hintergrundflächen bietet sich den Besuchern nun ein völlig neuer Raumeindruck. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Speyer. Autoabgase, Kaminrauch und Tauben verschmutzten über Jahrzehnte den Eingangsbereich des berühmten Sakralbaus. Nach aufwendigen Arbeiten leuchtet die Vorhalle wieder.

Der Dom in Speyer hat nach mehrmonatiger Sanierung wieder einen strahlenden Eingangsbereich ohne Schmutzkrusten und Bruchstücke. „Bis auf das Fresko und kleinere Reste sind die Arbeiten in der Vorhalle abgeschlossen“, sagte Domdekan Christoph Kohl am Freitag in der pfälzischen Stadt. Vor der Renovierung sei der Bereich „einer der unansehnlichsten Teile“ des Unesco-geschützten Sakralbaus gewesen. „Jetzt ist die Vorhalle nicht nur aufgefrischt, sondern ein neues Kleinod“, betonte Kohl. Die Kosten seien mit 890 000 Euro im vorgesehenen Rahmen geblieben.

Der Raum im Westen des Doms gilt als zeitgenössisches Gesamtkunstwerk mit einem detailreichen Gewölbe sowie Reliefs und Skulpturen. Die jetzige Sanierung ist den Organisatoren zufolge die erste Instandsetzung in größerem Maßstab seit der Fertigstellung 1858.

Dombaumeisterin Hedwig Drabik sprach von einem „dunklen Vorzustand“. Die sogenannte Raumschale sei verdreckt gewesen, unter anderem durch Autoabgase und Kaminrauch. „Wir haben die Schmutzkruste auf den Nischenfiguren mit einem Punktlaser gereinigt – der Dreck ist regelrecht verdampft“, berichtete Drabik. Ein Bildhauer habe fehlende Teile ersetzt, unter anderem mit Originalmarmor aus Südtirol. „Jetzt präsentiert sich die Vorhalle in einem sauberen Zustand, mit schönen Details.“ Das Gerüst soll noch vor Weihnachten abgebaut werden.



Zwei wesentliche Aufgaben bleiben den Organisatoren noch, eine ist die Abwehr von Tauben. „Hier setzen wir auf drei Maßnahmen“, sagte Drabik. Es werde ein Schalldrucksystem geben, auf das Vögel empfindlich reagieren, sowie ein elektrisches System mit leichten Stromschlägen. Zudem sollen in Nischen Schalen aufgestellt werden, die Tauben im Landeanflug irritieren. Die oft an Denkmälern montierten Metallstifte sollen nicht installiert werden. „Die sehen furchtbar aus und nutzen oft nichts“, sagte Kohl.

„Sakrales Sorgenkind“ bleibt das Fresko von Kirchenmaler Johann Baptist Schraudolph (1808-1879) in der Vorhalle über dem Hauptportal. Dort hat sich unter anderem der Kalkputz, der als Untergrund dient, aufgrund von Umwelteinflüssen in einigen Bereichen zu Gips umgewandelt. Es kommt zu flächigen Ablösungen und weißlichen Verfärbungen. Das erschwert die laufende Restaurierung.

„Das Fresko präsentiert sich derzeit minderwertig, auch aufgrund dilettantischer Übermalungen“, erklärte Domkonservator Wolfgang Franz. Die Maßnahme sei aus der Restaurierung ausgeklammert worden, weil die Sanierung innerhalb des Zeitrahmens nicht zu stemmen gewesen sei. „Die Kosten wären immens gewesen, wenn wir das Gerüst einfach hätten stehen lassen. Im nächsten Jahr soll es umfangreiche Voruntersuchungen geben – danach kennen wir den genauen Umfang der Überarbeitung“, betonte Franz. Auch die Beleuchtung wird noch erneuert. Die Arbeiten an den Bodenplatten sollen im Februar unternommen werden, derzeit ist der Boden noch teilweise vom Gerüst bedeckt.

Als eine der weltgrößten romanischen Kirchen zählt der Dom, Grablege des Kaisergeschlechts der Salier, seit 1981 zum Unesco-Weltkulturerbe. Rund 134 Meter lang, bis zu 55 Meter breit und im Innern mehr als 30 Meter hoch: Bis heute nötigen die Ausmaße den Besuchern Respekt ab. Zu seiner Bauzeit im 11. Jahrhundert galt die Kathedrale den Zeitgenossen als Weltwunder. Damit auch künftige Generationen staunen können, muss sie instand gehalten werden.