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Gesundheit
Von Ischgl in die Quarantäne in Prüm: Ein Corona-Infizierter erzählt

Prüm . Es gehe ihm gut, sagt Dominik Hoffmann. Der 47-jährige Prümer hat Corona. Seit einer Woche ist er in Quarantäne bei sich zu Hause. Am vergangenen Donnerstag kam nach einem Test im Labor Synlab in Trier der Anruf vom zuständigen Gesundheitsamt: positiv. Von Bernd Wientjes

„Ich habe schon damit gerechnet“.

Er gehörte zu einer Reisegruppe aus der Eifel, die am 7. März in den österreichischen Skiort Ischgl gefahren ist. Zu der Zeit galt das Gebiet nicht als Corona-Risikogebiet. Zumindest von deutscher Seite. Im nordischen Island war das anders. Am 29. Februar stellten die Behörden dort bei einer Reisegruppe, die aus Ischgl zurückgekommen ist, eine hohe Anzahl an Corona-Fällen fest. Daraufhin hatte Island den beliebten Skiort bereits am 5. März als Risikogebiet eingestuft. Genau wie Iran und das chinesische Wuhan. Island setzte alle Rückkehrer aus der Region unmittelbar unter Quarantäne. Unterdessen ging in Ischgl der Betrieb normal weiter: tagsüber auf der Piste, abends in den örtlichen Aprés-Ski-Lokalen. Die Warnung aus Island wurde in Österreich nicht ernst genommen. Aus medizinischer Sicht sei es wenig wahrscheinlich, dass es in Tirol zu Ansteckungen gekommen ist, hieß es Anfang März von offiziellen Stellen.

„Unverantwortlich“, nennt Hoffmann dieses Vorgehen. „Wir hätten uns doch nicht freiwillig in Gefahr begeben. Wenn wir gewusst hätten, dass man sich dort mit Corona infizieren kann, wären wir nie dorthin gefahren“, sagt der Prümer. Nichts habe während ihres gesamten viertägigen Aufenthalts darauf hin gedeutet. Es habe keinerlei Warnungen gegeben. Mittlerweile geht man davon aus, dass über 1000 Corona-Fälle europaweit auf eine Infektion in Ischgl zurückgehen. Auch in der Region gibt es wohl einige, die sich dort mit dem Virus angesteckt haben. So geht ein Großteil der bislang im Eifelkreis festgestellten Fälle auf eine Reise in den Skiort zurück. Mit ihm seien insgesamt 13 aus seiner Reisegruppe an Corona erkrankt, sagt Hoffmann.



Erst als die ersten Kneipen in Ischgl zugemacht hätten, hätten sie gemerkt, dass dort „etwas im Argen“ liege. Zusammen mit einem Freund habe er sich dann frühzeitig auf den Heimweg gemacht. Von unterwegs hätten sie dann bereits mit ihren Hausärzten telefoniert und die Lage geschildert. Daraufhin hätten diese umgehend Überweisungen an das Trierer Labor geschickt.

Nach dem Test hätten sie sich dann freiwillig in Quarantäne in seine Wohnung nach Prüm begeben, sagt Hoffmann. „Nachdem alle Aprés-Ski-Lokale von behördlicher Seite vor Ort geschlossen wurden, konnte man schlussendlich damit rechnen, dass der Test bei uns positiv ist. Ändern konnten wir ja zu dem Zeitpunkt eh nichts mehr.“ Daher sei dann die Bestätigung einen Tag später keine Überraschung gewesen. Angst habe er keine gehabt, ein mulmiges Gefühl schon. „Ich weiß, dass ich ein starkes Immunsystem habe. Daher habe ich auch nicht damit gerechnet, dass es bei mir einen schweren Verlauf geben wird.“

Rasch hätte er dann die ersten Symptome bei sich festgestellt: Husten, Gliederschmerzen von der Hüfte aufwärts, Durchfall. Fieber habe er keins gehabt. Dafür habe er aber nachts stark geschwitzt. „Drei Mal musste ich das T-Shirt wechseln. So etwas habe ich noch nie gehabt.“ Es habe Phasen gegeben, da habe er gar keine Symptome gehabt. Kurze Zeit später hätte er dann wieder Gliederschmerzen gehabt. „Es ist nicht schlimmer, aber schon anders als bei einer Erkältung oder einer Grippe“, schildert Hoffmann am Telefon. Der 47-Jährige arbeitet in der Versicherungsbranche. Sein Büro hat er, wie derzeit viele auch nicht Infizierte, nach Hause verlegt. Mit seinen Kunden stehe er per Video-Chat und Mail in Verbindung.

„Wir haben hier in der Quarantäne einen ganz normalen Alltag: Frühstück, Mittagessen, Abendessen.“ Freunde und Familie sorgten dafür, dass immer genügend Nachschub da sei. Er schicke ihnen regelmäßig Einkaufszettel. Die Helfer brächten dann die Einkäufe vor die Tür und sagten ihnen Bescheid, dass sie sie dort holen könnten.

Nachdem er seine Infektion und die Quarantäne über Facebook öffentlich gemacht hat, hätten sich ganz viele Bekannte und Freunde bei ihm gemeldet. „Die Solidarität ist überwältigend“, sagt Hoffmann. Wenn alles gut geht, dann ist in einer Woche die Quarantäne beendet. Wenn er bis dahin keine Symptome mehr hat und wenn ein weiterer Test negativ ausfällt. Hoffmann ist zuversichtlich: „Mir geht es besser. Außer ein bisschen Husten habe ich nichts mehr.“

 Ein Ortsschild mit durchgezogenerLinie zeigt an, das die Ortschaft Ischgl an der Stelle endet. Über 1000 Corona-Fälle gehen auf eine Infektion in dem österreichischen Skiort zurück.
Ein Ortsschild mit durchgezogenerLinie zeigt an, das die Ortschaft Ischgl an der Stelle endet. Über 1000 Corona-Fälle gehen auf eine Infektion in dem österreichischen Skiort zurück. FOTO: dpa / Jakob Gruber