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Prozessauftakt sofort vertagt
Verteidiger des Angeklagten bringt Babymordprozess ins Stocken

  In diesem Wohnhaus in Frankenthal soll ein Mann sein zwei Monate altes Baby aus dem Fenster seiner Wohnung im zweiten Stock geworfen und getötet haben. Der Prozessauftakt am Landgericht Frankenthal dauerte nur 30 Minuten.
In diesem Wohnhaus in Frankenthal soll ein Mann sein zwei Monate altes Baby aus dem Fenster seiner Wohnung im zweiten Stock geworfen und getötet haben. Der Prozessauftakt am Landgericht Frankenthal dauerte nur 30 Minuten. FOTO: dpa / (freelens Pool) Klaus Bolte
Frankenthal. Die Sicherheitsvorkehrungen waren hoch, ohne Durchsuchung durfte niemand in das Frankenthaler Landgericht. Doch schon nach etwa 30 Minuten wurde der Babymordprozess vertagt.

Rasches Ende des ersten Verhandlungstages nach der Freilassung des Angeklagten: Nach etwa 30 Minuten wurde der sogenannte Babymordprozess gestern vor dem Landgericht Frankenthal vertagt. Der 35 Jahre alte Angeklagte war zwar vor Gericht erschienen. Sein Anwalt Alexander Klein verließ den Saal aber kurz darauf wegen einer Terminüberschneidung.

Das Verfahren könne nur ordnungsgemäß fortgeführt werden, wenn der Verteidiger des Angeklagten anwesend sei, sagte ein Sprecher des Landgerichts. Daher wurde das Verfahren auf Donnerstag vertagt. Die Richter hatten zuvor einen Antrag Kleins auf Unterbrechung der Verhandlung abgelehnt.

Der Anwalt vertritt in einem Prozess um die tödliche Explosion auf dem Areal der Chemiefabrik BASF die Hinterbliebenen eines getöteten Feuerwehrmanns. Das Verfahren findet ebenfalls am Landgericht Frankenthal statt. Ob dem Anwalt Konsequenzen drohen, war unklar.



Der Nebenklagevertreter Frank Peter kritisierte das Verhalten des Pflichtverteidigers: „Ich habe es noch nie erlebt, dass man einen Angeklagten in einem Kapitalstrafverfahren alleine sitzen lässt.“ Der Prozess werde dadurch abermals verzögert. „Ich habe bereits zu Beginn des Verfahrens angeregt, einen Sicherungsverteidiger zu bestellen“, sagte Peter. Dieser zweite Verteidiger könne etwa bei einer Erkrankung das Platzen des Prozesses verhindern.

Der Angeklagte soll 2016 seine zwei Monate alte Tochter aus dem zweiten Stock eines Hauses geworfen und so getötet haben. Neben Mord wird dem Deutschen auch versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und Geiselnahme vorgeworfen.

Gegen den Mann wird bereits zum zweiten Mal vor dem Landgericht Frankenthal verhandelt. Ein erster, im November 2016 begonnener Prozess war wegen der Erkrankung der Vorsitzenden Richterin nach 23 Verhandlungstagen geplatzt. Im Dezember 2017 begann die Hauptverhandlung unter einem neuen Vorsitzenden erneut.

Das Oberlandesgericht Zweibrücken hatte in der vorvergangenen Woche angeordnet, den Haftbefehl für den Mann nach zweieinhalb Jahren Untersuchungshaft ohne Urteil aufzuheben. Das Gericht hatte betont, der 35-Jährige müsse nicht an jedem Tag teilnehmen.

Zuvor hatte das Bundesverfassungsgericht, an das sich der Mordverdächtige gewandt hatte, wegen der langen Verfahrensdauer die Überprüfung der Untersuchungshaft angeordnet.

Für den ersten Verhandlungstermin nach der Aufhebung des Haftbefehls waren die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Die Menschen standen bereits am Dienstagmorgen dicht an dicht im Vorraum des Gerichts und warteten auf Einlass. Bevor die Zeugen, Zuschauer und Journalisten das Gebäude betreten durften, wurden sie aber zunächst von Justizbeamten durchsucht. Auch während der Verhandlung waren zwei zusätzliche Polizisten im Gerichtssaal. Hintergrund ist, dass sich die Beteiligten im Prozessverlauf gegenseitig gedroht hatten.