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Urteil der Ersten Strafkammer
Mehrere Jahre Haft für Landstuhl-Räuber

 Auf diesem Bürgersteig in Krickenbach hatte im Februar ein blutender 43-Jähriger gelegen. Er entpuppte sich als einer der vier Männer, die kurz zuvor eine amerikanische Familie in Landstuhl überfallen hatten, um sie auszurauben. Der Mann erlag noch am Fundort seinen schweren Stichverletzungen.
Auf diesem Bürgersteig in Krickenbach hatte im Februar ein blutender 43-Jähriger gelegen. Er entpuppte sich als einer der vier Männer, die kurz zuvor eine amerikanische Familie in Landstuhl überfallen hatten, um sie auszurauben. Der Mann erlag noch am Fundort seinen schweren Stichverletzungen. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Zweibrücken/Landstuhl . Das Landgericht hat am Mittwochabend zwei Männer wegen versuchten gemeinschaftlichen Raubes zu mehrjähriger Haft verurteilt. Von Rainer Ulm

Sie hatten es auf den vermeintlich wertvollen Inhalt des Haustresors abgesehen: Zu viert waren die maskierten Männer am 10. Februar in das Haus einer fünfköpfigen amerikanischen Familie in Landstuhl eingedrungen, nachdem ihnen der 41-jährige Familienvater auf ihr Klingeln hin arglos die Tür geöffnet hatte. Drei der Angreifer konnte der 41-jährige Zivilbeschäftigte der US-Army sofort wieder aus dem Haus drängen. Den vierten Mann, der es bis ins Obergeschoss zu seiner Frau und den drei Kindern geschafft hatte, soll der Familienvater laut Ermittlungsakte kurz danach ebenfalls in die Flucht geschlagen und dabei mit einem Küchenmesser verletzt haben.

Am Mittwochabend hat nun die Erste Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken über zwei Männer des Räuber-Quartetts mehrjährige Haftstrafen wegen versuchten gemeinschaftlichen Raubes verhängt: Ein 33-jähriger Franzose, der bis zu seiner Inhaftierung in Darmstadt lebte, muss vier Jahre, ein 52-jähriger Deutscher vier Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

Unabhängig vom Ende dieses Verfahrens geht die bislang para­llel laufenden Hauptverhandlung gegen einen 62-jährigen Mittäter, den Bruder des jetzt verurteilten 52-Jährigen, weiter. Diese war von dem anderen Prozess abgetrennt worden, weil dem mehrfach einschlägig Vorbestraften – im Gegensatz zu den anderen beiden Männern – nach Einschätzung des Gerichts eine lange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung droht. Der 43-jährige vierte Täter, zugleich der jüngste Bruder des 62-Jährigen und des 52-Jährigen, war auf der Flucht an den Messerstichen gestorben, die ihm der überfallene Familienvater zugefügt hatte. Der Mann starb später auf einem Bürgersteig in Krickenbach, wo ihn seine drei Komplizen abgelegt hatten. Nur der jetzt verurteilte 52-Jährige war bei seinem sterbenden Bruder geblieben, nach Eintreffen der alarmierten Polizei sofort in Verdacht geraten, etwas mit dem Überfall im nahen Landstuhl zu tun zu haben, und festgenommen worden.



„Das Ganze ist gewaltig in die Hose gegangen – insbesondere, was ihrem Bruder widerfahren ist“, merkte, an den 52-jährigen Angeklagten gewandt, die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas in ihrer Urteilsbegründung an. Den Angeklagten „trifft dieser Verlust extrem“, was in der Strafzumessung berücksichtigt worden sei. Zudem spreche für ihn, dass er bei seinem sterbenden Bruder in Krickenbach geblieben sei – obwohl er davon ausgehen musste, dass die alarmierte Polizei bereits im Anmarsch war. Dieser Umstand habe sich genauso strafmildernd ausgewirkt wie seine Bereitschaft, die Tat „vollumfänglich“ zu gestehen und so der überfallenen Familie eine Aussage vor der Strafkammer zu ersparen. Letzteres gelte auch für den 33-Jährigen, der der Familie jüngst 1000 Euro als erste Schadenswiedergutmachung übersandt hatte. Allerdings gehe zu Lasten der beiden jetzt Verurteilten, dass sie bereits „in großem Maße strafrechtlich in Erscheinung getreten sind“, schränkte die Richterin ein. Und aus ihren Gefängnisstrafen hätten die beiden Männer offenbar nichts gelernt.

Davon zeigte sich auch Staatsanwalt Christian Horras in seinem Plädoyer überzeugt. Er listete 24 Einträge im Bundeszentralregister für den 52-Jährigen und fünf für den 33-Jährigen auf – darunter Straftaten wie Raub und versuchter Mord, wofür die beiden unabhängig voneinander bereits mehrere Jahre im Gefängnis saßen. Die aktuelle Tat „wird die Familie (in Landstuhl) für den Rest ihres Lebens verfolgen. Und der Vater muss auch verarbeiten, dass einer der Täter durch sein Handeln in Notwehr gestorben ist“. Er beantragte für den älteren fünf Jahre und für den jüngeren Angeklagten vier Jahre und sechs Monate Haft.

Der Hamburger Rechtsanwalt Philipp Götze, der den 52-Jährigen vertrat, hielt eine Haftstrafe von maximal zwei Jahren für seinen Mandanten für „vollkommen angemessen“. Vor allem deshalb, weil sein Mandant in die Vorbereitung des Überfalls in Landstuhl nicht eingebunden gewesen und der Raub „im Versuchsstadium hängengeblieben“ sei. Und der Darmstädter Rechtsanwalt Manfred Döring beantragte für den 33-Jährigen eine Strafe, die zwei Jahre und sechs Monate Haft „nicht übersteigen“ sollte, weil sein Mandant hauptsächlich „nur die Rolle des Fahrers“ gehabt habe. Die Tat seines drogenabhängigen Mandanten sei eine reine Beschaffungstat gewesen, sagte er. Zudem habe sein Mandant bereits freiwillig 1000 Euro an die überfallene Familie gezahlt.

In ihrem Schlusswort entschuldigten sich die beiden Angeklagten – insbesondere dafür, dass sie der überfallenen amerikanischen Familie großes Leid zugefügt hätten.

Während der 33-jährige Franzose aus Darmstadt das Urteil sofort annahm, behielt sich der 52-Jährige vor, Rechtsmittel einzulegen.