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Prozessauftakt in Zweibrücken
Wollte er Pirmasens mit 26 Kilo Marihuana beliefern?

Zweibrücken/Pirmasens. Prozessauftakt: Staatsanwalt wirft 46-Jährigem versuchten Handel mit Drogen in großer Menge vor. Von Rainer Ulm

„Ich brauche mir nichts dazuverdienen“, betonte der 46-jährige Angeklagte am Mittwoch in einer ersten Stellungnahme vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken. Sollte wohl heißen: Ich muss nicht kriminell werden, um mit meiner Familie über die Runden zu kommen, habe die mir vorgeworfenen Tat nicht begangen.

Gleichwohl hat Oberstaatsanwalt Thomas Lißmann dem Angeklagten zur Last gelegt, vom 17. bis 19. Dezember 2018 versucht zu haben, 26,3 Kilogramm Marihuana in die Bundesrepublik Deutschland einzuführen. Demnach soll der Angeklagte die Drogen in Barcelona erworben und hinter einer eingebauten doppelten Wand eines Kleintransporters verborgen haben, um sie von Spanien über Frankreich nach Deutschland zu bringen und dort weiterzuverkaufen. Doch der Kleintransporter, der von einem 58-jährigen Südwestpfälzer gesteuert worden sein soll, kam nur bis Frankreich. Dort geriet das Fahrzeug am 19. Dezember 2018 auf der Autobahn A 36 in eine Polizeikontrolle, bei der die Drogen entdeckt wurden. Der Angeklagte soll zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an Bord gewesen, sondern bereits in ein anderes Fahrzeug umgestiegen sein – auf dem Rückweg nach Pirmasens, wo er seit 2004 mit seinen Eltern, seiner Frau und seinen drei Kindern lebte. Dorthin soll auch die Drogenlieferung adressiert gewesen sein. Seither sitzt der mutmaßliche 58-jährige Mittäter in Frankreich in Haft, muss sich ebenfalls vor Gericht verantworten.

Er war es nach Informationen unserer Zeitung auch, der die Ermittler auf die Spur des 46-Jährigen brachte, indem er ihn als Adressat der Marihuana-Lieferung benannte.



Drogenhandel habe er gar nicht nötig, beteuerte der 46-Jährige, während er die von der Vorsitzenden Richterin Susanne Thomas eingeforderten Angaben zur Person machte. Er, ein gebürtiger Kosovare und ehemaliger serbischer Polizist, habe, seit er 1999 im Zuge des Kosovokrieges nach Deutschland, wie er sagte, „abgehauen“ war, dem Staat nie auf der Tasche gelegen („Ich wollte selbständig sein“). So habe er bei der Verbandsgemeinde Hauenstein, wo er zunächst untergekommen war, Aushilfsjobs erledigt, in Pirmasens in einer Import-Export-Firma und zehn Jahre in einem Sportwetten-Café in Kaiserslautern gearbeitet. Schließlich habe er als Kleingewerbler gebrauchte Autos nach Serbien verkauft. Dadurch habe er mit seiner Familie „ganz normal“ leben können – wenngleich auch „ohne Luxus“.

Der 46-Jährige, der die serbische und die kroatische Staatsbürgerschaft hat, ist als politisch verfolgter Asylbewerber anerkannt worden, wohnt nach eigenen Angaben seit Mai 2019 in Zweibrücken. Seine Eltern leben noch in Pirmasens.

Seine Verteidiger, die Rechtsanwälte Otmar Schaffarczyk aus Trier und Rainer Fuchs aus Pirmasens, wollen nun belegen, dass ihr Mandant schon vom Zeitablauf her gar nicht an dem Drogendeal beteiligt gewesen sein kann, wie sie am Rande der Verhandlung auf Nachfrage mitteilten. Zum Prozessstart erwirkten sie am Mittwoch zunächst einen Aufschub der Beweisaufnahme, um Einsicht in eine bislang unbekannte Akte, in der es um ein angebliches Telefonat zwischen dem 46-Jährigen und einem Drogendealer aus der Region gehen soll, nehmen und deren Inhalt mit ihrem Mandanten beraten zu können.

Die Verhandlung wird am 28. Januar, neun Uhr, fortgesetzt. Es sind fünf weitere Termine bis zum 31. März geplant.