| 23:37 Uhr

Land unter im Südwest-Saarland
Verheerende Schäden nach Gewitter-Nacht

Nach dem heftigen Unwetter räumen Anwohner und Helfer des THW den Ortskern von Kleinblittersdorf auf.
Nach dem heftigen Unwetter räumen Anwohner und Helfer des THW den Ortskern von Kleinblittersdorf auf. FOTO: BeckerBredel
Kleinblittersdorf. Land unter im Saarland: Besonders schwer traf das Unwetter den Raum Kleinblittersdorf. Auch in Rheinland-Pfalz gab es neue Schäden. Von Dimitri Taube, Matthias Zimmermann, Antonia Saar und Heiko Lehmann

An Schlaf ist in der Nacht auf Freitag für viele Saarländer nicht zu denken. Schon gar nicht für Feuerwehrleute. Seit Mitternacht sind sie im Einsatz, pausenlos, einige bis zu 13 Stunden lang. Auch Polizei, Technisches Hilfswerk (THW) und Deutsches Rotes Kreuz (DRK) sind unterwegs. Der Grund: Starke Gewitterregen sorgen für schwere Schäden im Südwest-Saarland. Besonders betroffen sind die Menschen in Kleinblittersdorf, Bliesransbach, St. Ingbert und in Blieskastel.

Bei der Polizei gehen landesweit rund 500 Notrufe ein, 400 weitere registriert die Feuerwehr. Im Bereich Bliesransbach und Kleinblittersdorf sind 240 Einsatzkräfte aktiv, zum Teil auch noch am Freitagnachmittag. Mehr als 100 Mal müssen sie ausrücken. Es gibt überschwemmte Straßen, unterspülte Häuser und wegschwimmende Autos. Viele Keller laufen voll. Bäume stürzen um. Eine Schlammlawine beschädigt Gebäude und Autos. Geröll bedeckt die Fahrbahnen. Mehrere Heizöltanks laufen aus.

„Ich habe heute Nacht gesehen, wie das Wasser gekommen ist. Das war wie im Film. Ich musste meine Mutter aus dem Erdgeschoss in die erste Etage holen. Fünf Minuten später stand die Wohnung unter Wasser“, schildert Uwe Quack aus Kleinblittersdorf seine Eindrücke. Er ist einer von vielen, die am Freitag mit anpacken.



In Kleinblittersdorf gibt es zwei Verletzte: Ein Autofahrer ignoriert eine Absperrung und fährt einen Anwohner an. Außerdem verletzt sich ein Feuerwehrmann bei einem Sturz. Retten müssen die Einsatzkräfte aber nicht nur Menschen, sondern auch Tiere, beispielsweise rund 50 Pferde von einer überfluteten Koppel bei Bliesransbach. Doch nicht alle Pferde schaffen es, eines stirbt.

Es herrscht Ausnahmezustand. Mancherorts ist es unmöglich, vorwärts zu kommen. Wegen eines Erdrutsches muss die B 51 zwischen Auersmacher und der Landesgrenze gesperrt werden. In Bliesransbach stürzt die Brücke über den Ransbach ein, als ein Pickup drüber fährt. Und der Saarbahn-Betrieb zwischen Kleinblittersdorf und Saargemünd ist am Freitag wegen unterspülter Strecke eingestellt.

Es gibt Gegenden, da sieht es aus wie nach einem Erdbeben. So auch an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Saarland Heilstätten GmbH (SHG) in Kleinblittersdorf. Weil die Technik versagt und Keller überflutet sind, muss das Gebäude geräumt werden. Notfälle werden an diesem Wochenende in den SHG-Kliniken Sonnenberg versorgt. 

Auch in St. Ingbert sind die Rettungskräfte im Dauereinsatz. Hier sind es rund 160. Schwerpunkt ist die Innenstadt. Wie die Polizei mitteilt, fallen binnen kurzer Zeit mindestens 50 Liter Regen pro Quadratmeter. In einigen Straßen steigt das Wasser mehr als einen Meter an. Die Tiefgarage unter dem Tedi-Gebäude in der Innenstadt läuft voll.

In Bübingen bringt die Feuerwehr derweil sieben Menschen mit dem Schlauchboot in Sicherheit. In Schafbrücke wird ein in den Wassermassen feststeckender Autofahrer vom Dach seines Wagens gerettet. 

Das Unwetter brachte auch im Großraum Trier von Saarburg über die Eifel und dem Hunsrück bis zur Mosel, in der Vorder- und Südpfalz neue Schäden. „Es war ein Gewitter mit heftigen Folgen“ für etliche Gemeinden, sagte eine Sprecherin der Polizei in Trier.

In Saarburg in Rheinland-Pfalz gab es „einen Schlammabgang“ aus den Weinbergen und um Bitburg mehrere Erdrutsche. Unzählige vollgelaufene Keller wurden rund um Idar-Oberstein und Baumholder sowie in und um Neustadt/Weinstraße und Landau gemeldet. „In Annweiler sind auch ein Supermarkt und ein Museum betroffen“, sagte ein Sprecher der Polizei Ludwigshafen. 

Halb begraben von Schlammlawinen in der Garageneinfahrt wurde dieses Auto in Kleinblittersdorf. 240 Einsatzkräfte mussten in dem Ort anrücken.
Halb begraben von Schlammlawinen in der Garageneinfahrt wurde dieses Auto in Kleinblittersdorf. 240 Einsatzkräfte mussten in dem Ort anrücken. FOTO: Pascal Blum
Ein Bild des Schreckens: Land unter herrschte in der Nacht im Ortskern von Kleinblittersdorf.
Ein Bild des Schreckens: Land unter herrschte in der Nacht im Ortskern von Kleinblittersdorf. FOTO: BeckerBredel
Verletzt wurden diese Pferde in Bliesransbach, nachdem sie in Panik ausgebüxt waren.
Verletzt wurden diese Pferde in Bliesransbach, nachdem sie in Panik ausgebüxt waren. FOTO: BeckerBredel