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Vergewaltigungsprozess im Landgericht Zweibrücken
Gutachterin und Ex-Freundin widerlegen Angeklagten-Aussage

Zweibrücken/Pirmasens. Der Prozess im Landgericht Zweibrücken gegen drei Pirmasenser, die gemeinsam eine 17-Jährige vergewaltigt haben sollen, ging am Donnerstag weiter. Von Rainer Ulm

Also doch! Eine Sachverständige des Landeskriminalamtes (LKA) in Mainz hat am Donnerstag die Aussage eines der drei wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung angeklagten Männer widerlegt. Der 40-Jährige hatte zu Beginn der Hauptverhandlung vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken behauptet, nicht er, sondern die damals 17-Jährige hätte ihn verführen wollen, ihm dazu die Hose heruntergezogen, auf eine Couch geschupst und sich schließlich auf ihn geschwungen. Er habe dann aber gerade noch so verhindern können, dass es zum Geschlechtsakt gekommen sei. Nun sagte die 34-jährige LKA-Biologin, während der DNA-Analyse der sichergestellten Bekleidungsstücke und der nach der mutmaßlichen Vergewaltigung genommenen Abstriche auch im Intimbereich der Geschädigten seien unter anderem Spuren vom Sperma des 40-Jährigen als auch des 19-jährigen nun Mitangeklagten gefunden worden. Im Gegensatz zu dem 40-Jährigen hatte der 19-Jährige den Sex mit der jungen Frau allerdings von Anfang an eingeräumt, er sei aber einvernehmlich gewesen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern und einem weiteren 21-jährigen Angeklagten vor, am Pfingstwochenende in einer Wohnung in der Pirmasenser Schanzenstraße eine damals 17-jährige Pforzheimerin vergewaltigt zu haben. Dabei sollen die 40- und 19-Jährigen laut Anklage den Beischlaf vollzogen und der 21-Jährige die junge Frau dabei festgehalten haben.

Am Donnerstag wurde auch eine ehemalige Freundin des 40-Jährigen befragt, die mit dem nun Angeklagten, wie sie aussagte, „zwei Tage bevor das (die mutmaßliche Vergewaltigung) passiert ist“ Sex gehabt haben will. Die Frage des Gerichts, ob sie den Mann dabei gekratzt habe, verneinte die 35-Jährige. In diesem Zusammenhang inspizierte das Gericht sogar die (kurzen) Fingernägel der Zeugin. Anlass für diese „Nagelprobe“ war offenbar die frühere Behauptung des 40-Jährigen, die von der Polizei bei ihm nach der mutmaßlichen Vergewaltigung festgestellten Kratzer an seinem Körper rührten vom jüngsten Sex mit seiner Freundin her. Diese Möglichkeit schloss die 35-Jährige, die sich nach eigenen Angaben inzwischen von dem Mann getrennt hat, in ihrer Aussage jedoch aus.



Offenbar hatte das damals 17-jährige mutmaßliche Vergewaltigungsopfer bereits im vergangenen Jahr einen sexuellen Übergriff verkraften müssen. Zumindest habe sie ihm in einem Gespräch erzählt, von einem Bekannten missbraucht worden zu sein, berichtete am Donnerstag ein Heimerzieher dem Gericht. Der 45-Jährige hatte die junge Frau bis in den Februar hinein drei Jahre lang in seiner Pirmasenser Jugendhilfeeinrichtung betreut. Er habe ihr damals empfohlen, Anzeige zu erstatten, worauf sie jedoch aus Scham verzichtet hätte. Die junge Frau sei ein „liebevoller Mensch“, aber auch „naiv und leichtgläubig“. Sie schließe schnell Freundschaften, gerate dabei oft an die falschen Leute – oft an „Jungs“, die gewalttätig, alkohol- und drogenabhängig seien, sagte der Heimerzieher aus. War sie vielleicht auch an jenem Pfingstwochenende an die falschen Leute geraten?

Die Verhandlung wird am Montag, 9. Dezember, 9.30 Uhr, fortgesetzt.