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Gewalttat angekündigt
Vergewaltiger kündigte Tat im Gefängnis an

Der Haupteingang zur Justizvollzugsanstalt Diez: In der JVA soll ein Häftling seine Ehefrau in einem Besucherraum vergewaltigt haben.
Der Haupteingang zur Justizvollzugsanstalt Diez: In der JVA soll ein Häftling seine Ehefrau in einem Besucherraum vergewaltigt haben. FOTO: Thomas Frey / dpa
Diez. Ein verurteilter Mörder soll im Gefängnis in Diez seine Ehefrau vor Kindern vergewaltigt haben. Laut einem SWR-Bericht könnten die Mitarbeiter vorgewarnt gewesen sein.

Der inhaftierte mutmaßliche Vergewaltiger seiner ihn besuchenden Ehefrau im Gefängnis in Diez hat nach SWR-Recherchen womöglich schon zuvor eine Gewalttat angekündigt. Damit wären Mitarbeiter und Mitgefangene vorgewarnt gewesen. Das teilte der Sender gestern mit. Der wegen Mordes verurteilte Gefangene soll am 2. November 2017 in der Spielecke des Gefängnis-Besuchsraums seine Frau mit einer Scherbe und dem Kopf eines Einwegrasierers verletzt und vergewaltigt haben – im Beisein ihrer zwei kleinen Kinder.

Ein Mitgefangener schrieb dem SWR nach dessen Angaben: „Im Vorfeld hatte er in einer Gruppe mit der zuständigen Sozialarbeiterin angekündigt, seine Frau „weg zu machen“, wenn sie sich von ihm trennt. Trotz Anrufs der Frau des Gefangenen bei der Sozialarbeiterin wurde diese (die Ehefrau) ermuntert, das letzte finale Gespräch mit ihrem Mann am offenen Tisch zu führen.“ Zudem seien vier bis sechs Wochen vor der Vergewaltigung die gleichen Tatwerkzeuge in der Herrentoilette des Besucherraums gefunden worden.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz bestätigte dem SWR und der Deutschen Presse-Agentur die Aussage eines Mitgefangenen, er habe von einer Äußerung des Beschuldigten gehört, wonach dieser sich an seiner Frau im Falle einer Trennung rächen werde. Weitere Details habe der als Zeuge vernommene Mitgefangene aber auch auf Nachfrage nicht genannt. Die Staatsanwaltschaft teilte weiter mit: „Es trifft zu, dass bereits einige Wochen vor der Tat ähnliche Gegenstände in einer Toilette aufgefunden und sichergestellt worden sind.“ Hier gebe es aber keine belastbaren Hinweise für einen Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Vergewaltiger und der Tat.



Die Gefängnisleitung war vorerst nicht zu erreichen, wollte sich aber laut SWR wegen der noch laufenden Ermittlungen auch nicht äußern.

Ein anderer Gefangener schrieb laut SWR: „Es ist hier allen bekannt, dass der Täter wohl sieben bis zehn Tage vor dem Vorfall seine Frau massiv am Telefon bedroht hat, worauf die Geschädigte hier in der Justizvollzugsanstalt Diez angerufen und über die Bedrohung des Noch-Ehemanns berichtet hat.“ Die Staatsanwaltschaft fand dafür aber nach eigener Aussage keine Anhaltspunkte. Die Ehefrau habe bekundet, sie sei nicht telefonisch vor der Tat bedroht worden.

Der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin (FDP) hatte im November im Mainzer Landtag berichtet, vor der Vergewaltigung habe es keine Hinweise darauf gegeben, dass von dem Gefangenen eine Gefahr für seine Frau und die beiden Stiefkinder ausgehen könnte. Nur dann hätte ein Besuch verboten werden können. Frühere Treffen mit der Familie seien problemlos verlaufen.

Der Gefangene war dennoch schon früher wiederholt auffällig geworden. Mertin nannte Ende 2017 in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion den Konsum von selbst angesetztem Alkohol, den unerlaubten Besitz eines Handys, die Verschickung eines Pornofotos und die Bedrohung eines Mitgefangenen.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt auch gegen drei Gefängnisbeamte wegen mutmaßlich ungenügender Untersuchung des Beschuldigten vor dem Besuch seiner Ehefrau. Oberstaatsanwalt Rolf Wissen teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, die Anwälte dieser Bediensteten hätten ein strafrechtlich relevantes Verhalten verneint.

In den Verfahren gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger und die drei Gefängnisbeamte wird laut Wissen nun geprüft, „ob noch weitere Ermittlungen erforderlich sind oder ob die Ermittlungen abgeschlossen werden können“.

(dpa)