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Uranerz
Umstrittene Ladung rollt durch Rheinland-Pfalz

 Angereichertes Uran kann für die Energiegewinnung in Atomkraftwerken, wie hier Cattenom in Frankreich, genutzt werden.
Angereichertes Uran kann für die Energiegewinnung in Atomkraftwerken, wie hier Cattenom in Frankreich, genutzt werden. FOTO: dpa / Christophe Karaba
Mainz. Jedes Jahr fahren Container mit Uranerz durch Rheinland-Pfalz. Es ist der Ausgangsstoff für eine Energiegewinnung in Kernkraftwerken.

Immer wieder rollen durch Rheinland-Pfalz Züge mit einer umstrittenen Ladung: Uranerz. Im vergangenen Jahr seien es 23 Transporte gewesen, erklärte das Umweltministerium in Mainz. Im Jahr davor habe es rund 20 gegeben.

Das Erz hat, wenn es das Land erreicht, bereits einen längeren Weg hinter sich. Die klassische Transportroute verlaufe vom Hamburger Hafen aus über das östliche Ruhrgebiet und dann nach Köln. Innerhalb von Rheinland-Pfalz gelange das Erz über Koblenz nach Trier und rolle dann schließlich bis zum Grenzübergang beim saarländischen Perl. Vor dort aus werde es nach Frankreich zur Anreicherung gebracht.

Denn nur angereichertes Uran kann für die Energiegewinnung in Atomkraftwerken genutzt werden. Das hängt mit den Eigenschaften des Elements zusammen. Uran komme in der Natur in zwei Varianten vor, sogenannte Isotopen, die sich durch ihre Masse voneinander unterschieden, sagte Tobias Reich vom Institut für Kernchemie der Universität Mainz.



Für die Energiegewinnung im Kernkraftwerk werde nur das leichtere Uran-235 gebraucht. „Mit Natur-Uran, wenn man das nehmen und daraus Brennelemente herstellen würde, würde es nicht funktionieren.“ Denn der Anteil von Uran-235 von unter einem Prozent im Natur-Uran sei dafür zu gering. Der Anteil müsse daher in einem komplexen Verfahren erhöht oder angereichert werden. Das angereicherte Uran werde dann später im Reaktor gespalten, wobei Energie frei gesetzt wird.

Der Uran-Abbau ist ebenso umstritten wie die Transporte. Aktivisten von „ContrAtom“ kritisieren unter anderem, durch die Gewinnung von Uran werde viel radioaktive Strahlung frei, durch die Arbeiter erkrankten. Außerdem werde die Umwelt zerstört.

Tatsächlich kann Uran laut Reich gesundheitliche Schäden verursachen, wenn es mit der Nahrung oder über die Luft aufgenommen wird. Denn Uran gebe beim Zerfall Gamma-Strahlung und sogenannte Alphateilchen ab. „Wenn so ein Alphateilchen auf Gewebe trifft, kann das die Zellen zerstören und Schäden an der DNA hervorrufen.“

Neben dem Abbau ist der Naturschutzorganisation Robin Wood zufolge auf der Uranerz-Transport gefährlich. „Weil diese Transporte manchmal länger an einem Ort stehen. Dadurch können Menschen verstrahlt werden“, sagte die Robin Wood-Aktivistin Cécile Lecomte. Zudem würden immer wieder zusammen mit dem Erz noch andere Gefahrengüter in den Zügen transportiert, was eine zusätzliche Gefahr bei einem möglichen Unfall bedeute.

Dem Bundesumweltministerium zufolge bestehen die Transportbehälter für Uranerz oft aus Stahl, der einen Teil der Strahlung zurückhält. „Da die Versandstücke jedoch wiederum in Containern verladen werden, schirmt die Kombination den überwiegenden Teil der Strahlung ab.“ Bei Kontrollen würden regelmäßig Strahlungswerte weit unterhalb der für den Gefahrguttransport zulässigen Grenzen gemessen.

Die Verpackung des Urans schütze auch bei einem möglichen Unfall vor der Strahlung. „Eine Entgleisung, wie sie zum Beispiel im Rangierbetrieb auftreten kann, überstehen die Versandstücke.“ Außerdem seien dem Ministerium bislang keine Unfälle von Uranerz-Transporten bekannt.

(dpa)