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Raub-Prozess am Landgericht Zweibrücken
Ex-Bewährungshelfer: Angeklagter war „beratungsresistent“

 Vor dem Landgericht sagte am Donnerstag der frühere Bewährungshelfer des Angeklagten aus. Er ließ kein gutes Haar an dem Mann, der immer wieder straffällig geworden ist.
Vor dem Landgericht sagte am Donnerstag der frühere Bewährungshelfer des Angeklagten aus. Er ließ kein gutes Haar an dem Mann, der immer wieder straffällig geworden ist. FOTO: Mathias Schneck
Zweibrücken/Landstuhl. Amerikanische Familie in Landstuhl überfallen: Der Raub-Prozess am Landgericht Zweibrücken gegen einen offenbar notorischen Straftäter geht weiter. Von Rainer Ulm

Mit der Vernehmung eines früheren Bewährungshelfers des 62-jährigen Angeklagten ist der Prozess um den versuchten Raub im Haus einer amerikanischen Familie in Landstuhl am Donnerstag weitergegangen. Der schwer kranke und deshalb reiseunfähige 63-jährige Bewährungshelfer war dafür extra über eine Video-Konferenz-Anlage im Landgericht Hannover zur laufenden Verhandlung der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken zugeschaltet worden.

Der inzwischen pensionierte Bewährungshelfer ließ kein gutes Haar an dem Angeklagten. Er hatte den heute 62-Jährigen bis Mai 2016 in Hildesheim, dessen damaligem Aufenthaltsort,  unter anderem nach einer langjährigen Haftstrafe wegen schweren gemeinschaftlichen Raubes im Jahr 2006 betreut. Er sei „beratungsresistent“ gewesen und immer wieder rückfällig geworden – und sei es „nur“ in Sachen „Fahren ohne Fahrerlaubnis unter Drogeneinfluss“, wofür er gleich mehrmals hintereinander verurteilt worden war, berichtete der frühere Bewährungshelfer. Auch habe der Verurteilte damals die ihm für die Bewährungszeit auferlegten Arbeitsstunden oft nicht geleistet und Krankheit vorgeschützt, ohne ein Attest vorzulegen. Die Bilanz des ehemaligen Bewährungshelfers: „Es war kein angenehmer Fall.“

Und offensichtlich haben die diversen Verurteilungen und die langjährigen Haftstrafen den Angeklagten nicht dazu bewegen können, den kriminellen Pfad zu verlassen. Deshalb war das aktuelle Verfahren gegen den 62-Jährigen von der nun para­llel laufenden Hauptverhandlung gegen zwei seiner Mittäter (ein 52-jähriger Bruder des Angeklagten und ein 33-jähriger Franzose aus Darmstadt) abgetrennt worden, weil dem mehrfach einschlägig Vorbestraften – im Gegensatz zu den anderen – nach Einschätzung des Gerichts wiederum eine lange Haftstrafe droht, diesmal aber mit anschließender Sicherungsverwahrung. Vor allem, weil seine bislang letzte Verurteilung wegen einer ähnlichen Tat noch gar nicht so lange zurückliegt: Am 29. Juni 2016 bekam er eine Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten aufgebrummt, weil er und ein Komplize die Volkshochschule in Kaiserslautern überfallen, einen aus der Wand gerissenen Tresor und eine Geldkassette mitgehen lassen hatten. Trotzdem wurde ein Teil der Haftstrafe später zur Bewährung ausgesetzt, er kam frei – um wenig später, am 10. April, gemeinsam mit drei Komplizen in das Wohnhaus der amerikanischen Familie in Landstuhl einzufallen.



An jenem Abend hatten der 62-Jährige, seine beiden 43- und 52-jährigen Brüder und ein 33-jähriger Franzose aus Darmstadt an der Eingangstür des Wohnhauses der amerikanischen Familie geklingelt, woraufhin der 41-jährige Vater öffnete und das maskierte Quartett hereinstürmte. Während es dem Zivilbeschäftigten der US-Army noch gelang, drei der Angreifer sofort wieder hinauszudrängen, schaffte es der 43-Jährige ins Obergeschoss, wo sich die Ehefrau und die drei Kinder aufhielten. Der Familienvater folgte ihm mit einem Messer, das er zuvor aus der Küche geholt hatte. Im Obergeschoss angekommen, stach er dem Mann aus Notwehr in den Rücken, als der 43-Jährige gerade die Ehefrau würgte, so der Ermittlungsstand. Daraufhin ließ der Angreifer von ihr ab. Der 43-Jährige, der jüngste Bruder des 62-jährigen Angeklagten, erlag später während der Flucht auf einem Bürgersteig in Krickenbach, wo ihn seine drei Komplitzen abgelegt hatten, seiner schweren Stichverletzung.

 Die Verhandlung gegen den 62-Jährigen wird am 16. Dezember, 14 Uhr, fortgesetzt.