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Rieschweiler-Mühlbach
Wie Schilf der Kläranlage hilft

 Klärmeister Peter Broschart gibt die Richtung zum Erkennen der Standrohre an, über die der Klärschlamm, wenn notwendig, in die Becken gepumpt wird.
Klärmeister Peter Broschart gibt die Richtung zum Erkennen der Standrohre an, über die der Klärschlamm, wenn notwendig, in die Becken gepumpt wird. FOTO: Norbert Schwarz
Rieschweiler-Mühlbach. Seit fünf Jahren ist die Klärschlammvererdungsanlage in Rieschweiler-Mühlbach in Betrieb. Von Norbert Schwarz

Auf einer fast 2 Hektar große Fläche oberhalb des Neubaugebietes „Im Flur“ am Ortseingang von Rieschweiler-Mühlbach betreibt das Kanalwerk der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben in drei großen Becken eine Klärschlammvererdungsanlage. 1,2 Millionen Euro wurden investiert. Werkleiter Joachim Becker bescheinigte in der jüngsten Werksausschusssitzung der Klärschlammvererdungsanlage eine gute Funktionalität.

Zufrieden ist auch Klärmeister Peter Broschart mit dem Betrieb der seit nunmehr fünf Jahren funktionsfähigen Vererdungsanlage. Die anfänglich 26 500 Schilfpflanzen haben sich vermehrt und entziehen mit ihrem Wurzelwerk dem Klärschlamm die Feuchtigkeit. Das verbleibende Schmutzwasser fließt wiederum der im Tal gelegenen Großkläranlage bei Rieschweiler-Mühlbach zu und gelangt dort in den obligatorischen Säuberungskreislauf.

Die Abwässer aus Rieschweiler-Mühlbach, Thaleischweiler, Höhfröschen, Maßweiler und Nünschweiler werden in der großen Gruppenkläranlage gereinigt. Mittels Druckleitung wird von der Kläranlage der flüssige Schlamm hochgepumpt. Gut 75 bis 80 Meter Höhenunterschied sind dabei zu überwinden. Die Steuerung erfolgt elektronisch, das Pumpen der Schlammfracht in die drei Becken von gleicher Größe ebenso. Entsprechend der Jahreszeit ist das Schilf graubraun. Mit dicker Gummifolie sind die Becken, die fast die Größe eines Fußballplatzes haben, ausgeschlagen. Bis zur oberen Kante ist noch jede Menge Luft. „Gut so“, meint Klärmeister Peter Broschart mit einem breiten Grinsen im Gesicht, „denn dann kommen wir bestimmt über das im Augenblick fixierte Jahre 2026/27 hinaus“.



Das wird im Augenblick nämlich als Zeitpunkt dafür angenommen, dass die Vererdungsbecken teilweise, bis nahe der untersten Wurzelschicht des Schilfbestandes abgetragen werden können. Zu diesem Zweck wird der Frontteil des Beckendamms geöffnet, mit Bagger das Erdreich herausgenommen. Auf ganz natürlichem Wege, ohne chemische Zusätze, allein mit der Kraft des Wurzelwerks des Schilfbestandes wird die Reinigung des Klärschlamms vorgenommen.

Dabei verzichten die Werke keineswegs auf „Hightec“ und technisches „Know-how“ wie Peter Broschart im Gespräch einfließen lässt und dabei nahe dem großen Eingangstor die blecherne Tür des großen Schaltschrankes dort öffnet. Eine Glasfaserleitung ermöglicht, den Situationsbetrieb zu analysieren und notfalls zu steuern.

Bereits bei der Grundsteinlegung vor fünf Jahren hatte Verbandsbürgermeister Thomas Peifer  von einer zukunftsweisenden Investition der Verbandsgemeindewerke gesprochen, die das Land mit einem zinslosen Darlehen in Höhe von 400 000 Euro fördert. Planstudien und Wirtschaftlichkeits-Berechnungen gingen damals der Auftragsvergabe voraus. Sorgen der Bürger aus dem darunterliegenden Neubaugebiet „Im Flur“, es könnte zu Geruchsbelästigungen kommen, bewahrheiteten sich gleichfalls nicht. Die Firma Eko-Plant aus dem hessischen Neu-Eichenberg realisierte zum Pauschalpreis von 1,2 Millionen Euro das Projekt. 16 700 Kubikmeter Klärschlamm können die drei Becken jährlich aufnehmen. Drei Standrohre gibt es in jedem Becken, das ungeübte Betrachterauge kann sie im Schilfdickicht nicht auf Anhieb ausmachen. Alle drei Becken sind voll abgeschottet, nichts vom Schlamm kann ungereinigt ins Erdreich gelangen. Die Schilfwurzelschichten mit den dort lebenden Mikroorganismen sorgen längst dafür, dass zusammen mit der Sonne am Schluss nur noch abbaubarer Klärschlamm übrig bleibt.