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Österliche Brauchtumspflege
Junge Katholiken im Klepper-Stress

 Klepperkinder sind in den Tagen vor Ostern in vielen Orten unterwegs, in denen überwiegend Katholiken leben. In Knopp waren am Donnerstagmittag 16 Kinder unterwegs und ließen ihre Ratschen ertönen. Damit ersetzen sie die Glocken, die seit Gründonnerstag verstummt sind.
Klepperkinder sind in den Tagen vor Ostern in vielen Orten unterwegs, in denen überwiegend Katholiken leben. In Knopp waren am Donnerstagmittag 16 Kinder unterwegs und ließen ihre Ratschen ertönen. Damit ersetzen sie die Glocken, die seit Gründonnerstag verstummt sind. FOTO: Norbert Schwarz
Knopp-Labach/Martinshöhe. Für den alten Brauch gilt es früh aufzustehen, doch die Mühe lohnt sich. Von Norbert Schwarz

Bis zu 20 Kinder und Jugendliche ziehen in den Tagen vor Ostern in Knopp durch die Dorfstraßen. Sie haben Holzratschen und machen damit Höllenlärm. Zwingend notwendig, denn die Ratschen- oder Raspelbediener ersetzen traditionell den Glockenklang in der Zeit von Gründonnerstag bis zur Osternacht am Samstag. In Ortschaften mit überwiegend katholischer Bevölkerung, wie beispielsweise in Knopp, ist dieser Brauch seit Menschengedenken lebendig. Die Ratschen werden oftmals „vererbt“. Die Holzkleppern fehlen in Knopp, deshalb wird auch „geraschpelt“.

Bräuche verlieren oftmals an Zugkraft. Davon bilden kirchliche Bräuche überhaupt keine Ausnahme. Das Kleppern von Gründonnerstag an bis zur Osternachtsfeier an Karsamstag ist in vielen Ortschaften mit lebendigen Kirchengemeinden jedoch weiterhin sehr lebendig. Zu solchen Ortschaften etwa zählt Knopp, wo sich viele engagierte Mütter und Väter auch um den Erhalt des Klepperns kümmern. Zur Freude übrigens der gesamten Bevölkerung, wie die Spendensummen, die an Karsamstag von den Kindern eingesammelt werden, Jahr für Jahr beweisen.

Etwas Stress bedeutet das Kleppern oder Raschpele, wie die Knopper Kinder und Jugendliche den Umgang mit den Holzratschen bezeichnen, ist das schon, denn in aller Frühe müssen die Kleinen dann schon auf den Beinen sein. Für den 17-jährigen Felix Gries aus Knopp-Labach allerdings kein Problem. Zusammen mit Bruder Paul sind sie seit vielen Jahren dabei. Morgens um sechs Uhr, wenn normalerweise die Glocken zum Morgengebet läuten, sind sie zur Stelle und achten als „Dienstälteste“ inzwischen darauf, dass alles seine Ordnung hat. Paula Schneider schickt sich inzwischen an, in deren Fußstapfen zu treten. Sie zählt auch bereits zu den Größeren. Für Felix ist es in diesem Jahr eine Abschiedstour, denn in zwei Jahren steht das Abitur an, dann heißt es schon jetzt tüchtig für dieses Ziel zu lernen.



Dreimal am Tag ist der „Glockenersatz“ auf den Beinen unterwegs durch den Heimatort. Am Samstag dann nochmals zwischendurch mit einer Sammeltour. Zwei Spendenkassen werden dann mitgeführt. Eine für den Messdienerdienst und eine für die „Raschpelkinner“. Die bekommen oftmals neben der Geldspende auch noch Süßigkeiten oder Eier. Das wird alles in bare Münze umgesetzt und zum Schluss verteilt.

Bei den Raspelkindern können selbst die Kleinsten meist mit einem Zwanziger oder gar 30 Euro rechnen.

Auch in der großen Nachbargemeinde Martinshöhe auf der Sickinger Höhe haben in dieser vorösterlichen Zeit die Klepperkinder „Hochkonjunktur“. Auch hier werden die Gläubigen ans Beten oder rufen sie zum Gottesdienst erinnert, weil in der Karwoche, so wird im Volksmund erzählt, die Glocken nach Rom „geflogen“ sind, um dort um „Rahmsuppe“ zu speisen.

Auch hier in Martinshöhe sind alle im Ort froh darüber, dass sich noch immer recht viele junge Leute für diese kirchliche Brauchtumspflege zur Verfügung stellen. Wenngleich im Gespräch mit Verantwortlichen die Sorge offenkundig wird, dass auch dieser Brauch schneller als gedacht ein Ende haben könnte. „Die Kirchgänger werden weniger, folglich kommen auch weniger Ministranten neu hinzu. Eingeladen für die Brauchtumspflege waren wie jedes Jahr auch die Kommunionkinder. Nicht alle kamen.

Weil Martinshöhe als Ort doch größer als die Nachbargemeinde Knopp-Labach, nehmen die Klepperkinder von Martinshöhe noch ein gemeinsames Frühstück nach dem Rundgang durch den großen Ort ein. Die Ratschen und Kleppern sind den jeweiligen „Klepperkindern“ als Lärminstrument oftmals fast schon „heilig“ und werden nicht selten im Familienbesitz weiter vererbt, wie Francesco Basile stolz berichtet. Als engagierter Ministrant „ererbte“ Francesco sein Lärmwerkzeug von der Tante Viktoria, die die alte Holzklepper von einem Onkel bekommen hatte.