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Weiter Diskussionen um Renaturierung
Wallhalbens unendliche Geschichte

Diese Brücke führt zum Stuhlbachtal hin. Sie muss erneuert werden. Aus den ursprünglichen Erneuerungskosten von 7500 Euro sind jetzt rund 30 000 Euro geworden – wegen der Auflagen.
Diese Brücke führt zum Stuhlbachtal hin. Sie muss erneuert werden. Aus den ursprünglichen Erneuerungskosten von 7500 Euro sind jetzt rund 30 000 Euro geworden – wegen der Auflagen. FOTO: Norbert Schwarz
Wallhalben. Seit Jahren ist die Renaturierung des Stuhlbachtals ein Thema. Ortsbürgermeister Berthold Martin ärgern die vielen Auflagen. Von Norbert Schwarz

Seit Jahren thematisiert, im letzten Jahr schon mit den Arbeiten begonnen und dieses Jahr soll zumindest vorerst ein Schlusspunkt gesetzt werden: Die Renaturierung des Stuhlbachtals in Wallhalben. Im letzten Herbst bereits fällten Facharbeiter die ersten Bäume entlang des Stuhlbachs. Sobald es die Witterung zulässt soll mit schwerem Arbeitsgerät die Grundlage dafür geschaffen werden, dass das Fließgewässer sich wieder ausbreiten kann, die Bachmäandrierung ist das Thema.

„Im Grundsatz sind wir uns einig, wir haben ja auch schon Fördermittel für das Projekt bekommen. Jetzt allerdings gibt es erneuten Gesprächsbedarf. Die Kosten für das Projekt sind zu hoch, ob die 200 000 Euro reichen, ist fraglich. Haltbar ist diese Summe auf jeden Fall dann nicht, wenn wir noch mehr Bauabschnitte bekommen, und deshalb wollen wir nochmals mit den Verantwortlichen bei der Landespflegebehörde und dem Naturschutz bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz reden“, sagt Ortsbürgermeister Berthold Martin, der das Projekt sowieso als „unendliche Geschichte“ bezeichnet. Tatsache ist und bleibt, die Ortsgemeinde Wallhalben hatte die wasserrechtliche Genehmigung zu dem schon so oft zitierten Landschaftsweiher mit großer Wasserfläche. Ihre Umsetzung scheiterte zunächst an Kosten und dem Zögern der Gemeinde, den aktiven Landschafts- und Naturschutz noch mehr in den Vordergrund zu bringen, wie das vielleicht mit dem Landschaftsweiher hätte geschehen können. „Wir wollen die Frage überhaupt nicht vertiefen, ob es nicht doch falsch gewesen ist, diese Baugenehmigung rechtlich verstreichen zu lassen. Mit dem Weiher hätten wir heute bestimmt den Anfang zu einer touristischen Attraktion. Doch das ist Vergangenheit, jetzt müssen wir die Dinge bewältigen, und in diesem Jahr muss es unter die unendliche Geschichte der Renaturierung des Stuhlbachtals einen Schlusspunkt geben. Daran führt einfach kein Weg vorbei.“ Die Forderungen vorgesetzter Behörden und Stellen nach weiteren Gutachten, Konzepten und sonstigen Auflagen will der Ortsbürgermeister einfach nicht mehr hören, nicht mehr erfüllen. Martin: „Wir mussten eine Brücke am Anfang des Renaturierungsgeländes erneuern. Ein hölzerner Steg. Die Erneuerungskosten waren auf höchstens 7500 Euro veranschlagt. Konnte nicht sein. Auflagen, neue Berechnungen, Statiken und der Dinge mehr. Jetzt müssen wir dieses Projekt Brückenerneuerung im Gemeindehaushalt mit rund 30 000 Euro finanzieren. Da muss man sich doch ganz einfach fragen, ob das noch normal ist, ob man die Gemeinden derart gängeln kann“, bringt der Ortsbürgermeister seinen Unmut zum Ausdruck.

Das Fällen von Uferrandbäumen ist im letzten Herbst der Auftakt zur Renaturierung des Stuhlbachtals gewesen. Das Planungsbüro ISA aus Heltersberg ist auch mit der Umsetzung beauftragt. Überhaupt nicht ins Konzept passen die gegenwärtigen Niederschläge. „Dauerfrost wäre das, was wir jetzt bräuchten, denn dann könnten wir mit schwerem Arbeitsgerät in die Talaue. Aus Naturschutzgründen müssen wir im Frühjahr dann mit Schutzmatten ins Gelände. Das sind erhebliche Mehrkosten und bis der Bereich soweit abgetrocknet ist, dass wir dann überhaupt mit dem Bagger reinkönnen, steht möglicherweise schon wieder die Naturschutzbehörde auf dem Plan und sagt: Jetzt nicht, weil dieses und jenes Tierchen brütet und seine Schutzzeit hat“, sieht Martin weitere Probleme kommen.



Zum Ausgleich für die Versiegelung im Neubaugebiet „Bornbach“ sollte der genehmigte Landschaftsweiher damals geschaffen werden. Den wasserwirtschaftlichen Ausgleich muss die Gemeinde auch jetzt mit der Renaturierung erbringen. Das gilt für die Gemeinde wie auch den Landkreis Südwestpfalz, welcher sich für den Ausbau der K 20 an den Kosten beteiligen muss. Gleiches gelte für weitere Dritte, wie der Ortsbürgermeister sagt. Die Gesamtkosten würden auf Kubikmeter umgerechnet und dann entsprechend verteilt. Selbst wenn sich die einstigen Pläne mit einem großen, touristischen Schwerpunkt in der Ursprungsversion nicht mehr umsetzen ließen, ganz will Berthold Martin auf die Ursprungsüberlegungen nicht verzichten, zumal der Schutz für die Tier- und Umwelt doch eine große Herausforderung ist und bleibt. „Bis zur Marbachhütte hin soll das Gebiet reichen, für die Bürger erlebbar werden und das wollen wir doch noch schaffen, egal wie,“ so der Ortsbürgermeister mit bester Absicht.