| 22:40 Uhr

Langjährige Bürgermeisterin Michaela Hüther verabschiedet
Rat Reifenberg macht Beigeordneten-Wahl spannend

Reifenberg. Keine Gegenkandidaten, trotzdem viele Nein-Stimmen für die gewählten Christian Borst und Markus Semmet. Auch Kita-Kosten und Kuhstall Thema. Von Norbert Schwarz

Wie schon bei der Wahl zum Bürgermeister von Reifenberg am 26. Mai als Pirmin Zimmer mit nur 18 mehr Bürgerstimmen die Nase vor seinem Konkurrenten Thomas Neff hatte, ging es jetzt bei der Wahl der Beigeordneten im Ortsgemeinderat spannend zu. Mit acht Ja- bei vier Nein-Stimmen wurde Christian Borst, welcher schon fünf Jahre das Amt des weiteren Beigeordneten hinter dem ersten Beigeordneten Thomas Neff bekleidet hatte, diesmal zum ersten Beigeordneten gewählt. Neuer weiterer Beigeordneter wurde Markus Semmet. Beim ihm war es mit sieben Ja- und fünf Nein-Stimmen sogar noch knapper.

Harmonie sieht anders aus. Dabei hat Ortsbürgermeisterin Michaela Hüther nach zwei Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit an der Gemeindespitze ein gutbestelltes Feld hinterlassen, wie auch Thomas Neff in seinem Dankeswort als Beauftragter der ausgeschiedenen Ratsmitglieder an die nicht mehr zur Urwahl angetretenen Bürgermeisterin betonte. „Du hast deinen Heimatort auf deine eigene Art, mit deiner Menschlichkeit und Vorbildfunktion geprägt und dabei deutliche Spuren hinterlassen“, merkte Neff an, welcher in der abgelaufenen Wahlperiode selbst durch eine Kampfabstimmung ins Ehrenamt gekommen war, was den heutigen Bürgermeister Pirmin Zimmer veranlasste, damals ganz dem Rat den Rücken zu kehren. Die demokratische Entscheidung von damals habe nie zu Nachwirkungen zwischen den Amtsträgern geführt, Neff sprach vielmehr von einer ausgeprägten, loyalen, einfühlsamen Zusammenarbeit in den letzten fünf Jahren.

Michaela Hüther würdigte ihrerseits die harmonische Zusammenarbeit mit Neff. An Unterstützung aus den Reihen der Ratsmitglieder habe es nie gefehlt, sonst wäre auch das Erreichte nicht machbar gewesen. Mit Blick auf die zukünftige Aufgabenbewältigung verglich Hüther die Gemeinde mit einem Schiff: Der Kapitän stehe zusammen mit seinen Offizieren zwar an Deck, doch entscheidend für das Kurshalten sei die Harmonie in Mannschaft und Schiff. Die Ratsmitglieder als Mannschaft, sie mögen auch bei Gegenwind zusammenhalten, weil nur dann ein Festhalten am Kurs möglich sei. Schlimm, wenn die Mannschaft versuche, in verschiedene Richtungen zu rudern, das Erreichen des Zieles sei dann nicht möglich, stellte die scheidende Ortsbürgermeisterin fest.



Verbandsbürgermeister Thomas Peifer dankte ich gleichfalls für die langjährige, gute Zusammenarbeit. Als Kreis- und Bezirksvorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz zeichnete Thomas Peifer auch Michaela Hüther für die 20-jährige ehrenamtliche Tätigkeit im Rat und Thomas Neff für 25-jährige Ratszugehörigkeit aus.

Anschließend führte Hüther den neuen Ortsbürgermeister Pirmin Zimmer ins Ehrenamt ein, überreichte die Ernennungsurkunde und nahm den Diensteid ab. Zimmer skizzierte mit wenigen Sätzen die gesteckten Ziele für die kommenden fünf Jahre: Das Dorf wieder mit Leben zu erfüllen, Angebote für alle Altersgruppen zu schaffen, Bauland zu erschließen, Spielplätze zu erneuern, überhaupt die Ortsmitte neu zu gestalten mit dem Ausbau der Hauptstraße als Schwerpunkt, das gelte es in vereinten Kräften anzupacken.

Und weil der neue Ortsbürgermeister gleich zum Einstieg in die neue „Ära“ es nicht allein bei schönen Worten belassen wollte, mussten die Ratsmitglieder auch gleich schon heikle Sachthemen entscheiden. Etwa beim Kindergarten, wo es um eine Personalkostenübernahme ging. Die ist normalerweise von der katholischen Kirchengemeinde als Träger zu schultern. Bei der vorübergehenden Aufnahme von fünf weiteren Zweijährigen ändert sich der Personalschlüssel, es fallen 7500 Euro Personalkosten an. Grundlage für die Aufnahme der Zweijährigen ist eine befristete Ausnahme. Andernfalls müsste die Betriebserlaubnis geändert werden. Das hieße aber für die Ortsgemeinde Mehrkostenübernahme bei notwendigen Umbauarbeiten. Deshalb ist unterm Strich die jetzige Lösung für die Ortsgemeinde billiger, zumal der Landkreis Südwestpfalz bereits wegen der Kostenübernahme angesprochen wurde.

Schließlich ging es um das gemeindliche Einvernehmen für den Bau eines Milchkuhstalls im Außenbereich des Ortes. Es soll geprüft werden, ob der Bauherr sich deshalb an Kosten für einen Wirtschaftsweg beteiligen muss. Verbandsbürgermeister Peifer merkte dazu an, das gemeindliche Einvernehmen könne durch die Bauaufsichtsbehörde ersetzt werden, wenn zu Unrecht nicht erteilt. Die Verwaltung wird den Gesamtvorgang prüfen, der Rat dann nochmals entscheiden.