| 21:10 Uhr

Brauchtum
In Rieschweiler wird das neue Jahr mit Gesang begrüßt

 Das neue Jahr mit sakralem Gesang zu begrüßen hat in der Dorfkirche von Rieschweiler seit Menschengedenken Tradition.
Das neue Jahr mit sakralem Gesang zu begrüßen hat in der Dorfkirche von Rieschweiler seit Menschengedenken Tradition. FOTO: Norbert Schwarz
Rieschweiler-Mühlbach. Überschaubar ist sie gewesen, die Schar der Sängerinnen und Sänger, welche sich seit Menschengedenken in der Neujahrsnacht in Rieschweiler-Mühlbach direkt mit dem Einläuten des neuen Jahres im erleuchtete Eingang der Dorfkirche treffen um dort in ganz besonderer Art und Weise das soeben festlich eingeläutete neue Jahr zu begrüßen.

Nämlich mit vielstimmigem Gesang, Glockengeläut, Gebet und zum Nachdenken  anregenden Texten. An einem Gläschen Sekt oder erfrischendem Saftgetränk zwischendurch mangelt es gleichfalls nicht.

Es sind wieder die getreuen Brauchtumspfleger, die der Einladung Folge leisteten. Bewohner des Ortes, überwiegend aus der protestantischen Kirchengemeinde aber auch Katholiken, wie Ingo Job und dessen Ehefrau Waltraud, welche als Katholiken gelebte Ökumene demonstrieren und dieses Neujahrssingen wie die übrigen auch längst zu einer Herzenssache gemacht haben.  Dorfbewohner eben, die in nicht alltäglicher Art und Weise mit einem ganz persönlichen Beitrag den Neujahrsanfang gewählt haben. Engagiert, couragiert und auch mit einem Stück Gottvertrauen, dass alles gut wird in diesem Jahr 2019. Deshalb ist es auch Pfarrerin Ulrike Höflich überhaupt nicht bange um die Zukunft dieses Brauches. Die Schwankungen bei der Teilnehmerzahl, sagt sie, seien durchaus nachvollziehbar; bisweilen liege es am Wetter oder halt im persönlichen Bereich der Betroffenen.  Ulrike Höflich: „Das wird auch künftig eine nicht einschätzbare Größe bleiben“.

Bestärkt wird die Pfarrerin dabei von Hans Isemann, der seit gut einem Jahrzehnt wieder zum festen Kreis der Brauchstumspfleger zwischen Gesang, Gebet und Besinnung  zählt, mit der Feststellung: „Wir haben schon einmal zu Fünft unter dem Chorbogen des Eingangsportals  gestanden und fest gesungen. Es werden auch  künftig mal mehr oder weniger kommen, aber von einer Aufgabe dieses uralten Brauches kann keine Rede sein. Natürlich wäre es  schön, wenn jüngere Gemeindeglieder zu dem Kreis der Unentwegten stoßen würden, aber es wird ja niemand gezwungen, jeder kommt freiwillig und aus innerer Überzeugung hier her. Es ist schön, sich hier zu treffen, zwischendurch auch mal mit einem Glas Sekt auf das neue Jahr anzustoßen und sich daran zu erinnern, dass es der Schöpfer schon irgendwie richten wird.“ 



Isemann ist schon als kleines Kind bei den Eltern mitgegangen, dann in der eigenen Sturm- und Drangzeit, wie er es selbst formuliert, mal weniger, inzwischen erneut konstant. Diesmal begleitete ihn sein jüngster Sohn Matthias, was ihn natürlich freute. Für Hans Isemann und die anderen jüngeren oder älteren Mitsängerinnen und Sänger jedenfalls ist klar: Die erste Stunde in einem neuen Jahr gehört dem traditionellen Neujahrssingen in der Dorfkirche von Rieschweiler.

So sieht es auch Kurt Bauer, das einzige männliche Mitglied im sonst nur mit Frauen besetzten Presbyterium der Kirchengemeinde Rieschweiler. „Ich stamme aus Höheinöd, dort gab es sowas nicht. Bald bin ich 40 Jahre echder Rieschwillerer und zusammen mit meiner Ehefrau bin ich schon mehr als 30 Jahre bei diesem Neujahrssingen in der Regel dabei.“ Helmut Bayer hat für sich schon immer gern gesungen, spielte lange Fußball und kam jetzt zum Neujahrssingen. Den Katholiken Ingo Job verbinden viele Erinnerungen aus Kindheits- und Jugendtagen mit der Dorfkirche und dem Brauch des Neujahrssingens. „Mein Freund ist der Gustav Stütze gewesen und dessen Mutter Helene, ein echtes Original im Ort, wie man sie  heute überhaupt nicht mehr antrifft, besorgte unter anderem auch das Kirchenläuten. Als Schüler sangen wir im Chor bei Beerdigungen. Dann, als der Stimmbruch kam, waren der Gustav und ich beim Glockenläuten in der Kirche. Jetzt helfe ich zusammen mit meine Frau Waltraud mit, dass dieser uralte Brauch in meiner Heimatortschaft Rieschweiler nicht verloren geht. Einen Jahresbeginn kann ich mir schöner nicht vorstellen.“