| 22:00 Uhr

Nun „interessierte Beobachterin“
Hilfsbereitschaft der Bürger war für Michaela Hüther stets motivierend

 Michaela Hüther will sich in ihrem Geburtsort Reifenberg nun um Soziales statt Politik kümmern.
Michaela Hüther will sich in ihrem Geburtsort Reifenberg nun um Soziales statt Politik kümmern. FOTO: Antje Feldner
Reifenberg. Ehemalige Reifenberger Bürgermeisterin blickt auf ihre 20-jährige Amtszeit zurück. Von Antje Feldner

Bei den Kommunalwahlen letzten Mai kandidierte Ortsbürgermeisterin Michaela Hüther nicht mehr für dieses Ehrenamt und somit endete ein Lebensabschnitt für sie. Über ihrer 20-jährigen Gemeindeführung spricht die heute 55-Jährige von einer wunderschönen Zeit, die in Facetten sehr spannend, anstrengend, aber auch nervenaufreibend war.

Als große Bereicherung werden in den Erinnerungen die vielfältigen Kontakte zu den Bürgern in Reifenberg, zu Firmen und Institutionen festgehalten, wo sie in den verschiedensten Bereichen dazulernte. Wichtigen positiven Stellenwert bekam, dass sie in der vorwiegend von Männern geprägten Domäne nicht nur akzeptiert, sondern öfters auch zurate gezogen und als Ratsuchende nie abgewiesen wurde. Die Hilfsbereitschaft der Bürger sei ein motivierendes Element für die Arbeit gewesen, was das Durchhaltevermögen gestärkt habe und wofür allen Begleitern Dank gebühre, so die gebürtige Reifenbergerin.

Unter Hüthers Gemeindeführung ließ sich in den zwei Jahrzehnten einiges bewegen, was verständlich Stolz aufkommen ließ. Investitionen wurden gestemmt, wie der Anbau Dorfgemeinschaftshaus, Erschließung Neubaugebiet, Ausbau von Ortsstraßen und Wirtschaftswegen. Die Vereine erhielten bei Investitionen Unterstützung. Besonders erwähnte Hüther, dass das ihr am Herzen liegende Reifenberger Wahrzeichen, die Kapelle, nach kostenaufwendigen Renovierungen für standesamtliche Trauungen zur Verfügung steht und von Brautpaaren rege angenommen wird.



Nicht in ihrem Sinne gelaufen sieht die langjährige Kommunalpolitikerin die eingeführten wiederkehrenden Beiträge zum Ausbau von Ortsstraßen. 2005 war dies in öffentlicher Gemeinderatsitzung Thema, bescherte im Nachgang einen Riesenrummel im Dorf und ihr daraus resultierend schlaflose Nächte. Über zehn Jahre später wurden die wiederkehrenden Beiträge eingeführt, gestützt auf einen demokratischen Mehrheitsbeschluss des Gemeinderates.

Mit Bedauern hingenommen werden musste, dass es nach 28 erfolgreichen Jahren, seit 2015 kein Dorffest mehr in Reifenberg gibt. Die Teilnahme der Vereine scheiterte an den fehlenden Helfern. Was bleibe, seien sehr schöne Erinnerungen.

Sie habe bestimmt nicht alles ideal und vollständig, wie vorgestellt oder ausgemalt, umsetzen können, was aber auf keinen Fall als ein Scheitern anzusehen wäre, betont die ehemalige Ortsbürgermeisterin. Der Abschied vom Ehrenamt habe nichts mit Resignation und erst recht nichts mit Scheitern zu tun. Dabei zitiert Hüther die alte Volksweisheit „Man soll dann gehen, wenn es am schönsten ist“. In diesem Sinn habe sie genau zum richtigen Zeitpunkt aufgehört. Manche würden ihre Entscheidung wohl bedauern, andere wiederum den Zeitpunkt für einen Generationswechsel sehen. Die Demokratie lebe vom Wandel, was den Bürgern die Möglichkeit einräume, sich neu zu orientieren und an der Weiterentwicklung der Heimatgemeinde mitzuarbeiten, so Hüther.

Was hätte besser gemacht werden können, ergebe sich stets in der Folgezeit. Deshalb lautete ihr Credo zur praktizierten kommunalpolitischen Arbeit: „Althergebrachtes auf den Prüfstand stellen, auf Neues reagieren, durch positive Kritik zu neuem Denken aufgefordert sein, verstandesgemäß urteilen und kompromissbereit verhandeln.“ Das führe schließlich zu guten Entscheidungen und fördere die Weiterentwicklung einer Ortsgemeinde mit ihren Bürgern, so Hüther.

Den Blick nach vorn gerichtet, will sie als „politischer Mensch“ das Interesse an der Politik und besonders der Kommunalpolitik nicht so schnell verlieren, sich deshalb als Mitglied des Kreistages auch weiterhin für soziale Belange der Ortsgemeinden einsetzen und entsprechende Kontakte pflegen. „Das politische Geschehen in Reifenberg will ich allerdings in einer sehr passiven Rolle als interessierte Beobachterin mitverfolgen“, unterstreicht Hüther.

Aus der ehrenamtlichen Arbeit, wie der Seniorenarbeit im Altenwerk, katholischen Kirchenchor oder Cantate-Chor, will sich sie nicht zurückziehen, weil diese Freude bereite. Mehr konzentriert wird sich auf das Privatleben, um Ehemann Toni gekümmert, Städtereisen unternommen, sportliche Aktivitäten betrieben, sich intensiver mit Homöopathie und Naturheilmitteln befasst und unbedingt einen Nähkurs besucht. Der Begriff „Langeweile“ werde nach wie vor in ihren Leben nicht auftauchen, unterstreicht Hüther ganz dick.