| 20:08 Uhr

Mit Expertin Katja Friedrich
Köstliche Gesundheit aus der Natur

 Behutsam pflückt Katja Friedrich ein wenig Kraut, weil es schließlich auch als Bienenweide dient.
Behutsam pflückt Katja Friedrich ein wenig Kraut, weil es schließlich auch als Bienenweide dient. FOTO: Cordula von Waldow
Höheischweiler. Bei ihrer Kräuter­wanderung mit Katja Friedrich erfuhren die Landfrauen des Kreisverbands Südwestpfalz und ihre Gäste viel Wissenswertes rund um essbare Kräuter, Garten- und Wiesenpflanzen. Im Mittelpunkt stand das Johanniskraut. Von Cordula von Waldow

„Das hier kann man auch essen“, erklärte Katja Friedrich und pflückte Fünffingerkraut, hilfreich bei Verdauungsbeschwerden. Rund 30 Frauen und ein Mann, die der Einladung des Kreisverbands der Landfrauen Südwestpfalz zur Kräuterwanderung mit der Expertin gefolgt waren, staunten immer wieder. Über das enorme Wissen der Apothekerin, vor allem jedoch über die Vielfalt und die Möglichkeiten, die uns die Natur bietet.

Viele der essbaren Kräuter wachsen in jedem Garten, an jedem Feldweg, in jeder Wiese. Im Mittelpunkt des Abends stand das Johanniskraut, Heilpflanze des Jahres 2019. Mit Blick auf Temperaturen weit über 30 Grad führte die Kräuterexpertin die Gruppe von der Kirche auf dem angelegten, schattigen Parkweg bis in ihren „Zaubergarten“, anstatt auf dem Sonnenweg rund um das Höhendorf herum. Alle paar Schritte blieb sie stehen, um am Wegesrand oder in der Wiese ein neues Kraut, eine Blühpflanze oder auch ein Blatt zu pflücken und zu erklären.

„Das wächst überall, völlig kostenfrei können wir es ernten“, sagte sie etwa über Rotklee (gut für Wechseljahresbeschwerden) oder Löwenzahn – eine von der Blüte über die Blätter bis zur Wurzel vielfältige Heilpflanze. Einige Teilnehmer hatten noch keinen Giersch gesehen und freuten sich jetzt, die gesunde, frei wuchernde Pflanze, an ihrem Dreieckstengel identifizieren zu können. „Anbraten mit Zwiebeln und zubereiten wie Spinat, dann schmeckt er ganz ähnlich“, wurden gleich die ersten Rezepte ausgetauscht. Blüten von Rosen, Stockrosen oder Taglilien, Wegwarte, sogar die hübsche, zierliche Wicke sind essbar. „Allerdings nicht die Samen“, informierte die Apothekerin.



Vielen war die Brenn- und Taubnessel bereits als wertvoller Lieferant wichtiger Vitamine und Mineralstoffe bekannt. „Sie enthält auch viel Eiweiß, wie alle grünen Blätter“, erklärte die Fachfrau. So liefere ein grüner Smoothie mit zahlreichem Blattgrün nicht nur alle benötigten Nährstoffe bis auf gesunde Fette, sondern halte auch sehr lange satt. Dazu lassen sich die Blätter aller Pflanzen, Obstbäume und Sträucher verwenden, deren Früchte man auch essen kann. Mit einer Ausnahme: Walnussblätter enthalten extrem viel Säure und eigenen sich nicht zum Verzehr. Dafür staunten die Probierlustigen über den nussigen, erfrischend säuerlichen Geschmack und den hohen Sättigungswert von den Haselblättern.

Essbar ist auch Johanniskraut. Am Spielplatz in der prallen Sonne und auf dem kargen Sandboden gedieh das goldgelbfarbene Sonnenwendkraut prächtig. Zerreibt man Blüten oder die winzigen Blättchen, sondert es rotes Öl ab, seinen wertvollen Inhaltsstoff. So kann es nicht verwechselt werden, etwa mit dem giftigen, großblätterigen Jakobs-Kreutz-Kraut und dessen asternähnlichen gelben Blüten.

Als Tee, Öl oder Tabletten aus der Apotheke wirkt Johanniskraut entspannend, bei nervösen Magen-Darmbeschwerden, Angst- und Unruhezuständen oder Depressionen. Als wertvolles Hautöl heilt es frische Narben, Zahnfleischentzündung oder Sonnenbrand und löst verkrampfte Muskeln. Da es die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöht und in der Sommersonne zur Fleckenbildung führen kann, ist eine regelmäßige und hoch dosierte Einnahme für die Winterzeit zu empfehlen.

Im Anschluss stellte die Gruppe selbst hochwertiges Johanniskrautöl her. „Das geht ganz einfach“, stellten die begeisterten Teilnehmer fest. „Wir haben gesehen: die Natur ist ein Gesundheitsbrunnen mit einer heilenden, gesundheitsfördernden Wirkung“, dankte die Vorsitzende, Beate Schnur, Katja Friedrich für ihre fundierten, umfangreichen und interessanten Ausführungen.

Johanniskrautöl-Rezept – Zutaten: kalt gepresstes Öl aus biologischem Anbau, zum Beispiel Olivenöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl, Mandelöl, Johanniskraut: Blüten, Blätter und Stiele (frisch oder bei größeren Mengen getrocknet in guter Bioqualität (Quelle: Herbathek) Sammelzeitpunkt: Um den Johannistag am 24. Juni, dann blüht üblicherweise das Johanniskraut und enthält das meiste Johanniskrautöl. Nicht bei Regen sammeln, sonst ist das Öl verwässert und verdirbt schneller.

Herstellung: Johanniskraut kleinschneiden, in ein Glas geben, leicht drücken, nicht pressen. Öl einfüllen, muss die zerkleinerten Pflanzenteile komplett überdecken. Bei frisch gesammelten Johanniskraut das Glas für 4 bis 5 Tage mit einem Leinentüchlein abdecken und täglich umrühren. Das in den Pflanzenteilen enthaltene Wasser verdunstet, das erhöht die Haltbarkeit. Dann mit einem Deckel verschließen und täglich schütteln, damit sich das austretende Johanniskrautöl in der Mischung verteilen kann und ein Konzentrationsgefälle entsteht. Ansonsten stockt das Heraustreten des wertvollen roten Öls. An einem hellen Ort für 4 bis 6 Wochen stellen und täglich bewegen, solange bis bis das Öl eine satte rote Farbe aufweist. Mit einem Leinentüchlein filtrieren und das Filtrat in eine braune Glasflasche füllen.

Aufbewahrung: An einem dunklen und kühlen Ort in einer Weithalsflasche aus braunem Glas circa ein Jahr haltbar.