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Ortsgemeinderat
Hiebsatz nur halb ausgeschöpft

Rieschweiler-Mühlbach. Rieschweiler-Mühlbach: Der Gemeinderat beschließt den Forstwirtschaftsplan 2020. Von Lothar Feldner

(lof) Der Ortsgemeinderat Rieschweiler-Mühlbach hat dem von Forstamtsleiter Theodor Ringeisen vorgestellten Forsteinrichtungswerk (FEW), das die Waldbewirtschaftung der nächsten zehn Jahre regelt, zugestimmt. Erstellt worden war die Fortschreibung des Planwerks auf der Grundlage von Waldbegehungen in den beiden Vorjahren.

Der Wald enthält er einen Holzvorrat von 65 400 Festmetern, rund 9000 Festmeter mehr als beim letzten Forsteinrichtungswerk. Nachdem das Durchschnittsalter der Bäume bei 106 Jahren liegt, das heißt viele alte Bäume mit geringerem Wachstum, wurde der Holzzuwachs von 6,9 Festmeter pro Jahr und Hektar im Jahr 2007 auf 6,5 Festmeter für das nächste Jahrzehnt herabgesetzt.

Der Eichenbestand ist mit 30 Prozent „erfreulich hoch“, sagte Ringeisen. Der Buchenbestand liegt bei 32 Prozent. An dritter Stelle findet sich die Fichte mit 18 Prozent. In diesem Zusammenhang wurde noch einmal die Schädigung dieser Baumart durch Hitze und Borkenkäfer hervorgehoben, ein Umstand, der zum Preisverfall bei dieser Holzart führte.



Als Besonderheiten des auf der Gemarkung wachsenden Waldes wurden neben dem hohen Anteil an älteren Buchen und Eichen die Zerstreuung auf 23 Abteilungen herausgestellt sowie die teilweise schwierige Erschließung. Zudem weist der Wald etliche Biotope auf. Der jährliche Hiebsatz von 1332 Festmetern wurde mit bislang 653 Festmeter nur zu 49 Prozent ausgeschöpft. Aus diesem Grund hat das neue FEW auch den möglichen Hiebsatz auf 1509 Festmeter erhöht. Was die Waldpflege betrifft, so sollen künftig „klimatolerantere“ Baumarten bevorzugt werden, ebenso wie die Waldverjüngung. Drei Nein- gegenüber 14 Ja-Stimmen gab es bei dem von Revierförster Hermann Gries vorgestellten Forstwirtschaftsplan 2020. Demnach ist ein Holzeinschlag von 930 Festmeter vorgesehen. Dafür wird mit einem Erlös von 52 600 Euro gerechnet. Demgegenüber stehen Aufwandskosten von 23 600 Euro. Weiterhin gemindert wird der Erlös durch Kosten beispielsweise für Verkehrssicherung und Wegeunterhalt, vor allem jedoch durch die Beförsterungskosten in Höhe von 12 600 Euro. Schließlich gehen noch 7500 Euro an Kosten für Versicherungen und Beiträge ab, so dass letztendlich noch ein Gewinn von 825 Euro verbleibt.

Das rief Axel Stuppy (FWG) auf den Plan. Seit Jahren werde viel Geld in den Wald gepumpt, doch trotz Holzeinschlag bleibe wenig für die Gemeinde und manchmal müsse sie sogar noch drauflegen. Er schob dies vor allem auf die hohen Beförsterungskosten, die man durch eine weniger intensive Art der Forstarbeit beziehungsweise eine Beförsterung in Intervallen verringern sollte.

In diesem Zusammenhang informierte Ortsbürgermeister Peter Roschy auch über die Beantwortung einer Ratsanfrage an das das Forstamt Westrich. Demnach gibt es in der Verbandsgemeinde 1043 Hektar Waldfläche, wobei Rieschweiler-Mühlbach eine Spitzenposition einnimmt. Auf die bei der Anfrage angesprochene Einstellung eines eigenen Försters durch die Verbandsgemeinde hin informiert das Schreiben darüber, dass sich dies erst bei einer Waldgröße von mindestens 1 500 Hektar finanziell lohnen würde.

Kritisch war der Rat bei der eventuellen Annahme des gewonnenen Gutscheins in Höhe von 15 000 Euro im Rahmen des „WiFi4EU“-Projekts. Die Ortsgemeinde hatte 2019 an der europaweiten Ausschreibung teilgenommen und im Losverfahren den Gutschein gewonnen. Mit der Annahme sind allerdings etliche Bedingungen hinsichtlich der Einrichtung von kostenlosen Wlan-Zugängen an öffentlichen Orten verbunden.

So müssten neun Access-Points im Freien und zwei in geschlossenen Räumen eingerichtet werden. In der Gemeinde bedürfte es allerdings nur sieben Einrichtungen dieser Art. Mit dem EU-Zuschuss könnten alle Anschaffungskosten finanziert werden, nicht jedoch die Folgekosten, die bei 5100 Euro jährlich liegen würden. Altbürgermeister Heino Schuck (SPD) brachte es auf den Punkt. Er empfahl, auf den Gutschein zu verzichten, weil zuviel finanzielle Nachteile mit der Annahme verbunden seien. Der Rat schloss sich dieser Meinung an.