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Der Avalonorden vom Roten Drachen
Gemeinsam arbeiten, feiern und Esel züchten

Janina Lorenz, die Vorsitzende des Avalonordens, kümmert sich gemeinsam mit den anderen Vereinsmitgliedern um die Poitou-Esel. Diese alte Haustierrasse ist beinahe ausgestorben.
Janina Lorenz, die Vorsitzende des Avalonordens, kümmert sich gemeinsam mit den anderen Vereinsmitgliedern um die Poitou-Esel. Diese alte Haustierrasse ist beinahe ausgestorben. FOTO: Susanne Lilischkis
Biedershausen. Der Avalonorden vom Roten Drachen kümmert sich um alte Haustierrassen und traditionelles Brauchtum. Sie sehen sich eher als Mehrgenerationenhaus, in dem das alte Gastrecht noch gilt. Von Susanne Lilischkis

Ein wenig ungewöhnlich klingt der Vereinsname schon. Doch wer das Haus betritt, in dem der Avalonorden des Roten Drachen lebt und wirkt, trifft auf eine Reihe bodenständiger Mitglieder, die sich als Lern- und Lebensgemeinschaft verstehen. Bekannt geworden ist der Verein durch sein Engagement für vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen. Vier Poitou-Esel, davon zwei aus eigener Zucht, nennen die Biedershausener ihr eigen. „Die Eselzucht ist langsam, Esel tragen zwölf Monate lang. Danach kümmert sich das Muttertier ein Jahr um sein Junges“, sagt Vereinsmitglied Thomas Göbel, „anfangs haben wir uns gefragt: Was passt hier ins Gelände? Wir haben in Biedershausen steile Hänge, da sind die Esel gute Rasenmäher.“

Für sein Engagement in Sachen Artenschutz darf sich der Avalonorden „Nutztier-Arche“ nennen. Vergeben hat das Siegel die „Vielfältige Initiative zum Erhalt gefährdeter Haustierrassen“, kurz „Vieh“. Sie hat das Ziel, alte Haus- und Nutztierrassen vor dem Aussterben zu schützen. Diese Initiative gibt es seit 2004, seitdem hat sie bundesweit 245 Nutztier-Archen gegründet sowie zwölf Nutztier-Archen im Ausland.

Gerade werden die Biedershauser Esel daran gewöhnt, an der Leine geführt zu werden. Später einmal könnten sie bei Eselwanderungen oder im Rahmen von Selbsterfahrungs-Workshops eingesetzt werden. Die großen, zotteligen Tiere sind sehr neugierig – haben aber auch ihren eigenen Willen. Mit den Tieren umzugehen sehen die Mitglieder des Ordens als eine große Bereicherung. In der alten Dorfgaststätte hat der Verein seinen Sitz. Drei der etwa 20 Mitglieder leben dort, die anderen sind über ganz Deutschland verstreut. Man trifft sich zu Festen und Workshops in Biedershausen und auch, um altes Brauchtum aus der Zeit der Druiden wieder aufleben zu lassen.



Mit Esoterik hat man beim Avalonorden wenig am Hut, spirituelle Höhenflüge sind den Mitgliedern fremd. Sie sehen sich eher als Mehrgenerationenhaus, in dem das alte Gastrecht noch gilt, und in dem jeder seine Kenntnisse zum Wohl der Gemeinschaft einbringen kann. So gibt es einen Garten, in dem alte Gemüsesorten angepflanzt werden. Gerade ist eine große Kräuterspirale im Bau.

Mitgliedsbeiträge erhebt der Verein keine, stattdessen sind alle willkommen, auf dem Hof mitzuarbeiten. „Wer etwas kann, darf es dem anderen beibringen“, sagt die Vorsitzende Janina Lorenz. Zu tun gibt es genug: Der Verein plant, einen Ofen für den Keramikbrand und für selbst gebackenes Brot zu bauen. Auch eine Grube für den Brand von Raku-Keramik ist geplant. Mit dem Lehm, der sich im Garten findet, haben die Vereinsmitglieder auch schon experimentiert. Sie zogen eine Fachwerk-Wand durch den alten Tanzsaal des Gasthauses, um Platz für die Bücherregale der vereinseigenen Bibliothek zu haben.

Mit ihren Aktionen und Festen schlagen die Mitglieder eine Brücke zwischen Brauchtum und der heutigen Zeit. „Wir fragen uns: Was lässt sich ins Heute transportieren? Wir suchen nach Alternativen zur Konsumgesellschaft – aber gleichzeitig sind wir natürlich alle erwerbstätig, da sind pragmatische Lösungen gefragt“, bemerkt Birgit Wenzel, die zweite Vorsitzende. Seine Ideen und das selbst herausgebrachte Buch stellt der Verein auf Messen und Handwerkermärkten vor. Und er bietet Tierfreunden, die sich in der Nutztierarche engagieren wollen, eine Eselpatenschaft an. Wer sich für die Tiere interessiert, kann auch gerne im Stall helfen.