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Ich lebe gerne in Biedershausen
Ein handgemachtes Dorffest

 Die Feuerwehrleute gehen bei Arbeiten im Dorf stets mit gutem Beispiel voran. So auch jetzt bei den Dorffest-Aufbauarbeiten.
Die Feuerwehrleute gehen bei Arbeiten im Dorf stets mit gutem Beispiel voran. So auch jetzt bei den Dorffest-Aufbauarbeiten. FOTO: Norbert Schwarz
Wie das kleine Biedershausen das jährliche Großereignis stemmt. Von Norbert Schwarz

Eine riesige Helferschar – zumindest gemessen an der Einwohnergröße – ist an diesem Samstag und Sonntag in Biedershausen auf den Beinen, damit die Bürger des Ortes zusammen mit ihren Gästen ein zünftiges Dorffest feiern können. Die Biedershauser Bürger lassen es beim Dorfgemeinschaftshaus rund um den Buswendeplatz wieder mächtig krachen. Dabei ist es längst ein offenes Geheimnis, dass das Dorffest der kleinen Ortschaft auf der Sickingerhöhe mit ihren gerade einmal 200 Einwohnern von ganz besonderem Flair geprägt ist.

„Ein bisschen stolz sind wir schon darauf, dass sich bei uns immer noch viele Helfer finden, damit wir zusammen mit unseren Gästen das Dorffest feiern können. Das Dorffest ist für uns auch ein Stück Tradition“, erklärt Ortsbürgermeister Christian Bühler mit einem verschmitzten Lächeln.Er ergänzt: „Wenn man Orte aus der Nachbarschaft sieht, in denen nur noch auf private Initiative hin etwas läuft, dann ist das für uns in Biedershausen schon was Besonderes“. Bei den Aufbauarbeiten zur Wochenmitte herrschte jedenfalls wuseliges Treiben vor dem Dorfgemeinschaftshaus und der Feuerwehrbleibe. Im Haus selbst sorgten Frauen aus dem Dorf für saubere Böden und trafen die notwendigen Festvorkehrungen für den Fall, dass Petrus vielleicht kein Einsehen mit der Biedershauser Feiergemeinde haben könnte und im Dorfgemeinschaftshaus gefeiert werden muss.

Die Organisatoren jedenfalls sind für alle Eventualitäten gewappnet. Dieter Gorczyca, schon 47 Jahre aktiv bei der Feuerwehr und seit fünf Jahren verantwortlicher Wehrführer der örtlichen Löscheinheit, berichtet: „Wir machen das alle ja schon lange genug und haben ausreichend Erfahrung.“ Das „Wir“ bedeutet dabei nicht allein, in der Ortswehr aktiv zu sein, sondern beschreibt die Dorfgemeinschaft insgesamt. Ratsmitglieder gesellen sich ebenso zur Helfertruppe wie der Bürger des Ortes oder Personen, die in der Vergangenheit im kommunalen Mittelpunkt standen. Wie Altbürgermeister Thomas Büffel, der sich ebenso wie Ehefrau Brigitte unter die Helferschar gemischt hat. „Bei uns geht immer alles zusammen“, stellt auch Thomas Büffel fest und bedauert dennoch, dass es in der 200 Einwohner zählenden Ortschaft jetzt nur noch einen Verein gibt, den Förderkreis der Feuerwehr. „Meer stelle jo a de Borjemäschder“, sagt Feuerwehrboss Gorczyka und will damit sagen, dass Christian Bühler mit zur Führungsriege bei der Feuerwehr zählt. Als Kassenführer sorgte der Bürgermeister Jahrzehnte lang dafür, dass bei den Floriansjüngern auch finanziell alles im Lot ist. Die dabei gemachten Erfahrungen will Bühler weiterhin auf der kommunalen Ebene pflegen. Die Liebe zur überschaubaren Dorfgemeinschaft ist riesig, aus jedem Haus kommen die Helfer und fast aus jedem Haus gibt es für Sonntag Kuchenspenden, wenn die Dorffrauen zur Kaffeetafel laden und dafür ein üppiges Büffet aufbauen. Selbstbewusst sind die Biedershauser allemal und halten auch viele Festtraditionen hoch. So kommt bei ihnen am Samstagabend keine vorgefertigte Pizza in den Backofen, den sie mit Buchenholz befeuern. Die Biedershauser Pizzen sind allesamt „handgemacht“, werden individuell nach Wunsch belegt und bekommen eine Tomatensoße als Grundlage, die nach geheimer Dorfrezeptur hergestellt wird. „Essen aus der Kühltruhe ist nicht unser Ding“, sagt Christian Bühler – wobei Experimentierfreude durchaus groß geschrieben wird. So gab es letztes Jahr beispielsweise Gyros anstelle von Rollbraten. Der Biedershauser Rollbraten, mit Fleisch von Biedershauser Schweinen würzig zubereitet, wurde allerdings schmerzlich vermisst. „Einen Versuch war es wert, doch die Nachfrage ist dermaßen riesig gewesen, dass es am Sonntag neben den anderen Gerichten auch wieder den Rollbraten mit Beilagen gibt“, erklärt Bühler die Rückkehr zur Tradition.⇥cos



 Ohne die Landfrauen läuft in Biedershausen nicht viel.
Ohne die Landfrauen läuft in Biedershausen nicht viel. FOTO: Norbert Schwarz