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Interview mit  Christine Burkhard und Peter Sprengart
Diesen Sonntag Stichwahl um die Führung von Wallhalben

 Christine Burkhard hatte im ersten Wahlgang 47,8 Prozent erreicht.
Christine Burkhard hatte im ersten Wahlgang 47,8 Prozent erreicht. FOTO: Norbert Schwarz
Wallhalben. Die beiden Kandidat/innen von FWG und CDU setzen auf Merkur-Anfrage vor der Entscheidung am Sonntag einige unterschiedliche Akzente. Von Norbert Schwarz

Neue Chance, neues Glück heißt es für die Wahlberechtigten von Wallhalben, was die Entscheidung angeht, wer künftig an der Spitze der Ortsgemeinde Wallhalben steht: Am kommenden Sonntag, 16. Juni, entscheidet eine Stichwahl, wer Bürgermeister/in wird.

Der langjährige Ortsbürgermeister Berthold Martin (FWG) kandidierte ja schon beim ersten Urnengang am 26. Mai nicht mehr.

Nach diesem Urnengang vom 26. Mai verblieben Christine Burkhard (FWG) mit ihren 276 Stimmen und Peter Sprengart (CDU) mit seinen 209 Wählerstimmen im Rennen um die Wählergunst. Mit 93 Stimmen „ausgeschieden“, um beim sportlichen Vergleich zu bleiben, war der Dritte in der Bewerberrunde Frank Schäfer, für den 93 Stimmen bei der Ortsbürgermeisterwahl verzeichnet worden waren (wir berichteten). Weil damit aber weder Burkhard (47,8 Prozent) noch Sprengart (36,2 Prozent) mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhielt, ist nun die Stichwahl erforderlich. Beide Kandidaten antworteten diese Woche auf einige Fragen unserer Zeitung:



Wie ist die Stimmung im Dorf? Haben sie noch viele Gespräche geführt und Türklinken geputzt?

Christine Burkhard: Der Wahlkampf vor dem ersten Urnengang ist schon sehr heftig gewesen und leider belastet mit vielen Unwahrheiten, Falschdarstellungen und Fehlinterpretationen. Bei einem Ortsspaziergang mit dem Motto „Weck, Worschd unn Woi“ konnte ich am letzten Samstag bei einem Ortsrundgang nochmals zeigen und erläutern, was mit der FWG als stärkste Fraktion im Ortsgemeinderat erreichbar war, und diese Arbeit will ich fortführen. Berthold Martin von der FWG verstand es, sich erfolgreich für den Heimatort einzusetzen An diese Erfolge will ich anknüpfen, wenngleich ich dabei selbstverständlich meinen eigenen Führungsanspruch betonen und darlegen werde. Mit 276 Stimmen lag ich bei der Wählergunst ja schon vorn, haben die Wählerinnen und Wähler den ersten Schritt in die richtige Richtung getan und jetzt heißt es die Wähler erneut zu mobilisieren und Stimmen hinzu zugewinnen, damit es bei der Spitzenstellung bleibt.

Peter Sprengart: Ich rechne jetzt beim zweiten Urnengang mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen, die Karten werden neu gemischt. Und weil Erfolge nicht von allein in den Schoß fallen, auch nicht bei Wahlen, habe ich mit einem neuen Flyer nochmals die Wähler meines Heimatortes sensibilisiert und versucht für mich und meine Person zu gewinnen. Soweit sich beim Austragen direkte Gespräche ergaben, habe ich den Bürgerkontakt selbstverständlich gesucht. Andererseits, im Ort sind die Bewerber ja bestens bekannt und ich wollte auch auf keinen Fall den Bogen überspannen, denn eine gewissen „Wahlmüdigkeit“ kann auch zu einem Fernbleiben beim Urnengang führen und das sollte auf keinen Fall sein, schließlich ist es ein hohes Gut der Demokratie. die Wahl zu haben. Und ändern soll sich einiges in unserem Ort. Wie gesagt, die Chancen stehen 50:50. Von der Wählergruppe Lauer, die den Bewerber Frank Schäfer unterstützte, ist keine Wahlaussage getroffen worden, aber auch diese Wählergruppe tritt ja auch an, um Veränderungen herbeizuführen.

Das Einführen des wiederkehrenden Beitrags beim Straßenausbau ist zu einem Reizthema im Ort geworden. Wie stehen Sie als Bürgermeisterkandidat/in dazu?

Christine Burkhard: Gerade dazu gab es viele Unwahrheiten, die im Dorf für Unruhe sorgten. Reduziert man die Betrachtungsweise auf die Rechtslage, dann muss ich zwei Dinge feststellen: Eine absolute Gerechtigkeit gibt es nicht im Betragswesen. Und wenn alle Grundstückseigentümer an Ortsstraßen gleichermaßen zu Beiträgen herangezogen werden, dann ist das doch eine Gleichbehandlung aller, gegen die es im Grund nichts einzuwenden gibt. Alle Beitragspflichtigen (das sind die Eigentümer bebauter oder bebaubarer Grundstücke) sind eine große Solidargemeinschaft. Wenn sich daran rechtlich, durch Rechtsprechung etwa, was ändert, dann muss die Gemeinde das beachten. Es kommt aber doch nicht von ungefähr, dass viele andere Ortschaften in der Region gleichfalls den wiederkehrenden Beitrag einführen, um eine Betragsgerechtigkeit zu erzielen.

Peter Sprengart: Ein Hinterfragen dieser Art der Beitragserhebung erscheint mit dringend notwendig und angebracht. Schließlich gibt es inzwischen schon Bundesländer, die eine gänzliche Abkehr von der Beitragserhebung im Straßenausbau eingeführt haben. Tatsache ist, dass mit dem wiederkehrenden Beitrag und der Art und Weise, wie die Beitragserhebung vorgenommen wurde, eine große Unzufriedenheit im Dorf sich breitmachen konnte. Diese Form der Beitragserhebung sorgt für Unruhe im Dorf. Deshalb ganz klar, nochmals auf den Prüfstand. Vielleicht sind es auch nur Stellschrauben, an denen man drehen muss, auf jeden Fall muss es mehr Transparenz und Übersichtlichkeit in der Verwaltungsarbeit an der untersten Ebene geben. Selbst unter dem Aspekt, dass das Einführen des wiederkehrenden Beitrags eine Entscheidung des gesamten Rates gewesen ist.

Was soll sich in der Ortsgemeinde ändern, wo werden Sie als künftige Ortsbürgermeisterin oder Ortsbürgermeister Schwerpunkte setzen?

Christine Burkhard: Unser Heimatort muss weiterhin das Grundzentrum für die umliegenden Orte bleiben. Das ist auch aus steuerlichen Gesichtspunkten ungemein wichtig. Ich selbst betreibe schon über Jahrzehnte mit Helfern eine beispielhafte Seniorenarbeit. Das möchte ich künftig verstärkt auch mit der Jugend tun. Wir schaffen neue Spielplätze für Kleinkinder und junge Kinder. Ich denke, dass auch die heranwachsende Jugend – etwa mit einem Spielplatz wo Cross-Radfahren möglich ist – Freude haben kann und einen Treff findet. Kleines Baugebiet, Hochwasserschutz bei Starkregenereignisse und alle die Dinge sind ja schon wiederholt thematisiert und es gilt, sie abschließend voranzutreiben.

Peter Sprengart: Haushaltsbesserung ist für mich ein oberstes Gebot. Wir können nicht immer nur Schulden machen, das geht einfach nicht. Der Schuldenabbau muss her, deshalb sollte ja auch die neue Haushaltsverabschiedung dem neu gewählten Rat überlassen werden. Ein monatlicher Seniorentreff ist für mich eine Verpflichtung. Dabei ist es mein Ziel, dass dieser monatliche Treff weder den Gemeindehaushalt noch eine Vereinskasse belastet. Die Dorfjugend soll mit ins Boot geholt werden, um die Dinge umsetzbar zu machen, sie für die Mitarbeit in den Gemeindeparlamenten frühzeitig einzustimmen. Das Ehrenamt muss großgeschrieben werden. Es muss eine Forderung bleiben, dass das Verwaltungsgebäude ein Außenstandort mit Postfiliale der Verbandsgemeinde bleibt. Parteiübergreifend muss die Arbeit im Rat werden, dann sind die Ziele erreichbar.

 Peter Sprengart war am 26. Mai auf 36,2 Prozent gekommen.
Peter Sprengart war am 26. Mai auf 36,2 Prozent gekommen. FOTO: Norbert Schwarz