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Jubiläum am Mittwoch
Die Liebe begann beim Tanzen

 Helga und Walter Klein feiern am Mittwoch in Winterbach ihre Diamant-Hochzeit.
Helga und Walter Klein feiern am Mittwoch in Winterbach ihre Diamant-Hochzeit. FOTO: Norbert Schwarz
Winterbach. Helga und Walter Klein aus Winterbach sind seit 60 Jahren verheiratet. Von Norbert Schwarz

Das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit feiern am Mittwoch Helga und Walter Klein  aus der Battweilerstraße 1 im Winterbacher Ortsteil Niederhausen. Vor 60 Jahren ist in der Matthäuskirche von Winterbach der wenige Tage zuvor standesamtlich geschlossene Lebensbund vor Gott dem Herrn besiegelt worden. Vier Kinder, zwei Mädels und zwei Jungs, werden zusammen mit ihren Ehepartnern und sechs Enkeln zu den ersten Gratulanten an diesem nicht alltäglichen Ehejubiläum zählen.

Sechzig Jahre Gemeinsamkeiten, mit Höhen und Tiefen und insbesondere  jeder Menge Arbeit – die noch körperlich und vor allem geistig fitten Eheleute Helga und Walter wollen es kaum glauben. Was habe sich in diesen sechs Jahrzehnten nicht alles verändert und gewandelt, fragen die  beiden Jubilare gemütlich auf der Familienchouch sitzend, wo Helga Klein für einen Moment des Gesprächs den Strickstrumpf zur Seite legt, um auf die vielen Fragen die passende Antwort zu geben. Für den Zwei-Personen-Haushalt sorgt Helga noch heute ganz allein, ist froh darüber, dass sie auf die Hilfe der Kinder nicht angewiesen ist, weil die doch alle mitten im Leben stehen. Insbesondere Sohn Jörg mit seiner Familie, der den landwirtschaftlichen Betrieb des Vaters zu einem Großbetrieb mit rund 80 Kühen, einer gleichen Anzahl an Aufzuchtvieh und rund 100 ha Wirtschaftsfläche bis zum heutigen Tag aufgestockt hat. Mit Stallungen, Hallen und Wohnhäusern.

Kennen und lieben gelernt haben sich die Jubilare bei einem Tanzabend im damaligen Gasthaus Nickel in Niederhausen, an die einst beliebte Gaststätte erinnert nichts mehr im Dorf. Aus Hinterpommern stammt Helga Klein, musste als junges Mädel die Flucht aus der Heimat mit ihrer Familie meistern und kam nach kurzen Zwischenstationen auf der Insel Fehmarn und einem Jahr auf dem Scharrhof bei Hettenhausen nach „Närresche“, wo dem Vater mit seiner fünfköpfigen Familie ein kleiner Pachtbetrieb im Ort zugewiesen wurde. Bei dieser Flucht wurden übrigens sämtliche Familienbande gesprengt, bis zum heutigen Tag gibt es keine Verbindungen zu Cousinen, Cousins oder anderen Anverwandten. Zu viele hätten einfach den Krieg nicht überlebt, stellt die Jubilarin ein wenig innehaltend fest.



Walter Klein ist ein Ur-Närrescher. Mit fünf weiteren Geschwistern wurde er auf dem elterlichen Bauernhof an der Battweilerstraße groß. Drei Pferde hatten sie im Stall, der erste Bulldog kam in den 50er Jahren hinzu, ein „echter Lanz“ der noch mit Glühkopf vorzuglühen war, seitlich über das Schwungrad angeworfen wurde und bis zum Verkauf beim Niederauerbacher Kohlenhändler Hofer Speditionsmittel gewesen ist. „Frieher hat mer mehr geschaffd, deshalb hann mer auch an moim Geburtsdaa geheiraad“, erwähn Walter Klein stolz, der 30 Jahre lang mit viel Geschick und Hingabe als engagierter Kommunalpolitiker die Geschicke von Niederhausen und Winterbach mitbestimmte.