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Spendabler Sohn der Heimat
Die Amerikaner mit Bier begeistert

Gästeführerin Hiltrud Woll (rechts) rückte am Welttag der Gästeführer einen der bekanntesten Söhne Wallhalbens überzeugend in den Mittelpunkt: Friedrich-August-Poth.
Gästeführerin Hiltrud Woll (rechts) rückte am Welttag der Gästeführer einen der bekanntesten Söhne Wallhalbens überzeugend in den Mittelpunkt: Friedrich-August-Poth. FOTO: Norbert Schwarz
Wallhalben. Unterhaltsame Gästeführung über den Wallhalber Auswanderer Friedrich-August Poth. Von Norbert Schwarz

Das Reisen ist für die Menschen der Gegenwart zur Selbstverständlichkeit geworden. Gästeführer haben dabei eine ganz besondere Rolle übernommen. Als zertifizierte Gästeführerin bringt die in Lambsborn groß gewordene und seit vielen Jahren im Arnbachtal beheimatete Hiltrud Woll Jahr für Jahr den Interessierten die Geschichte der Region näher.

Ein Schwerpunkt bilden dabei Persönlichkeiten, die in der Ferne sich einen „Namen machten“, es zu Ansehen und Wohlstand brachten und dennoch ihre Heimat nie vergaßen. Zum Weltgästeführer-Gedenktag rückte Hiltrud Woll jetzt einen großen Sohn Wallhalbens in den Mittelpunkt: Friedrich-August Poth. Eine Persönlichkeit, welche in Nordamerika ein wahrer Bier-Imperium schuf und getreu der Losung „Stets lieb behalt im fernen Land den Ort, wo deine Wiege stand“ lebte.

Mehr als 30 Teilnehmer ließen sich von den winterlichen Temperaturen nicht abschrecken und gingen mit der Gästeführerin nach einem aufwärmenden Kartoffelschnaps auf Spurensuche. Die Gedenktafel am ehemaligen Schulhaus war dabei ein Haltepunkt, der neben Poths Geburtshaus in der gleichnamigen „Poth-Straße“ nicht fehlen durfte. Warum zur Überrachung der Teilnehmer die Gedenktafel nicht am Geburtshaus hängt, erklärte Ortsbürgermeister Berthold Martin später auf Nachfrage: Der gegenwärtige Hausbesitzer wolle dies nicht. Allerdings hofft  Martin hofft in der Sache noch auf Bewegung.



Weitsichtig war Mitte des 19. Jahrhunderts der Dorfschuster Poth, schickte dieser doch Sohn Friedrich-August auf die „höhere Schule“ nach Zweibrücken, was für die Zeit um 1850 keineswegs üblich gewesen sei, wie Hiltrud Woll betonte. Als Zwanzigjähriger wollte der 1840 zur Welt gekommene Westpfälzer dann in der neuen Welt sein Glück machen. Zusammen mit zwei Brüdern fasste er in Philadelphia Fuß und entdeckte gleich eine Marktlücke: Schmackhaftes Bier. Für die Beschreibung, wie das dortige, amerikanische Bier geschmeckt haben mochte, erntete Woll schallendes Gelächter: „Gezuckert wie Lackreiniger, ausgeschenkt in Automechanikerhandschuhen …“.

Jedenfalls eröffnete Friedrich-August Poth schon 1861 seine erste Bierbrauerei in Philadelphia mit einer Jahresproduktion von 500 Fass, die ständig wuchs. Grundbesitz und Vermögen waren wohl ausschlaggebend, dass der deutsche Einwanderer schon nach einem Jahrzehnt die US-Staatsbürgerschaft erhielt.

Gästführerin Hiltrud Woll zeichnete ein sehr eingehendes und persönliches Bild des Mannes, der es zu Ansehen und Reichtum in der neuen Welt brachte und sich dennoch mit seinem Heimatort stets verbunden fühlte. Den Bau des historischen Gotteshauses an markanter Stelle Wallhalbens finanzierte Poth mit mehr als 50 000 Mark. Dass der Wohltäter Friedrich-August Poth die Einweihung am 27. Mai 1906 nicht mehr miterleben konnte bedauerten viele Bürger. Die damals aus Philadelphia angereiste Witwe Helene schenkte der Kirchengemeinde spontan nochmals zwei Glocken und eine neue Turmuhr. Die Kosten beliefen sich dafür auf 5714 Mark, wie die Gästeführerin mitteilte. Damit nicht genug, noch zu Lebzeiten hatte der Auswanderer dafür gesorgt, dass die Menschen des heutigen Wallhalbens eine „Wasserversorgungsanlage“ erhielten. Das Rohrnetz war 1400 Meter lang, zwei Brunnen speisten die höher gelegenen Brunnenkammern. Das Wasserholen und die Ziehbrunnen gehörten von da an der Vergangenheit an.

Zum Abschluss im kleinen Saal des Ludwig-Katz-Hausesführte Steffen Süs aus Winterbach, ein Erzeuger von „Craft-Beer“ der Gegenwart, die Zuhörer in die Geheimnisse des Bierbrauens ein.