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Obsternte in der Region
Daumendrücken schadet nicht

 Michael Höhe bei der wichtigen Arbeit des „Jahres-Rückschnitts“ in seiner Obstplantage am Ortsrand von Biedershausen.
Michael Höhe bei der wichtigen Arbeit des „Jahres-Rückschnitts“ in seiner Obstplantage am Ortsrand von Biedershausen. FOTO: Norbert Schwarz
Biedershausen. Obstbauer Michael Höhe aus Biedershausen ist zuversichtlich, dass 2020 ein gutes Erntejahr wird. Von Norbert Schwarz

Nach der mäßigen Ernte im letzten Jahr, geht der Obstanbauer Michael Höh, der am Ortsrand von Biedershausen Obstplantagen mit vorwiegend Apfel-, Birnen und Zwetschgenbäumen bewirtschaftet , von einem guten Erntejahr 2020 aus. Die Anbauerfahrung aus mehr als 50 Jahren ist der Grund für diese Ernteprognose. Allerdings, Eisheilige und kalte Sophie dürfen die gedankliche Rechnung des umtriebigen Obstanbauers nicht durchkreuzen.

„Sollten wir zu den Tagen der Eisheiligen und der kalten Sophie, das sind die Tage vom 11. Mai bis 15. Mai, keinen Frost bekommen, dann bin ich mir ganz sicher, dass wir eine gute Obsternte bekommen“, gibt sich der Obstplantagenbesitzer überzeugt. Doch selbst, wenn in diesen Maitagen nochmals mit Bodenfrösten zu rechnen wäre, müsse das noch nicht heißen, dass der Kältesturz den treibenden Obstbäumen etwas anhaben kann. Das sei dann der Fall, wenn die Blüten der Obstbäume sich in Fruchtknospen verwandelt haben.

Etwas Daumendrücken sei schon angesagt, aber die Natur regle das, die Beeinflussung durch menschliche Hand sei doch gering, stellt Michael Höh im Gespräch fest und widmet sich dabei weiterhin dem Baumschnitt zu. Die mehr als 600 Obstbäume bekommen jetzt nämlich den Jahresschnitt, damit die Blatttriebe schnell kommen. Der Rückschnitt sei das, was im letzten Jahr sozusagen als „Wildwuchs“ an den Spalierbäumen zu erkennen sei. Dieser Schnitt sei angesagt, wenn die Bäume kein Laub tragen und weil man damit eigentlich schon im Dezember beginnen kann, sei oft auch vom Winterschnitt die Rede.



Weil wie schon angeklungen die Obsternte in allen Sorten und Bereichen mäßig ausfiel, rechnet Michael Höh jetzt mit einem blütenreichen, sprich ertragreichen Jahr. Vom inneren Gefühl her vollkommen überzeugt, verzichtet Höh in diesem Jahr auch auf eine Blütenbefruchtung durch Hummeln. „Letztes Jahr sollten diese Arbeit Bienen übernehmen, doch der Imkerfreund ließ mich im Stich. Auf Hummeln, mit denen ich sehr gute Erfahrungen machte, will ich es gleichfalls nicht probieren, ich pokere etwas und sage die Natur wird es nach dem schlechten Jahr 2019 diesmal richten. So ist es in der langjährigen Berufserfahrung schon öfter der Fall gewesen.“

Langsam sollte in den kommenden Tagen der Temperaturanstieg sein. Wichtig deshalb, weil sich sonst wieder der Schorfpilz einstellen wird und diesem nur durch Spritzen beizukommen ist. Schwarze Schlauchleitungen durchziehen das Plantagengelände, sie sorgen für eine feindosierte Tropfbewässerung, wenn nicht genügen Regen vom Himmel kommt. Vom Blütenbesprühen mit Wasser bei den Eisheiligen und der kalten Sophie, wie das etwa die großen Obstanbauer am Bodensee tun, hält Michael Höh nichts. „Dafür wäre es dann bei uns doch zu kalt, würden die Blüten zu lange unter der sonst schützenden Eisdecke sein und Schaden leiden. Deshalb machen wir das schon gar nicht.“ Eisheilige, kalte Sophie und Pilzerkrankungen, das seien jetzt die Fragezeichen für das Erntejahr 2020.

Gleichzeitig mit dem Rückschnitt wird auch gedüngt. Maßvoll, versteht sich, auch darin hat Höh reichlich Erfahrung. „Blaukorn, 100 Gramm für jeden Baum, das reicht.“ Neue Sorten haben in der Plantage auch wieder ihren Standort gefunden. Michael Höh experimentiert dieserhalb durchaus – und das erfolgreich. „Auf alte Apfelsorten wie Boskop und so legen wir großen Wert, weil die auch von der Kundschaft nachgefragt werden. Vier neue Apfelsorten sind es dieses Jahr. Freiherr von Hallberg, Gräfin Goldach, Sonnenglanz und Rubinella.“ Letztere Sorte soll die bekannte Apfelsorte Rubinette geschmacklich ersetzen und als Winterapfel nicht allein Hausfrauenherzen beim Kuchenbacken erfreuen.