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Traditions-Veranstaltung
Bruder Konrad-Ritt startet zum 88. Mal

 Pfarrer Bernhard Selinger wird auch in diesem Jahr die Prozession anführen.
Pfarrer Bernhard Selinger wird auch in diesem Jahr die Prozession anführen. FOTO: nos
Wallhalben. Zu dem Ereignis am kommenden Wochenende werden zahlreiche Besucher mit und ohne Pferde erwartet. Von Norbert Schwarz

Pferdefreunde und  Pilger kommen am ersten Maiwochenende wieder ins Wallhalbtal, genauer nach Labach und Wallhalben. Denn dort organisieren die Großpfarrei „Heiliger Bruder Konrad“ mit ihren mehr als 5000 Gläubigen und die Gemeinde Wallhalben wieder den traditionellen Bruder-Konrad-Ritt. Es ist die 88 Prozession dieser Art.

Für Pfarrer Bernhard Selinger von der Großpfarrei Heiliger Bruder Konrad mit Sitz in Martinshöhe ist es seit einigen Jahren schon eine Selbstverständlichkeit, höchstpersönlich als Reliquienreiter die Prozession von Reitern und Kutschenfahrern von Labach hinunter nach Wallhalben anzuführen. Die rund vier Kilometer lange Wegstrecke säumen dabei viele Schaulustige und Gläubige, denn es ist in jedem Jahr ein ganz besonderes Schauspiel, das in solcher Art und Weise nur noch selten geboten wird. Nicht selten mischen sich deshalb unter die Reiterschar und Kutschenfahrer auch viele auswärtige Teilnehmer, solche von der Sickingerhöhe, vor allem aber auch aus dem Landstuhler Bruch, wo viele Kutschenfahrer beheimatet sind.

Die Verehrung des Heiligen Bruder Konrad ist dabei allen ein Bedürfnis, vordergründig oder nachrangig, das kommt auf die jeweilige Einstellung der Teilnehmer an. „De Brure-Konrad-Ritt war schunn immer ebbes Besonneres,“ meint Wilfried Schneider aus Biedershausen, selbst auf einem Bauernhof groß geworden und noch heute eng mit der Landwirtschaft verbunden. Das Entstehungsjahr der Reiterprozession und das Geburtsjahr des Zeitzeugen liegen nur wenige Jahre auseinander und Wilfried Schneider erinnert sich noch gut, wie sich in den Vor- und insbesondere den Nachkriegsjahren im Wonnemonat Mai die Prozession im langen Zug durch die Talaue schlängelte. Da habe der Ritt noch länger gedauert, denn eine so herrlich asphaltierte Landstraße habe es in jener Zeit zwischen den Orten nicht gegeben, merkt Schneider spitzbübisch an und weiß noch bestens, dass auch damals schon nach Prozession und Gottesdienst in den Wirtshäusern von Oberhausen und Wallhalben gefeiert wurde.



Maria Müller aus Martinshöhe, fünf Jahre alt, als erstmals die Reiterprozession gestartet wurde, kann sich insbesondere noch gut an die Nachkriegsjahre und die Prozessionen in den 50er und 60er Jahren erinnern. Vater Martin sei selbst ein wahrer Pferdenarr gewesen  und die Braunen stets mit besonderer Hingabe gestriegelt und gebürstet, wenn es zum Bruder-Konrad-Ritt ging. „Die Hufe wurden geschwärzt, poliert, das Sattelzeug auf Hochglanz gebracht. Und einmal ging eine große Abordnung Martinshöher Reiter als Kapuziner verkleidet, mit brauner Ordenstracht auf den Weg. Dafür gab es sogar einen Pokal. Kutschen sind damals noch nicht so viele mitgefahren, aber weitaus mehr als 100 Reiter immer.“

Alfred Schneider aus Reifenberg kann sich an diese Zeit der Hochblüte dieser Reiterprozession gleichfalls noch gut erinnern und berichtet, dass in jener Zeit das Wahrzeichen des Heimatortes, die Kriegergedächtnis-Kapelle, als Nachbildung auf einem Wagen mitgeführt wurde.

Der Bruder-Konrad-Ritt wird am kommenden Sonntag, 5. Mai, um neun Uhr in Labach beim gotischen Gotteshaus gestartet. Der Festgottesdienst findet um 10 Uhr auf dem Festplatz der Kirche „Allerheiligen“ auf dem Ochsenberg statt. Danach laden die Vereine die Besucher in einem Festzelt auf dem Käthe-Dassler-Platz zur Mittagsvesper ein.