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Winterbach
Attacken gegen Umweltministerin

 Der Ehrenpräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Ökonomierat Norbert Schindler (links), überreichte jetzt dem Kreisverbandsvorsitzenden der Berufsvereinigung Uwe Bißbort die Große Medaille in Silber der Landwirtschaftskammer. Rechts der gegenwärtige Präsident des Bauern und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt.
Der Ehrenpräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Ökonomierat Norbert Schindler (links), überreichte jetzt dem Kreisverbandsvorsitzenden der Berufsvereinigung Uwe Bißbort die Große Medaille in Silber der Landwirtschaftskammer. Rechts der gegenwärtige Präsident des Bauern und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt. FOTO: Norbert Schwarz
Winterbach. Der Bauernverband sieht seinen Stand durch einzelne politische Strömungen ohne Not in Misskredit gebracht. Von Norbert Schwarz

Harsche Kritik an der rheinland-pfälzischen Umwelt- und Ernährungsministerin Ulrike Höfken (Grüne) bei der alljährlichen Versammlung der Bauern- und Winzerschaft Rheinland-Pfalz Süd, zu der traditionell viele Landwirt aus dem Zweibrücker Land, Zweibrücken und der gesamten Region bis nach Pirmasens kamen. Im Situationsbericht fand dabei Verbandspräsident Eberhard Hartelt deutliche Worte und erntete dafür breite Zustimmung. „Das Land geht schlecht mit seinen Bauern und der Region um“, so Eberhard Hartelt wörtlich.  Für den Kreisvorsitzenden Uwe Bißbort gab es am Versammlungsabend die Große Kammermedaille in Silber.

„Wenn sie an die Landwirtschaft denkt, dann fallen ihr nur die Schlagworte Stickstoffe, Pestizide und  industrielle Produktionsstrukturen ein. Stickstoffe, Pestizide und industrielle Produktionsstätten belasten Mensch und Umwelt.“ Mit diesem Zitat der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken eröffnete Präsident  Eberhard Hartelt seinen Themenvortrag „Rahmenbedingungen“ für die Landwirtschaft und stellte, bezogen auf das wörtliche Zitat der Ministerin (es war zeitgleich zur Grünen Woche in Berlin veröffentlicht worden) fest: „Und damit sind wir bereits bei einem Kernthema angelangt, denn sowas gibt nicht allein eine Umweltministerin des Landes von sich, das ist ebenso Jargon der Bundesumweltministerin und vieler Aktivisten der Grünen“, sagte Eberhard Hartelt und meinte: „Ich selbst bin auch Umweltbeauftragter des Deutschen Bauernverbandes, war im letzten Jahr vielfach unterwegs um zu zeigen, was die deutsche Landwirtschaft kann, wie groß die Bereitschaft ist sich anzupassen, Entwicklungen wahrzunehmen und auch zu korrigieren. Zwar wird das oft der Landwirtschaft abgesprochen, aber das zählt zu unserem Berufsverhalten“, so Hartelt.

Vehement  wehrte er sich dagegen und verwies auf die Römischen Verträge, wo klar der Begriff Landwirtschaft, das Produzieren von Nahrungsmitteln, definiert sei. Wenn heute aber die Rede von Landwirtschaft sei, werde diese auf Stickstoffe, Wasserbelastung, Luftbelastung und Ammoniak reduziert. Damit nicht genug, jetzt würde die Landwirtschaft auch für den Feinstaub verantwortlich gemacht. Der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd bezog sich dabei auf einen Politbericht zum Beginn der Grünen Woche, wonach die Landwirtschaft eben 45 Prozent des Feinstaubs verursache. Hartelt wörtlich: „Ja, die Landwirtschaft ist der größte Emittent in der Bundesrepublik Deutschland. Aber nicht unbedingt bei uns, sondern dort, wo die hohen Viehbestände zu verzeichnen sind und das hat der Deutsche Bauernverband nicht nur erkannt, sondern dagegen entsprechende Schritte eingeleitet.“



Die Agrarwende war ein beherrschendes Thema, passend zur Hauptüberschrift „Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft“. Der Standpunkt von Eberhard Hartelt war dazu gleichfalls unbestritten: „Das wollen wir nicht, ein Rückfall in den Bauernstand wie vor 30 Jahren ist mit uns nicht zu machen. Diese heile Welt gibt es nicht, sie wird leider oft auch mit dem Öko-Begriff verbrämt, wobei ich überhaupt nichts gegen Öko-Produktion habe, ganz im Gegenteil.“

Wolfgang Friesen vom Werderhof bei Contwig dankte später bei der Diskussionsrunde für die klaren Worte des Bauernpräsidenten und forderte die zahlreichen Ehrengäste, an ihrer Spitze der Landtagsabgeordnete Christof Reichert (CDU) auf, sich klar zur Landwirtschaft zu bekennen und dem Bauernstand in der Region zu bekennen. „Oder, möge doch der Staat alles machen wie früher in der DDR. Dann werden wir alle Brigadieren, haben unser festes Einkommen und können in den Tag hineinleben.“  Alles sei möglich, nur es gehe nichts zum Nulltarif, das müsse die klare Botschaft aus der Landwirtschaft sein.