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Ministerium dementiert
Studie: An Schulen im Land fehlen 3000 Lehrer

 Leere Klassenzimmer? Das ist an rheinland-pfälzischen Schulen offenbar keine Ausnahme. Der Regionalelternbeirat Koblenz moniert, dass jährlich Millionen Unterrichtsstunden im Land ersatzlos ausfallen.
Leere Klassenzimmer? Das ist an rheinland-pfälzischen Schulen offenbar keine Ausnahme. Der Regionalelternbeirat Koblenz moniert, dass jährlich Millionen Unterrichtsstunden im Land ersatzlos ausfallen. FOTO: dpa / Caroline Seidel
Trier/Mainz/Koblenz. Eltern in Rheinland-Pfalz schlagen Alarm, weil laut einer Studie Millionen Unterrichtsstunden im Jahr ausfallen. Das Bildungsministerium dementiert und verweist auf 170 neue Stellen, die in diesem Jahr geschaffen wurden – obwohl Schülerzahlen zurückgehen würden.

In den rheinland-pfälzischen Schulen fehlen rund 3000 Vertretungslehrer, um den jährlichen Unterrichtsausfall zu decken. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des Regionalelternbeirats Koblenz, die landesweit ausgefallene Stunden aus dem Schuljahr 2017/18 erhoben hat und sich dabei Zahlen des Bildungsministeriums bediente, sagt Autor Erwin Lenz.

Mehr als 2,7 Millionen Unterrichtsstunden fielen danach in dem Schuljahr aus, allein 485 784 davon im Raum Trier, der laut Lenz 531 neue Lehrer braucht. Die meisten Vertretungslehrer fehlten landesweit an Gymnasien (730), Grundschulen (582) und der Realschule plus (563), rechnet Lenz vor. Da zudem immer mehr Lehrer in Teilzeit arbeiteten, „sprechen wir schon von mehr als 4000 Köpfen, die fehlen“, sagt er.

Der Regionalelternsprecher aus dem Raum Koblenz kritisiert, dass der wahre Unterrichtsausfall in einem ganz anderen Licht erscheine, als es das Bildungsministerium in Mainz darstelle. Das Land lasse es unter anderem nicht als Ausfall gelten, wenn Schüler in den Fällen selbstständig lernten, Klassen zusammengelegt wurden, Studenten als Hilfskräfte einsprangen oder Lehrer mehr arbeiteten. Lenz, der dem Land fehlende Transparenz vorwirft, hält dagegen: Stillarbeit sei für jüngere Schüler ungeeignet, qualifizierter Unterricht in größeren Klassen kaum vorstellbar, Studenten fehle es an der nötigen Ausbildung.



Der Elternvertreter warnt auch davor, dass Lehrer laut seiner Erhebung 2017/18 in 1,6 Millionen Unterrichtsstunden krank fehlten. Den höchsten Krankheitsstand in Rheinland-Pfalz haben danach Lehrer in Förderschulen mit rund 8,1 Prozent.

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sieht die Lage indes weniger problematisch. Sie spricht von „schwer nachvollziehbaren“ Schlüssen des Regionalelternbeirats. „In Rheinland-Pfalz können wir – anders als in anderen Bundesländern – unsere Planstellen mit ausgebildeten Lehrern besetzen. Wir haben in diesem Jahr 170 neue Stellen geschaffen, obwohl die Schülerzahlen zurückgehen“, sagt sie. „Dass Lehrkräfte schwanger werden oder erkranken, wird man auch mit 3000 weiteren Lehrkräften nicht ändern“, betont Hubig, die auf Vertretungskonzepte verweist.

Lehrergewerkschaften stellen sich aber hinter die Studie. Die CDU-Landtagsabgeordnete Anke Beilstein nennt das Auseinanderklaffen der Statistiken zum Unterrichtsausfall „erschreckend“ und fordert Antworten vom Land.